BerlinEine ältere Dame steht an der Kasse des Discounters Lidl auf der Wilmersdorfer Straße. Hinter ihr reihen sich weitere Kunden ein, andere streifen durch die Gänge. Das Geschäft ist am Vormittag gut besucht. „Das wird sich ändern. Bald müssen viele wieder draußen warten – und das bei der Kälte“, sagt die Rentnerin. Die Kassiererin nickt: „So wird es wohl kommen.“

90 Menschen dürfen derzeit gleichzeitig in den Supermarkt, nach den neuen Vorschriften bald nur noch die Hälfte. Bei der Drogeriekette dm nebenan soll ab 30. November ein Scanner an der Tür installiert werden, der die Kunden zählt. Bei Butlers will man die Öffnungszeiten um eine Stunde, von 20 bis 21 Uhr, verlängern. „Wir erhoffen uns damit, nicht ganz so viele Einbußen im Weihnachtsgeschäft zu haben“, sagt eine Verkäuferin.

Nicht nur auf der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg laufen die Vorbereitungen auf die neuen Corona-Beschlüsse des Bundes und der Länder. Die Geschäfte müssen reagieren. Fortan soll sich nur noch eine Person pro zehn Quadratmeter in einem Geschäft mit einer Verkaufsfläche bis zu 800 Quadratmeter aufhalten dürfen, in größeren Läden ist eine Person pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche erlaubt.  Zudem müssen Einkaufszentren und Geschäfte durch ein „abgestimmtes Einlassmanagement“ verhindern, dass es im Innenbereich von Einkaufspassagen oder Einkaufszentren „zu unnötigen Schlangenbildungen kommt“. Hinzu kommt die erweiterte Maskenpflicht auch vor Einzelhandelsgeschäften und auf Parkplätzen. Das gilt bereits für ausgewählte Straßen wie die Wilmersdorfer sowie Plätze. Es soll nun auf alle öffentlichen und belebten Straßen, wo es Einzelhandel und Handwerksbetriebe gibt, erweitert werden. 

Der Handel fühlt sich nach dem ersten Lockdown nun erneut ausgebremst. Die Verbände befürchten Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent, erneute Hamsterkäufe sowie lange Schlangen vor den Geschäften. Es gebe „keinen sachlichen Grund, unterschiedliche Regelungen für Verkaufsflächen über und unter 800 Quadratmetern zu erlassen", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, Stefan Genth. Die neue Quadratmeter-Grenze benachteilige zahlreiche Händler, Supermärkte, Einkaufszentren und Kaufhäuser. 

Es sind herausfordernde Zeiten.

André Maeder, Chief Executive Officer der KaDeWe Group 

André Maeder ist seit 2014 Chief Executive Officer der KaDeWe Group GmbH, zu der neben dem KaDeWe noch das Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg gehören. Der Beschluss stellt das Kaufhaus vor neue Herausforderungen: „Es sind herausfordernde Zeiten. Und es kommt darauf an, von welcher Seite man das betrachtet. Grundsätzlich unterstützen wir alle Bemühungen, die die Krise schnell vorbeigehen lassen.  Andererseits tut es uns als großes Haus weh, dass die Gastronomie geschlossen ist, was sich auf den Umsatz auswirkt, auf die Atmosphäre und die Kundenbindung. Letztlich bin ich aber froh, dass wir geöffnet haben. Das ist nicht in allen Department Stores in Europa der Fall.“ Er fügt hinzu: „An den kommenden Wochenenden rechnen wir aufgrund der zu haltenden Sicherheitsabstände mit Schlangen. Aber das ist bereits gelernt, und alle sind sehr diszipliniert, das hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten gezeigt.“

Das KaDeWe zählt 60.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, dem Beschluss nach dürfen sich nun nur noch 3000 Kunden gleichzeitig in dem Kaufhaus aufhalten. In den üblichen Adventswochen zählte das KaDeWe bisher mitunter 100.000 Kunden pro Tag.

Zurzeit kämen nur Berliner, sagt Maeder, Touristen blieben aus. Trotzdem mache es für ihn Sinn, „gerade in dieser Zeit die Sonntage aufzumachen, das würde sicherlich die Kundenströme entzerren. Deshalb verstehe ich nicht, dass es da Widerstand von mehreren Seiten gibt. Jeder verkaufsoffene Sonntag hilft.“