Eines der bedeutendsten Museen Berlins trägt den Namen eines bekennenden Antisemiten: Wilhelm Bode (1845-1929, geadelt 1914). Ohne Zweifel wäre Berlin ohne den bedeutenden Kunsthistoriker und Museumsexperten von internationalem Rang um einiges ärmer.

Unermüdlich setzte er sich für den Erwerb von Kunstschätzen für Berliner Museen ein, erfüllt vom Geiste bürgerlichen Stolzes auf Kultur und Bildung und vom Wunsch, das Deutsche Kaiserreich mit immer neuen Herrlichkeiten zu schmücken. Nationalistisch gefärbter Patriotismus trieb die neue Judenfeindschaft am Ende des 19. Jahrhunderts an, und Bode gehörte zu den eifrigen Mitmachern.

Legendär gute Kontakte pflegte er zum Monarchen, sammelte Mäzene um sich und warb Spenden für Kunstkäufe ein. 1904 gründete er das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) auf der Museumsinsel, war Generaldirektor der staatlichen Kunstsammlungen. Vorbereitend hatte er die Gründung des Kaiser Friedrich Museumsvereins betrieben, in dem sich von 1896 an vornehmlich reiche Leute versammelten, unter ihnen viele Juden und der Kaiser höchstselbst. 40 Mitglieder zählte damals der hochexklusive Club, seine Aufgabe bestand im Beschaffen von Kunstwerken. Als Leihgaben wurden sie zum Stolz der Museen.

Bodes Verhältnis zu den jüdischen Spendern muss ambivalent gewesen sein: Er brauchte sie, mochte sie aber nicht. Besonders eng war seine Beziehung zum Mäzen und Vereinsmitglied James Simon, der unter anderem die Nofretete nach Berlin holte. Um 1915 waren zwei Drittel der Mitglieder, darunter Walther Rathenau und Max Liebermann, jüdischer Herkunft.

„Jüdische Plattfüße“

Seit einigen Jahren beschäftigt sich der noch immer bestehende Verein mit seiner eigenen Geschichte in den Jahren 1933 bis 1945, vor allem der Ausstoßung seiner jüdischen Mitglieder. So geriet auch der Antisemitismus seines Begründers Wilhelm von Bode wieder in den Blick.

Der noble Intellektuelle schrieb in seinen 1907 bis 1910 verfassten Memoiren: „Schlimmer noch hat die Verjüdelung und das starke Anwachsen der jüdischen Elemente in Deutschland gewirkt, nicht nur in allem Finanzfächern und vielleicht auch in der Industrie, vor allem in der Beherrschung fast der ganzen Presse – der Sonnemann-, Mosse- und Ullsteinblätter bis zur ‚Zukunft‘ und der Spartakuspresse.“ Ebenso sind Bemerkungen überliefert, er könne es Kunstliebhabern nicht „verdenken, wenn sie sich ihre kostbaren Teppiche nicht von jüdischen Plattfüßen abtreten lassen wollen“.

Große Ehre erfuhr Bode, als die junge DDR den Namen Kaiser-Friedrich-Museum tilgte und 1956 durch den Namen Bode-Museum ersetzte. Damals spielten Bodes antisemitische Ausfälle keine Rolle. Die heute zuständige Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) schreibt im Internet-Auftritt („Über uns“) lapidar, man habe den Namen des geistigen Schöpfers „bis heute beibehalten“.

Argumente dafür oder dagegen wären interessant. Die Suche nach Hinweisen auf seinen Judenhass bleibt vergeblich. Nach Auskunft der Pressestelle soll es in Fachschriften solche geben. Die breite Öffentlichkeit erfährt nichts darüber, was die hochmögende Stiftung vom Fall Bode hält.