Berlin - Bei Berlins Polizei gibt es eine weitere rechtsextreme Chatgruppe: „Die Eierköppe“. Sie umfasste zwölf Personen, darunter mindestens vier Polizisten. Laut SPD-Innensenator Andreas Geisel laufen derzeit zwölf Ermittlungsverfahren gegen Polizisten wegen des Verdachts der „politisch motivierten Kriminalität/rechts“. Darüber hinaus wird in mehreren Fällen die Einleitung von Disziplinarverfahren geprüft. Diese Fälle, so Geisel, seien offenbar geworden, weil es die Selbstreinigungskräfte in der Polizei gebe und man intensiv an der Aufdeckung solcher Fälle arbeite. „Und in den allermeisten Fällen erfolgen diese Meldungen jetzt von aufmerksamen Polizistinnen und Polizisten, die sagen: ‚Wir wollen nichts mit Rechtsextremismus zu tun haben.‘ Solche Vorgänge werden nicht mehr aus Korpsgeist verschwiegen.“ Nun ja…

Man sollte auf dem Teppich bleiben: Insgesamt wurden gegen etwa 40 Polizisten Ermittlungen wegen Rechtsextremismus eingeleitet – 40 von 25.000 Beschäftigten der Berliner Polizei. Das verbreitete Misstrauen in der Linkspartei gegen die Polizei lässt schnell überall Rechtsextreme vermuten. Aber die Partei verweist zu Recht darauf, dass die jetzt bekannt gewordene Chatgruppe ein Beifang war, ein Zufallsfund aus einem anderen Ermittlungsverfahren. Die Gruppe wurde nicht etwa entdeckt, weil ein Polizist sich gegen den Korpsgeist stemmte. Und auch bei einer anderen – angeblich existierenden – Chatgruppe, über die das ARD-Magazin „Monitor“ berichtete, vertrauten die Informanten möglicherweise nicht ihren Vorgesetzten und meldeten den Chat. Vielleicht ist es mit den Selbstreinigungskräften doch nicht so weit her, wie Geisel meint.

Im Juli stellten Ermittler in den Wohnungen der „Eierköppe“ eine größere Zahl Datenträger sicher. Sie werden jetzt ausgewertet. Und wer weiß; vielleicht gibt es weitere Zufallsfunde. Dann würde aus einem überschaubaren ein größeres Problem.