Berlin - Superschnell, superstark oder superschlau – im Kampf gegen das Böse triumphieren Superheldinnen und -helden mit ihren übernatürlichen Kräften. Mit einem beißend kalten Corona-Winter als Gegner wirken aber manchmal auch ganz alltägliche Fähigkeiten wie echtes Heldentum. Ob in der Supermarktschlange oder auf dem Weg zur Arbeit, in diesem Winter konnten wir Superkräfte entwickeln - hier eine Auswahl. 

Fast so schnell wie Flash

Nach der Arbeit noch in den Supermarkt zu hetzen, ist in Coronazeiten oft der Todesstoß für einen gemütlichen Feierabend. Denn das dauert. Schon vor dem Markt bildet sich eine Warteschlange. Unter der Maske sammelt sich Feuchtigkeit und die Hände drohen am Einkaufswagen festzufrieren, bis der Security-Mensch endlich stumm zum Einlass nickt.

Nun gilt es, den Wagen in Zickzackbewegungen durch den Laden zu manövrieren, vorbei an zuckelnden älteren Damen und gemüseprüfenden Brillenträgern. Wer das in Berlin schafft, ohne angepöbelt zu werden, wegen einer Beinahe-Kollision oder bloßer Existenz, ist schon per se super. An der Kasse ist Gelegenheit, noch einen draufzusetzen und die Einkäufe so schnell in den Rucksack zu schaufeln, wie sie die Kassiererin übers Band zieht. Und blitzschnell die Geldbörse zu zücken, noch bevor sie den Preis nennt. Das sind eigentlich schon übermenschliche Fähigkeiten. Zwar noch nicht ganz vergleichbar mit der Schnelligkeit des Comic-Superhelden Flash, leisten sie aber einen wesentlichen Beitrag zur allgemeinen Schlangenverkürzung. 

Radfahren extrem

Wir befinden uns im Lockdown, zur Arbeit fahren viele Menschen aber trotzdem. Sich gerade noch so in den hintersten U-Bahn Waggon zu quetschen, ist da keine gute Idee. Einige rutschen also trotz zweistelliger Minusgrade am Morgen mit dem Fahrrad durch die Stadt. Vielleicht tun sie das jeden Winter, in diesem sind sie meine persönlichen Heldinnen und Helden. Nicht zu vergessen die Fahrradkuriere, die uns Essen bringen, während die Restaurants für Gäste geschlossen bleiben. Einen ganzen Arbeitstag auf dem Fahrrad zu überstehen, grenzt bei dem Wetter der vergangenen Wochen tatsächlich an eine Superkraft.

Stärker als der Wind

Gipfelstürmer sind hart im Nehmen? Extremerfahrungen, die unser gesamtes Durchhaltevermögen abverlangen, gibt es auch in Berlin. Das Naturerlebnis auf dem Tempelhofer Feld kann mit dem einer Bergwanderung fast mithalten: Die orangefarbene Abendsonne erglüht über der weißen Weite. Der Wind fegt den feinkörnigen Schnee so über den Asphalt der Landebahnen, dass wellenförmige Muster entstehen. Die Linien treiben mal in die eine, mal in die andere Richtung. Es ist noch alles gut, wenn sie sich vom eigenen Gesicht wegbewegen. Bei einem Richtungswechsel, egal, ob Windrichtung oder Spaziergangrichtung, ist das Entzücken über das Schauspiel schnell dahin. Es drohen Gesichtserfrierungen und Atemnot. Ist der Ausgang erreicht, folgt die Glückshormonausschüttung: Superstark!

Trotz Einsamkeit bei Verstand bleiben

Berlin ist eine Stadt der Singles, viele Menschen leben allein. Wir beschränken unsere Kontakte, sind aber soziale Wesen. Kein Wunder, dass die Sehnsucht nach Nähe größer wird. Aufs Onlinedating verzichten, aus Solidarität zu Alten und Menschen mit Vorerkrankungen, ist also eine kleine Heldentat. Und nein, jetzt ist auch nicht der richtige Zeitpunkt, über ein flauschiges Haustier nachzudenken. Kurzarbeit hat ein Ende, genau wie die Kontakteinschränkungen.

Gleiten statt ausrutschen

Glätte macht uns in diesem Februar auch zu Fuß vielerorts zu schaffen. Die Treppen zur S-Bahnstation Hermannstraße sind besonders tückisch. Ganz langsam oder auch gekonnt spielerisch rutschen die Menschen hier hinunter. In Stiefeln mit glatten Sohlen braucht man außerdem keinen Schlitten, um Spaß fast wie am Rodelhang zu haben. Den Teufelsberg hinunterzugleiten ohne auszurutschen ist zwar keine Heldentat, aber eine geniale Fähigkeit.