Hochbetrieb am Ostkreuz. Die Bahnanlagen sind fertig, doch es gibt weiterhin einiges zu tun. Außerdem wird die S3, die unter anderem hier verläuft, gesperrt.
Foto: Berliner Zeitung / Volkmar Otto

BerlinEigentlich ist es eine gute Nachricht: In diesem Jahr werden 840 Millionen Euro in Bahnanlagen in Berlin und Brandenburg investiert. „Keine leichte Aufgabe unter den Bedingungen eines ausgeknautschten Arbeitsmarkts und einer ausgelasteten Bauwirtschaft“, sagte Alexander Kaczmarek, Berliner Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB). Natürlich ist es besser, in Strecken und Bahnhöfe zu investieren, als sie verlottern zu lassen. 

Für Fahrgäste bedeutet das Bauprogramm jedoch Umleitungen, Pendelverkehr oder Schienenersatzverkehr mit Bussen, kurz SEV. Zwar bemüht sich die Bahn um „kundenfreundliches Bauen“, so Kaczmarek. Trotzdem wird es auch 2020 wochenlange Sperrungen geben, vor allem während der Sommerferien. Die Bahn gibt einen Überblick über die größten Bauvorhaben.

Berlin–Bernau: Nicht weniger als sieben Jahre hat die Bahn dafür veranschlagt, die Strecke im Nordosten in Ordnung zu bringen. Herzstück des bis 2025 dauernden Großprojekts ist der Abriss und Neubau von 21 Bahnbrücken, die ihre technische Nutzungsdauer von 70 Jahren meist um drei Jahrzehnte überschritten haben. Und so sind auf der Stettiner Bahn, wie die Strecke heißt, auch in diesem Jahr erneut Ausfälle einzuplanen. Auf der S2 gibt es im Sommer fünf Wochen wieder mal Schienenersatzverkehr, dann nochmals im September. Regionalzugfahrgäste haben an einigen Wochenenden mit Unterbrechungen zu rechnen.

„Auch hier praktizieren wir kundenfreundliches Bauen“, sagte Christian Morgenroth, der DB Netz die heikle Aufgabe hat, die Baumaßnahmen und Betriebsbelange zu koordinieren. Drei Hilfsbrücken für 1,5 Millionen Euro ersparen den Fahrgästen einige Sperrungen. Das Projekt betrifft aber auch Autofahrer.

So bleibt die Brückendurchfahrt Pankgrafen-/ Bahnhofstraße in Karow bis Ende 2022 gesperrt, was auch für den dortigen Eingang zum S-Bahnhof gilt. Dort kommen komplizierte Leitungsarbeiten hinzu, so die Bahn. Zudem wird die Durchfahrt von 9,93 auf 15,45 Meter verbreitert und von 4,03 auf 4,50 Meter erhöht. Hoffnungen, dass die S2 während des Bauprojekts durchgehend mit zwei Gleisen ausgestattet wird, sind aber unberechtigt. Dafür wäre ein Planfeststellungsverfahren erforderlich, sagte Morgenroth.

Bis zu ein Jahr lang kein Zugbetrieb


Berlin–Blankenfelde: Eine Klage der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow lässt es als unwahrscheinlich erscheinen, dass die Dresdner Bahn wie geplant bis Ende 2025 wieder aufgebaut werden kann. Doch während das Projekt auf dem Brandenburger Abschnitt hängt, wird im Süden Berlins wird bereits kräftig gebaut - was auch 2020 den Verkehr beeinträchtigen wird.

Auf dem südlichen Teilstück der S2 rollen ab Ende Mai vier Wochen lang keine S-Bahnen. Wenn in Zukunft die S-Bahn-Trasse Lichtenrade–Blankenfelde umgebaut wird, drohen sogar Betriebseinstellungen von bis zu einem Jahr. Dieses Teilprojekt gilt als besonders schwierig, sagte Morgenroth. Bahnhöfe müssen umgebaut werden, ein Kreuzungsbauwerk entsteht.

Berlin–Köpenick: Wie die S2 ist auch die S3 im Osten Berlins eine „geschundene Strecke“, gesteht Christian Morgenroth ein. Viele Baustellen gab es dort schon. „Es gibt aber immer noch Dinge, die wir erledigen müssen.“ So stehen im Sommer 2020 zweieinhalb Wochen Ersatzverkehr am, weil der S-Bahnhof Karlshorst endlich sein Dach zurückbekommt.

Bei dem langwierigen Bahnhofsumbau sei man mit der Öffentlichkeit „nicht ehrlich“ umgegangen, sagte Jan Ebering, Leiter des Bau- und Anlagenmanagements bei DB Station& Service. Fachleute seien gedrängt worden, dass mit Arbeiten begonnen wird, obwohl man noch nicht so weit war. Aber auch Baufirmen und Planer hätten Anteil an den Verzögerungen, betonte der Bahn-Manager. Von einem Karlshorster BER will er aber nicht sprechen, denn immerhin würden in Karlshorst weiterhin S-Bahnen fahren und halten.

Im April 2020 wird erneut der Regional- und Fernzugverkehr auf der Frankfurter Bahn unterbrochen, diesmal drei Wochen lang für die Inbetriebnahme des Elektronischen Stellwerks Köpenick, hieß es weiter. Die neue Technik werde es erleichtern, beim für die Zukunft geplanten Bau eines Regionalbahnhofs Züge an der Baustelle vorbeizuleiten. Der Köpenicker Regionalbahnhof soll 2026 fertig sein.

Berlin–Strausberg: Auch auf der S5 und der Regionalbahnstrecke nach Strausberg müssen Fahrgäste 2020 wegen Bau- und Stellwerksarbeiten mit Ausfällen rechnen. Bis Mai ist die S5 an vielen Wochenenden unterbrochen – zum Beispiel ab dem kommenden Freitagabend zwischen Hoppegarten und Lichtenberg. Längere Sperrungen folgen. Aber auch die benachbarten Linien S7 und S75 ist betroffen, etwa am Wochenende zwischen Springpfuhl und Lichtenberg.

Toilette nun wohl erst Mitte des Jahres fertig 

Südlicher S-Bahn-Ring: Der Einbau von vier provisorischen Bauweichen ermöglicht es, Logistikzüge über das benachbarte Gütergleis zu führen. Einige sonst nötige Sperrungen der S-Bahn-Trasse können so vermieden werden. Mehrschichtbetrieb trägt ebenfalls dazu bei, die Belastungen für die Fahrgäste zu verringern. 1,3 Millionen Euro werden unter dem Stichwort „Kundenfreundliches Bauen“ ausgegeben.

Trotzdem werden die Reisenden auf dem Südring im Sommer vier Wochen lang auf die S-Bahn verzichten müssen. Auf dem anschließenden Abschnitt bis Baumschulenweg wird es sogar sieben Wochen Schienenersatzverkehr geben. Aus Arbeitsschutzgründen wäre es nicht möglich, ein S-Bahn-Gleis weiter zu betreiben und an dem anderen Gleis zu arbeiten, bedauert man bei der Bahn. Die beiden Trassen liegen zu nahe nebeneinander.

Bahnhof Ostkreuz: Es war eine reife Leistung. Ohne größere Probleme wurde das Ostkreuz, gemessen an der Zahl der täglichen Abfahrten die wichtigste Berliner Bahnstation, in knapp einem Jahrzehnt von Grund auf erneuert, meist bei laufendem Zugbetrieb. Die Anlagen für den Bahnbetrieb sind seit 2018 fertig.

Doch der inzwischen ebenfalls fertig gestellte Nachbau des historischen Empfangsgebäudes ist immer noch nicht eröffnet. Wann sich die Türen für die Fahrgäste öffnen, sei von den Landenmietern abhängig, sagte Jan Ebering von DB Station & Service. Das heißt, dass auch die seit Langem versprochene öffentliche Toilette weiter auf sich warten lässt.

Die Sanifair-Anlage des Unternehmens Tank & Rast soll nun Mitte 2020 fertig werden, vielleicht auch früher, sagte er. Bis 2013 hatte das Ostkreuz schon einmal eine Bezahltoilette, bis sie zusammen mit dem alten Bahnsteig D abgerissen wurde. Ins Empfangsgebäude sollen auch eine Bäckereifiliale und ein Biomarkt einziehen.

S-Bahnhof Warschauer Straße: Erinnert sich noch jemand? 2005 wurde die alte Bahnhofshalle an der Warschauer Brücke abgerissen, fünf Jahre später sollte das neue Empfangsgebäude eröffnet werden. Aber auch dieses Bauvorhaben zieht sich in die Länge. „Ein bewegendes Projekt, das längst fertig sein sollte“, sagte Jan Ebering dazu. Aktuelles Thema sei das neue Brandschutzkonzept, das noch „final abgestimmt“ werden muss.

Die Ladenflächen könnten erst dann eröffnet, die Aufzüge erst dann in Betrieb genommen werden, wenn sicher sei, dass sie von der Technik zuverlässig angesteuert werden. Die DB zeigt sich verhalten optimistisch: Die neue Station soll nun Ostern 2020 in Betrieb genommen werden, hieß es. Immerhin, die Außenhülle ist seit längerer Zeit fällig: Längsfassaden und Dachflächen sind mit Kupferblech verkleidet worden. 

Er leitet die Dachsanierung am Ostbahnhof: Steffen Dieckmann von der DB.
Berliner Zeitung/ Volkmar Otto

Ostbahnhof: Wer genau hinschaut, der erkennt, wie es um die nördliche Bahnsteighalle bestellt ist. Stützkonstruktionen geben ihr provisorischen Halt, Messfühler überwachen das Bauwerk im 15-Sekunden-Takt rund um die Uhr. Die Stahlkonstruktion von 1924, 209 Meter lang, 54 Meter breit und 18 Meter hoch, ist in die Jahre gekommen.

„Der Bahnhof ist definitiv sicher“, sagte Ebering. Doch wie berichtet gilt voraussichtlich noch bis März 2020 die Regel, dass die Halle gesperrt werden muss, wenn der Wind zu stark ist. Vier Windmesser stellen die Geschwindigkeit fest. Als das Sturmtief Sabine am vergangenen Wochenende auch Berlin heimsuchte, blieb die Belastung aber im Toleranzbereich, sagte Ebering.

Ende dieses Jahres soll die Vorbereitung der Hallendachsanierung beginnen, die dann Ende 2021 startet. Das Arbeitspensum ist groß, doch der Zugbetrieb müsse kaum eingeschränkt werden, hieß es. Meist werde von einem Hängegerüst, einer Art Zwischendecke, aus gearbeitet. Ende 2025 soll alles fertig sein.

Bahnhof Zoologischer Garten: Schon 1998 gab es Umbaupläne für die Bahnstation am Hardenbergplatz in der City West. 2006, als der Fernzugverkehr zum neuen Hauptbahnhof verlegt wurde und die Bedeutung sank, rutschte das Thema auf der Prioritätenliste jedoch nach unten.

Erst 2014 kam die Modernisierung des Bahnhofs Zoo in Gang. Das Bauprojekt, zu dem auch ein neuer Brandschutz gehört, dauert aber länger als gedacht. Hieß es zunächst, dass das Empfangsgebäude 2020 saniert ist, spricht man bei DB Station & Service aktuell von 2027. „Das neue Datum ist aber verlässlicher als die Angaben in der Vergangenheit“, so Jan Ebering.

Bei den Arbeiten habe man immer wieder neue Überraschungen erlebt, zum Beispiel vier verschiedene Deckenkonstruktionen im Zwischengeschoss vor dem Hamburger-Restaurant. Im Sommer 2020 soll die erneuerte Fernbahnhalle abgenommen werden, und es werde neue Verkaufs- und Serviceflächen geben, so die Bahn.

bauvorhaben von DB Netz auf Bahnstrecken in Berlin und Umland.
Grafik: Isabella Galanty/Berliner Zeitung

Die Liste der Bauarbeiten: Hier müssen Fahrgäste 2020 auf Busse umsteigen

  • Gleiserneuerung, Neubau der Bahnbrücke über die A10, 
    Schienenersatzverkehr mit Bussen (SEV) Birkenwerder–Oranienburg, 
    3./4. Mai, 9. bis 16. November 
  • Neubau der Dresdner Bahn, 
    SEV Priesterweg–Blankenfelde, 
    25. Mai bis 22. Juni
  • Gleiserneuerung Buch–Bernau, Bau von sechs Bahnbrücken,
    SEV Buch–Bernau,
    13. Juli bis 17. August,
    SEV Blankenburg–Buch,
    17. bis 28. September
  • Bahnbrücken Schönerlinder und Pankgrafenstraße,
    Sperrung,
    17./18. April, 12. bis 15. Juni, 25. bis 28. September, 16. bis 20. Dezember
  • Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks, Zugbeeinflussungssystem (neues Sicherungssystem für die S-Bahn),
    SEV auf Abschnitten der Linie S5 an Wochenenden von Januar bis Mai,
    SEV Mahlsdorf–Hoppegarten,
    20. bis 31. März,
    SEV Mahlsdorf–Strausberg,
    31. März bis 20. April,
    SEV Friedrichsfelde Ost–Strausberg Nord,
    9. bis 26. Oktober,
    SEV Mahlsdorf–Strausberg Nord,
    26. Oktober bis 2. November
  • Elektronisches Stellwerk,
    SEV auf Abschnitten der Linie S7 an Wochenenden von Mai bis September,
    SEV Lichtenberg–Springpfuhl/ Wuhletal,
    3. bis 10. August
  • Weichenerneuerung, neues Dach für den S-Bahnhof Karlshorst,
    SEV Köpenick–Friedrichshagen,
    20. bis 25. Mai,
    SEV Ostkreuz–Köpenick,
    25. Juni bis 13. Juli
  • Gleiserneuerung,
    SEV Treptower Park–Tempelhof,
    25. Juni bis 27. Juli, 6. bis 9. November,
    SEV Neukölln–Baumschulenweg,
    25.Juni bis 17. August, 6. bis 9. Sowie 20. bis 23. November
  • Gleis- und Weichenerneuerung, Neubau der Überführung Moltkestraße,
    SEV Zehlendorf–Wannsee,5. bis 25. Mai,
    SEV Friedenau–Zehlendorf,
    7. bis 10. sowie 14. bis 17. August
  • Neubau der Überführung Nuthestraße,
    SEV Babelsberg–Potsdam Hbf,
    28. Februar bis 2. März, 3. bis 6. April, 3. bis 6. Juli, 11. bis 14. September, 30. Oktober bis 2. November
  • Weichenerneuerung im Ostbahnhof Schienenwechsel,
    SEV Ostbahnhof–Alexanderplatz,
    27. Juli bis 3. August,
    SEV Warschauer Str.–Alexanderplatz, 
    13. bis 16. sowie 20. bis 23. November,
    SEV Friedrichstraße–Tiergarten, 16. bis 21. September,
    SEV Tiergarten bis Westkreuz,
    27. bis 30. November
  • Elektronisches Stellwerk, ZBS,
    SEV Schönholz–Hennigsdorf,
    8 Wochenenden im März und April,
    SEV Tegel–Hennigsdorf,
    4 Wochenende im Mai und Juni
  • Lärmschutzwand Brehmestraße,
    SEV Bornholmer Straße–Pankow,
    9. bis 12. Oktober, 30. Oktober bis 2. November
  • Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks Köpenick,
    Sperrung,
    3. bis 25. April
  • Neubau der Überführung Nuthestraße,
    Sperrung,
    28. Februar bis 2. März, 3. bis 6. April, 3. bis 6. Juli, 11. bis 14. September, 30. Oktober bis 1. November
  • Kabelarbeiten, Elektronisches Stellwerk, Biesdorfer Kreuz,
    Sperrung,
    1. bis 4. Mai, Juni, 19. bis 26. September, 1. bis 30. November
  • Weichenerneuerung Spandau–Wustermark,
    Sperrung,
    8. bis 18. Mai
  • Gleiserneuerung, nur ein Gleis Spandau–Falkensee,
    6.bis 14. sowie 18. bis 23. März