Berlin/Halberstadt - Hölzerne Munitionskisten stehen in einem Raum, jede ist gut einen Meter lang und etwa 50 Zentimeter breit. Ihre graue Farbe ist abgeschabt, das Holz rissig, die metallenen Ecken sind angerostet. Aber es liegen keine Patronen oder Granaten darin, sondern Bücher. Tausende. Kleine und große, viele mit grauen, schmucklosen Buchdeckeln, andere mit kunstvoll gestalteten Einbänden. Alte Bücher in alten Kisten. Ein Schatz?

Wahrlich ein Schatz. Und was für einer. Gleichwohl keiner, der sich in Euro und Dollar messen lässt, denn keines dieser Bücher ist eine bibliophile Kostbarkeit, eine Erstausgabe oder ein rarer Sonderdruck. Es sind Unterhaltungsromane, Klassiker aus populären Editionen, Schulbücher, auch viel Fachliteratur und ein paar Zeitschriften. Zerlesen, abgegriffen, angestoßen und mit vergilbten Seiten. Und doch sind diese Bücher ein einzigartiger Schatz, denn ihren Wert beziehen sie aus ihrer Herkunft: Sie stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus den von den Nazis geplünderten Wohnungen deportierter und ermordeter Berliner Juden. Eine Bibliothek der Toten.

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