Das sonnige Wetter an der Spree genießen - aber mit gebotenem Abstand.
Foto: Sabine Gudath/imago images

BerlinSelten waren so viele Fahrradfahrer auf dem breiten Radweg zwischen Bahnhof Südkreuz und Potsdamer Platz unterwegs wie an diesem  Sonntagnachmittag. Dazwischen Fußgänger, die versuchten, den offiziellen Corona-Abstand einzuhalten. Im Gleisdreick-Park rollte ein Polizeineinsatzfahrzeug langsam durch die Grünanlage, davor eine Handvoll Beamte, die kontrollierten, ob die Corona-Verordnung eingehalten wurde.

Szenen wie diese ereigneten sich an vielen Stellen in Berlin - und im übrigen Deutschland. Das schöne Wetter lockte die Menschen hinaus ins Grüne. Zugleich galt es aber die Auflagen einzuhalten. Das kontrollierte die Polizei. Die Bilanz in Berlin: Die Polizisten mussten  über 50  Strafanzeigen am Wochenende schreiben, Menschen immer wieder ermahnen, auseinanderzugehen.   

Auch andernorts meldeten die Polizei Verstöße gegen die Pandemie-Vorschriften und sogar gewaltsame Gegenwehr gegen die Beamten, berichtet AFP. In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden etwa hatten sich am frühen Samstagabend etwa 25 meist betrunkene Menschen auf einem öffentlichen Platz versammelt. Als die Polizei die Gruppe zerstreuen wollte, zeigte sich ein Großteil der Zusammengekommen wenig begeistert: Beamte wurden mit Zigaretten beworfen, bespuckt und bedroht. Ein 30-Jähriger schlug einem Polizisten ins Gesicht.
Weitere Menschengruppen, wie bei einer Corona-Party in der niedersächsischen Gemeinde Fintel, einem Kinderflohmarkt in Ihlow oder einer Grillparty auf einem Waldspielplatz in Wäschenbeuren konnten aufgelöst werden.

Lesen Sie hier: Das Coronavirus und der Datenschutz >>

Auch manche Geschäfte sehen die Ausgangsbeschränkung bis heute nicht so streng. Die Oldenburger Polizei stieß bei Kontrollen unter anderem auf den Geschäftsführer eines Autohandels, der sein Geschäft geöffnet und eine Probefahrt für einen potenziellen Käufer arrangiert hatte. Im Kreis Diepholz hatte die Polizei Probleme mit vielen noch geöffneten Pkw-Waschanlagen und SB-Waschboxen. Hier musste die Polizei im Landkreis insgesamt elf Anlagen schließen.

Die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic warnte die Polizei angesichts der bundesweiten Kontrollen vor Übertreibungen. „Die Umsetzung der Maßnahmen treibt mancherorts merkwürdige Blüten, beispielsweise wenn Parkbesucher nach Hause gefahren werden, damit die Ordnungskräfte dort mit Türschild-Abgleich feststellen können, ob die Eingesammelten tatsächlich im selben Haushalt leben oder gegen das Kontaktverbot verstoßen haben“, schrieb sie in einem Positionspapier, aus dem das Redaktionsnetzwerk Deutschland  zitierte.

Die Regeln zur Eindämmung des Virus hätten eine hohe Akzeptanz, fuhr Mihalic fort. Was aber häufig fehle, sei ein klarer Handlungsrahmen für Polizei und Ordnungsämter: „Dabei darf nicht der leiseste Zweifel daran aufkommen, dass es ausschließlich darum geht, überlebensnotwendigen Infektionsschutz zu gewährleisten, und nicht darum, nach und nach ein neues beziehungsweise eigentlich doch längst überkommenes Verständnis von Obrigkeit zu etablieren.“

Die Coronavirus-Pandemie: Aktuelles, Hintergründe und Analysen >>

Die Polizei im Land Brandenburg hat  wie die Berliner Kollegen insgesamt eine positive Bilanz gezogen. „Offensichtlich gehen die Brandenburger ganz pragmatisch und nüchtern mit den Regeln der Landesregierung um“, sagte Polizeisprecher Torsten Herbst der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Das beobachte man bereits seit etwa zweieinhalb Wochen. Insgesamt sei die Situation im Land sehr entspannt. „Für uns als Polizei hat sich mit dem Bußgeldkatalog nichts verändert. Wir kommunizieren und entscheiden mit Augenmaß“, ergänzte er. Seinen Angaben zufolge gab es am Samstag 277 Corona-bedingte Einsätze. Darunter fielen 11 Strafanzeigen.