Stellen sich im Oktober der Basis: Sawsan Chebli und Michael Müller
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BerlinWer wird Bundestagskandidat für die SPD in Charlottenburg-Wilmersdorf? 2464 SPD-Mitglieder entscheiden diese Frage vom 16. bis 27. Oktober, indem sie online oder schriftlich votieren. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller tritt in der Mitgliederbefragung gegen seine Staatssekretärin Sawsan Chebli, den Theaterintendanten Frank-Lorenz Engel, Markus Häusler und – erst jüngst hinzugekommen - Christoph Brauer an. So hat es der SPD-Kreisvorstand Charlottenburg-Wilmersdorf am Donnerstagabend beschlossen. Wer in der Wahl unterliegt, so der Beschluss, darf nicht auf der Wahlkreiskonferenz für die Aufstellung zur Bundestagswahl kandidieren, die zwischen dem 28. 11. und 2. 12. stattfinden soll.

Müller erhebt als Regierender Anspruch auf den Spitzenplatz für die Bundestagswahl. Er wurde allerdings schon von Kevin Kühnert aus seinem Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg verdrängt. Könnte ihm nun eine zweite Schlappe drohen?

Theaterintendant Engel habe sich beim Vorstellen im Kreisvorstand, auch neben den prominenten Kandidaten, ordentlich geschlagen, hieß es am Freitag aus Charlottenburger SPD-Kreisen. Klar sei aber: Engel, Häusler und Brauer seien zu unbekannt. Spannend könne es höchstens zwischen Müller und Chebli werden – aber auch da stünden die Chancen deutlich besser für Müller. „Fatal für die Erneuerung der SPD“, stöhnen Müllers Kritiker im Kreis.

Einige halten sie für zu unerfahren, andere für die dringend benötigte Frischekur für die Partei: Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement.
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Frank Jahnke, Mitglied des Abgeordnetenhauses aus Charlottenburg-Wilmersdorf, findet Sawsan Chebli eine „selbstbewusste, beeindruckende Frau“. Er arbeitet im Kreis immer wieder bei Kulturprojekten mit ihr zusammen. „Aber Michael Müller hat als Regierender Bürgermeister die größere Bekanntheit und wohl auch die größeren Chancen“, sagte Jahnke der Berliner Zeitung am Freitag. Müller, der oft als zu blass kritisiert wird, hat aus Jahnkes Sicht keinen Grund, einen Basisentscheid zu fürchten. „Er hat gute Erfahrungen gemacht, als er als Regierender Bürgermeister kandidierte.“

Im Kampf um die Nachfolge von Klaus Wowereit trat Müller, damals Bausenator, 2014 in einem Mitgliedervotum gegen Jan Stöß und Raed Saleh – heute SPD-Fraktionschef – an. Überraschend setzte Müller sich damals bereits im ersten Anlauf durch – mit rund 60 Prozent der Stimmen. Stöß erhielt nur 20,8 Prozent, Saleh 18,6.

Allerdings hat Müller auch Kritiker, nicht zuletzt in Charlottenburg-Wilmersdorf – gerade wegen seines Taktierens in den letzten Wochen. Diese Kritiker wollen ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Erst habe Müller sich aus Tempelhof-Schöneberg vertreiben lassen, dann sei er in Charlottenburg-Wilmersdorf gelandet, sagen sie. Von einem „Durcheinander“ spricht ein Genosse und davon, dass man „insgesamt nicht glücklich sei“. Müller hätte sich früher verbindlich festlegen sollen.

Für einige bedeutet Müller außerdem „Hinterzimmer“, ein veralteter Politikstil. Chebli steht für sie hingegen für die in der SPD so dringend herbeigesehnte Frischekur. Jünger, weiblicher. Aber, auch das räumen Chebli-Unterstützer ein: Ihr fehle der Kontakt zur Basis, die Vernetzung in der Partei. Ihre Chancen seien wohl gering.

Kian Niroomand, stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender, hofft, dass seine Partei sich auf den Wert einer Mitgliederbefragung besinnt: „Dass man Kandidaten hat mit ganz unterschiedlichen Profilen. Jetzt geht es endlich einmal um Inhalte.“

Befürchtungen aus Kreisen der Grünen, eine Niederlage oder ein schwaches Ergebnis für Müller bei einem Basisentscheid könnte ihn auch als Regierenden Bürgermeister schwächen, wischen alle SPDler beiseite. Iris Spranger, stellvertretende SPD-Landesvorsitzende, sagte der Berliner Zeitung am Freitag: „Wichtig ist: Wir haben eine Regierung – und die ist nicht von einer Mitgliederbefragung in Charlottenburg-Wilmersdorf abhängig.“