Ansicht der Alten Börse am Lustgarten im Jahr 1833, links das Haus für die Dampfmaschine, rechts angeschnitten der alte Schinkel-Dom.
Stich: Wikipedia/Fincke nach einer Zeichnung von Schwarz

Berlin-MitteSchön, wenn man sich auf einem Bild voller nicht mehr vorhandener Gebäude an einer bekannten Landmarke orientieren kann: Auf dieser Abbildung vom Berliner Lustgarten hilft der Turm der Marienkirche rechts neben dem mehr als 20 Meter hohen, schwarzen Qualm ausstoßenden Schornstein. 

Dieser gehörte zu dem 1832 errichteten Maschinenhaus, in dem eine Dampfmaschine platziert war, die Pumpen betrieb, die wiederum die neue Fontäne im Lustgarten in Gang setzte. 13 Meter hoch konnte der Wasserstrahl des Springbrunnens aufsteigen. Viel Dreck für ein öffentliches Wasserspiel-Vergnügen.

Die Fontäne im Lustgarten, vor dem Museum steht auch schon die große Granitschale.
Abbildung: Wikipedia/DHM

Den Lustgarten hatten der Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné und der Architekt Karl Friedrich Schinkel gemeinsam umgestaltet, nachdem das Königliche Museum (heute Altes Museum) nach Schinkels Entwürfen 1830 vollendet war. Schinkel hatte auch dem Schornstein eine gewisse Ästhetik verliehen, in dem er ihm die Form eines Obelisken verlieh.

In die Mitte der Grünanlage platzierten sie den Springbrunnen. 1829 bis 1830 waren für dessen  Wasserversorgung unterirdisch Rohre verlegt worden. Die Pumpen beförderten zuerst Spreewasser in eine Zisterne auf dem Dach des Museums, dann floss dieses mit Druck herab und schoss als Fontäne nach oben. Das Wasser wurde über einen mit Granitplatten gedeckten gemauerten Kanal in den Kupfergraben abgeleitet. Die Auslassöffnung ist noch heute an der Kanalmauer am Kupfergraben deutlich erkennbar  - beim nächsten Spaziergang mal drauf achten.

Auf einer Blickachse im Jahr 1870: der alte Schinkel-Dom, die  Lustgarten-Fontäne und der Wasseraustrittin den Kupfergraben.
Foto: Wikipedia/E.Römer

1830 war das Jahr des sogenannten Schneideraufruhrs, der - inspiriert von der französischen Julirevolution - politische und soziale Motive hatte und niedergeschlagen wurde. So konnte die Öffnung des Lustgarten nach dem Umbau für das Volk König Friedrich Wilhelm III. als populäre Maßnahme angerechnet werden. 

Auf den um den Springbrunnen herum angelegten Wiesen konnten fortan die Normal-Berliner (in angemessener Kleidung) lagern und staunen. In den 1990er-Jahren wurde bei der Rückgespaltung des Lustgartens von einem Exerzier- und Aufmarschplatz in eine Grünanlage auch wieder ein Springbrunnen gebaut.