Er ist einer der berühmtesten Tierparks weltweit: der Zoologische Garten in Berlin. Mehr als drei Millionen Besucher lockt er jedes Jahr an, über 17 000 Tiere gibt es dort zu sehen. Doch wem gehört der Zoo eigentlich? Und welches Unternehmen steckt dahinter? Anders als die meisten anderen deutschen Tierparks gehört der Zoo nicht der Stadt, sondern er ist im Privatbesitz. Es handelt sich um eine gemeinnützige, also nicht gewinnorientierte Aktiengesellschaft. Und das schon seit seiner Gründung im Jahr 1841.

Dem Zoologen Martin Hinrich Lichtenstein war es damals gelungen, den Preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zu überreden, einen Teil des Geländes seiner Fasanerie am Berliner Tiergarten für die Errichtung eines Zoos unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Es ist bis heute der Standort des Zoologischen Gartens.

Ein Anteil für 4000 Euro

Zur Finanzierung des Zoos kam man schon damals auf die Idee, Aktien auszugeben. Aktionäre der ersten Stunde waren überwiegend wohlhabende Berliner Bürger. 1913 kam das Aquarium dazu. Seitdem gibt es zwei Kategorien von Zoo-Aktien: die erste Aktienkategorie beinhaltet einen Anteil an Zoo und Aquarium. Davon gibt es insgesamt 3 000 Stück. Die zweite Kategorie beschränkt sich dagegen auf den Besitzanteil am Zoo ohne Aquarium. Davon gibt es sogar nur 1000 Stück. Die Stückzahl ist also streng limitiert. Dafür haben die Aktien einen stolzen Preis: Aktuell kostet eine Zoo-Aktie ohne Aquarium etwa 3800 Euro, eine Zoo-Aktie mit Aquarium sogar rund 4000 Euro. Aber man konnte mit der Zoo-Aktie gut verdienen: So war sie zum Beispiel im Jahr 2003 noch für 1500 Euro (mit Aquarium) zu haben.

Doch ökonomisch so richtig erklären lässt sich dieser spektakuläre Kursanstieg nicht. Eine Dividende gab es noch nie. Wollen sie in den Zoo oder ins Aquarium, können die Aktionäre für 575 Euro ein lebenslanges Eintrittsrecht erwerben. Bis vor ein paar Jahren war dieser zusätzliche finanzielle Aufwand nicht nötig: Aktionäre hatten freien Eintritt. Doch das geht aus rechtlichen Gründen nicht mehr, sagt Zoo-Chef Andreas Knieriem im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Seit zwei Jahren ist Knieriem alleiniger Vorstand des Unternehmens Zoologischer Garten Berlin und Direktor des Zoos, des Aquariums und des Tierparks im Ostteil der Stadt, der ebenfalls zum Unternehmen gehört.

Ein bisschen ist die Entwicklung des Aktienkurses auch ein Spiegelbild der Ereignisse in und um den Zoo. So machten beide Zoo-Aktien einen kräftigen Schub nachdem 2006 Knut geboren wurde. Der kleine Eisbär brachte es zu weltweiter Popularität und dem Zoo Besucherrekorde. Als Knut 2011 starb, ging es mit dem Aktienkurs wieder etwas abwärts – zumal in dieser Zeit auch der damalige Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz in Ungnade fiel. Ihm wurde wiederholt ein schlechter Führungsstil und noch schlechterer Umgang mit den Tieren vorgeworfen. 2014 musste Blaszkiewitz schließlich seinen Hut nehmen. Seitdem hat Andreas Knieriem im Zoo das Sagen. Und seitdem geht es mit dem Aktienkurs auch wieder deutlich nach oben.

Gehandelt werden die Aktien an der Berliner Börse. Umsätze kommen jedoch kaum zustande. Denn die meisten Aktionäre behalten ihre Anteile und vererben sie. Wenn aber jemand doch verkaufen will, bietet er seine Aktien in der Regel über die Börse an. Es kommt aber auch vor, dass die Berliner Börse selbst als Händler auftritt: Will zum Beispiel ein Anleger eine Aktie verkaufen, kann es sein, dass die Börse die Aktie erwirbt und so lange in ihrem Bestand hält, bis sich ein Käufer dafür findet. Da es sich bei der Zoo-Aktie um eine sogenannte vinkulierte Namensaktie handelt, wird der Zoo über jede Transaktion informiert.

Keine öffentlichen Zuschüsse

Zu den Zoo-Aktionären gehörten bis in die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts auch etwa 1 500 angesehene jüdische Familien – ehe sie von den Nazis unter Mithilfe der damaligen Zoo-Direktion gezwungen wurden, ihre Aktien unter Wert zu verkaufen. Auch dieses traurige Kapitel gehört zur Geschichte des Zoologischen Gartens.

Haupteinnahmequellen des Zoos, der immerhin mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt, sind bis heute die Eintrittsgelder sowie private Spenden „ohne die der Zoo nicht überlebensfähig wäre“, wie Zoo-Chef Knieriem betont. Das Entscheidende: Er kommt schon immer ohne öffentliche Zuschüsse aus. Dem Land Berlin kostet der Zoo also keinen Cent. Lediglich der Tierpark im Ostteil der Stadt, erhält Zuwendungen vom Berliner Senat.

Doch auch wenn der Zoologische Garten keine Zuschüsse erhält, seine Eigentümer können trotzdem nicht tun und lassen, was sie wollen, „Würden wir zum Beispiel plötzlich den Eintrittspreis verdoppeln, würde das Land mit Sicherheit einschreiten“, sagt Zoo-Chef Knieriem. Denn das Land übt beim Zoo eine staatliche Aufsicht aus. Auch jede Satzungsänderung, Änderungen des Grundkapitals und natürlich ein theoretisch möglicher Beschluss einer Auflösung des Zoos durch die Direktion oder die Aktionäre bedürfen seiner Zustimmung. Eine ohnehin nur sehr konstruierte Möglichkeit. Denn wer sollte schon ernsthaft in Erwägung ziehen, den Zoo zu schließen und Berlin damit einer seiner wichtigsten Attraktionen zu berauben?