Donnerstag ist der Tag, an dem T. und ich oft Bus fahren. Nicht immer die ganze Linie, aber so lang wie möglich und dann wieder zurück, weil man auch die Gegenstrecke anders wahrnimmt. An diesem Bustag im frühen Abenddunkelblau steigen wir am Zoo in die M45 Richtung Spandau. Das Metropolengefühl, das die City West uns mitgibt, hält viele Stationen an, obwohl der Bus fast leer ist. Otto-Suhr-Allee, Spandauer Damm, wir folgen Hauptschlagadern im dichten Verkehr, blicken auf einen Teppich aus Blech. Das Schloss Charlottenburg schweigt zu diesem Rushhour-Schauspiel, was soll es auch dazu sagen.

Auf der Brücke am S-Bahnhof Westend haltend blicken wir auf die Autobahn und die Züge hinab und fühlen uns ein wenig erhaben, wie in einem Riesenrad, wenn es anhält und die eigene Gondel ganz oben schwebt. Über die nächsten Stationen dünnt die Stadt aus, entzerrt sich, und mit ihr der Verkehr.

An der Haltstelle Machandelweg fahren wir vorbei, niemand wartet, niemand will aussteigen. Ich finde das schade, weil ich den Klang von „Machandel“ mag und das gleichnamige Buch gerade gelesen habe. Die Zunge macht eine hübsche Bewegung, wenn man es ausspricht, klopft ganz weich an den Gaumen am Ende.

Ruhleben. T. denkt auch über Klang nach, denn sie sagt: „Ruhleben. Was für ein schönes Wort eigentlich“. Ich nicke. Das ist mir noch nie aufgefallen. Für mich war das bis heute die Endstation der U2. Jetzt weiß ich, dass dort sehr viele Menschen in den Bus steigen und dass es ein Krematorium gibt eine Station weiter. Da klingt „Ruhleben“ gleich nochmal anders.

Beim anschließenden Wein reden wir über Namen von Stationen. Ich blättere in meinem Notizbuch und finde Überlegungen zu Bezeichnungen von Straßen und Plätzen, die riesig und historisch klingen, wie zum Beispiel der Platz der Luftbrücke oder der Platz der Vereinten Nationen. Wörter wie Geschichtsbücher. Dazu hatte ich geschrieben, wie gut es ist, wenn die Busse dazwischen an Schildern halten, auf denen einfach nur „Steinplatz“ steht oder „Schwarzmeerstraße“.

Donnerstag ist also auch ein Tag der Wörter und des Sinnierens über sie. Warum das ausgerechnet beim Busfahren so gut funktioniert, muss ich noch herausfinden. Vielleicht, weil Straßennamen an Haltestellen eine besondere Bedeutung zukommt. Weil man sie vorgelesen bekommt. „Nächster Halt“ klingt immer mit und plötzlich finde ich auch das Wort „Haltestelle“ sehr schön in dieser wackeligen Zeit.