Als die von Karl Friedrich Schinkel entworfene Friedrichswerdersche Kirche 1831 nach fast genau zehn Jahren Planungs- und Bauzeit eingeweiht wurde, stand Berlin für kurze Zeit an der Spitze der mitteleuropäischen Architekturdebatte: Mitten in der bis dahin vom Spätbarock  beeinflussten und klassizistisch geprägten Innenstadt setzte sich hier erstmals durch, was spätere Generationen als „Historismus“ beschrieben.

Schinkel hatte nämlich 1824 für den Ersatz der alten Kirche, die als baufällig galt, gleich vier ästhetisch fundamental gegensätzliche Entwürfe vorgelegt: Als antiker Tempel mit Säulen, mit breit ausladender Kuppel, als Folge gleichhoch gewölbter Renaissance-Räume, mit gotisch anmutenden Türmen. Kronprinz Friedrich Wilhelm, ein durchaus begabter Architekturdilettant, setzte dann durch, dass eine neugotische „Chapel“ entstand. Die riesigen Fenster orientierten sich am Licht-Kult der Sainte Chapelle in Paris, an englischen College-Kapellen oder Kapitelhäusern des Deutschen Ordens in Ostpreußen. Die Lust an der zierlichen Konstruktion und die strenge Grundrisssystematik erinnern an französische Architekturhandbücher der Zeit.

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