Tänzerinnen und Tänzer in Aktion. 
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BerlinDie Mutter einer Schülerin an der Staatlichen Ballettschule fragt: „Sind wir hier in einem Kafka-Roman?“ Die Ignoranz, mit der die Bildungsverwaltung den verständlichen Sorgen von Eltern begegnet, deren Kinder in die Staatliche Ballettschule gehen, wird mit jedem Tag absurder. Seit Ende Januar wird diese Schule von den schlimmsten nur denkbaren Vorwürfen heimgesucht. 

Die Bildungsverwaltung setzte zwei Kommissionen ein, um negativen Meinungen und Vorkommnissen nachzugehen, wie sie zuvor in einem anonym verbreiteten Dossier erhoben worden waren. Danach lud sie mehrfach die Presse ein, über die dramatischen Vorwürfe zu berichten. Angeblich reichen sie bis zu sexueller Gewalt, physischen und psychischen Misshandlungen.

Die Kommissionen fanden heraus, dass zwei oder drei der insgesamt rund 120 Lehrkräfte an der Schule im Fokus der Vorwürfe stehen. Die Namen der Lehrer seien ihnen bekannt, hieß es vor der Presse. Und was macht die Bildungsverwaltung mit diesem Wissen? Man wüsste es gern.

Eltern schrieben an die Senatorin, dass ihre Kinder nicht von den belasteten Lehrern unterrichtet werden sollten, bevor die Vorwürfe aufgeklärt sind. Was antwortet die Verwaltung? Sie dankt für den Hinweis und schickt ihn weiter an die Kommission. Die Eltern sind entnervt, denn die Expertenkommission hatte sich für nicht zuständig erklärt. Die Experten waren bereits in der Schule, sprachen mit Lehrern und Eltern, erklärten ihnen, dass sie keine Untersuchung durchführen und Vorwürfe von Schülern nicht auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen. Dafür sei allein die Senatsverwaltung zuständig.

Da können sich Eltern schon mal wie bei Kafka fühlen, wenn sie erfahren, wie die Bildungsverwaltung unter Sandra Scheeres und Staatssekretärin Beate Stoffers arbeitet. Zuerst stellt sie im Februar den Schulleiter und den künstlerischen Leiter der Schule medienwirksam frei, dann prüft sie, ob es Gründe gibt dafür und welche. Über Monate lässt sie Vorwürfe sammeln, dann vor der Presse ausbreiten, bis der Ruf der Schule ruiniert ist. Aber von einer tatsächlichen Untersuchung der schweren Vorwürfe wurde bis heute nichts bekannt.

Weder die möglicherweise übergriffigen Lehrer noch die beiden Leiter der Schule wurden bisher zu den Vorwürfen gehört. Allerdings unterrichten die einen offensichtlich unbehelligt weiter, die anderen dagegen haben Hausverbot und wehren sich gegen eine angekündigte fristlose Kündigung.