Berlin - Ach herrje – nun protestiert auch noch eine afrikanische Königsfamilie gegen die Umbenennung des Nachtigalplatzes im Afrikanischen Viertel in Manga-Bell-Platz. König Jean-Yves Eboumbou Dualla Bell, Nachfahre des Mannes, der in Berlin zu Ehren kommen soll, teilt mit: „Manga-Bell ist eine Erfindung der Kolonialherren, die damals einen Familiennamen gebraucht haben.“ Bell – solch schlichter Name ist intellektuell für ahnungslose Kolonialherren zu bewältigen. Kann man sich merken. Nach ortsüblicher Tradition heißt die Familie Bonamanga, Nachfahren von Manga. Mit Hilfe eines in Deutschland lebenden Verwandten klärt der König den „Herrn Bezirksverordnetenvorsteher“ Sascha Schug vom Bezirksparlament Mitte auf: „Auch wenn in der deutschen Literatur stets von Manga-Bell die Rede ist, lautet der Name unseres damaligen Königs: Duala.“ Der heutige Duala-Vorsteher sei „gerne bereit, weitere Auskünfte über die Namensgebung bei den Duala zu geben“. 

Gute Idee. Am Wissen sollten auch all die Afrika-Experten teilhaben, die die BVV bei der Namensauswahl heranzog: Wissenschaftler, Mitglieder einer mehrheitlich aus der hiesigen African Community stammenden Geheimjury, sowie linke Dekolonialisierungsfreunde, die engagiert und kenntnisarm mitreden. Sicherlich ist auch die zuständige Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) interessiert.

Jedenfalls bittet die Familie um Änderung. Wie also könnte der Platz heißen? Rudolf-Manga-Duala-Platz? Wird man sich darüber den Kopf zerbrechen oder auch diesen Einwand wie die Widersprüche der Anwohner vom Tisch wischen? Rudolf Manga Bell (1873–1914) trägt auch bei Wikipedia den ihm in Kolonialmanier aufgedrückten Namen. Er regierte die Duala in deutscher Kolonialzeit und führte den Widerstand gegen die Vertreibung von ihren Wohnplätzen an. 

Wird der Nachfahre auch ernst genommen? 

Der König hatte deutsche Schulbildung erhalten, unter anderem fünf Jahre in Aalen, Baden-Württemberg; er hielt Kontakte zur deutschen Regierung, verehrte Kaiser Wilhelm II. und versuchte innerhalb des Systems, auf friedlichem Wege die Rechtsbrüche und Gewaltakte gegen sein Volk zu beenden. Ernst genommen wurde er nicht, sondern wegen „Hochverrats“ zum Tod durch den Strang verurteilt und am 8. August 1914 hingerichtet. 

Wird sein Nachfahre ernst genommen? Er bittet um eine Einladung nach Berlin sowie um Ein- und Ausreisepapiere. Nach dem Stand der Dinge führt der blind ausgeführte Versuch, Berlin zu dekolonialisieren zur Erneuerung eines alten Aktes der Kolonialisierung. Wäre es nicht so traurig, könnte man es Posse nennen.