Berlin-Mitte - „Nie wieder wird ein Hohenzoller dieses Schloss betreten“, rief Karl Liebknecht am 9. November 1918 vom Balkon über dem westlichen Lustgartenportal herab den begeisterten Massen zu. Kaiser Wilhelm II. hatte die Residenz Ende Oktober verlassen und ausräumen lassen. 59 Güterwaggons beladen mit Möbeln, Kunstwerken und Erinnerungen – das Meiste aus dem Berliner Schloss – rollten ihm ins Exil hinterher.

Die Republik hatte der Kommunistenführer Liebknecht schon proklamiert, kurz bevor er auf den Balkon gelangt war – nämlich vor dem Schloss, von einem Autodach herab, umringt von Menschen. Liebknecht rief die Republik auf dem Balkon ein zweites Mal aus, sodass die ehrende Wiederverwendung des Bauteils im Staatsratsgebäude gerechtfertigt ist. Die Vossische Zeitung schrieb in der revolutionären Stunde: „Der Arbeiter- und Bauernrat von Berlin hat das Schloss in seinen Schutz genommen.“

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