Berlin - Auf sieben großen Festivals wird auch im Sommer 2021 weder gesungen noch getanzt oder getrunken. Betroffen sind unter anderem die Open-Airs „Rock am Ring“ und „Rock im Park“. Veranstaltungen in dieser Größenordnung scheinen trotz vorsichtiger Öffnungsschritte noch immer weit entfernt. Dabei stammt ein Vorschlag zu einer besseren Kontaktnachverfolgung bei solchen Events mitten aus der Musikszene. Der Rapper Smudo, bürgerlich Michael Bernd Schmidt, 53, Mitglied der Fantastischen Vier, hat mit seiner Band und dem Berliner Technologie-Unternehmen Nexenio die App „Luca“ entwickelt. Sie könnte künftig Öffnungen erleichtern.

Dabei sollen Daten eines Besuchers – beispielsweise im Restaurant oder im Theater – per QR-Code verschlüsselt gespeichert und erst dann an das Gesundheitsamt übermittelt werden, wenn es an besuchtem Ort zu einem Infektionsfall kommt. Seit geraumer Zeit wird die App auf einigen Nordseeinseln und in Sachsen-Anhalt zur Kontaktnachverfolgung genutzt. Eigentlich wollten die Bundesländer bereits eine einheitliche bundesweite Lösung präsentieren. Zuletzt kündigte Mecklenburg-Vorpommern an, das System flächendeckend im eigenen Bundesland einzusetzen. Plant Berlin mit der „Luca“-App? Kann die App die Schnittstelle zu den Gesundheitsämtern werden?

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte am Mittwoch, dass es zusätzlich zu Schnelltests und mehr Tempo beim Impfen eine digitale Kontaktnachverfolgung bei den Gesundheitsämtern brauche. „Hierbei kann die ‚Luca‘-App helfen. Es wird Zeit, dass wir sie auch in Berlin nutzen“, so Pop. Auf Nachfrage der Berliner Zeitung beim Entwickler Nexenio heißt es dazu: „Wir kommen aus Berlin und wollen ‚Luca‘ natürlich auch in Berlin nutzen!“

Ginge es nach Thomas Lengfelder, wäre die App bereits seit vergangenem Dezember im Einsatz. Der Geschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands habe „Luca“ dem Berliner Senat zu diesem Zeitpunkt als digitales Hilfsmittel bei der Pandemie-Bekämpfung empfohlen. Lengfelder spricht von einem „Versagen ersten Grades“, dass die App in Berlin noch nicht Teil der Öffnungsstrategie ist. Liegt es allein an der Politik?

Damit „Luca“ seinen Zweck erfüllen kann, muss die App an die Gesundheitsämter angeschlossen werden. Seitens des Entwicklers heißt es, dass man bundesweit mit rund 200 Gesundheitsämtern in Gesprächen sei, auch in Berlin. Laut eines Zeit-Artikels wollen 150 dieser Ämter „Luca“ auch nutzen. „Unser Ziel ist die Anbindung aller Gesundheitsämter in den nächsten vier Wochen“, sagte Léa Böhm, Pressesprecherin von „Luca“ der Berliner Zeitung.

„Luca“ ist nicht die einzige App zur Kontaktnachverfolgung

In Berlin stellt sich die Bereitschaft etwas anders dar. „Wir haben Informationen, dass 50 Prozent der Gesundheitsämter den Einsatz von „Luca“ nicht in Erwägung ziehen, weil sie digital nicht richtig ausgestattet sind“, sagt Lengfelder. „Das ist ein absolutes No-Go!“ Lengfelder fordert die Politik auf, die Gesundheitsämter zu verpflichten, sich dieser App anzuschließen.

Erste Öffnungsschritte auf lokaler Ebene könnten bereits aktuell mit „Luca“ gegangen werden, sagt Marten Pauls, Hygienebeauftragter des Bundesverbands des Konzert- und Veranstaltungsverbands mit Sitz in Hamburg. „Ein Club in Berlin, der hauptsächlich regionales Publikum anzieht, kann sofort loslegen, sobald das lokale Gesundheitsamt angebunden ist“, so Pauls.

„Luca“ ist indes nicht die einzige digitale Lösung, die eine Kontaktnachverfolgung ermöglicht. Mit der „Recover-App“ oder der Plattform darfichrein.de gibt es weitere Anbieter auf dem Markt. Pauls sieht das unproblematisch. „Solange bei allen Apps der Zugriff für die Gesundheitsämter gewährleistet ist, finde ich es nicht entscheidend, ob es eine oder mehrere Apps gibt.“ Léa Böhm von „Luca“ sieht das anders. „Nutzerinnen und Nutzer werden sich nicht für jedes Restaurant eine andere App auf ihr Smartphone laden wollen.“ Zudem könne eine lückenlose Nachverfolgung nur mit einem System gewährleistet werden. Zumindest in Mecklenburg-Vorpommern hat man sich bereits zu einem System bekannt.