Berlin - Mitarbeiter eines Pankower Restaurants für Deutsche Küche wurden am Wochenende nach einer Demonstration der sogenannten „Identitären Bewegung“ überrascht. Eine zuvor als private Geburtstagsgesellschaft angemeldete Gruppe hatte sich als eine Art Mitgliederversammlung der rechtsradikalen "Identitären Bewegung" herausgestellt. Die Betreiber des Restaurants Willkommen Daheim sind sauer.

Für eine Geburtstagsfeier mit 25 Personen wurde am Samstagabend um 18.30 Uhr ein Tisch in dem Lokal in der Neumannstraße, Ecke Wisbyer Straße reserviert, teilten die Restaurant-Betreiber auf ihrer Website mit. Eigentlich hätten sich 50 Gäste anmelden wollen, was aus Kapazitätsgründen jedoch nicht möglich gewesen sei. Nachdem wie vereinbart 25 Personen eingetroffen seien, habe sich das Restaurant in kürzester Zeit immer mehr gefüllt. In kleinen Gruppen seien weitere 25 Personen eingetroffen und hätten sich an verschiedenen Tischen verteilt.

Polizeischutz vor dem Restaurant

Als schließlich einer der Gäste einen Facebook-Aufruf einer Antifa-Gruppierung laut vorgelesen habe und die 50 Gäste daraufhin schnell das Restaurant verlassen hätten, sei den Mitarbeitern des Lokals plötzlich bewusst geworden, dass es sich hier nicht um eine Geburtstagsgesellschaft handelt, sondern um eine Art Mitglieder-Versammlung der rechtsradikalen Bewegung.

„Die Identitären verließen das Lokal und verschwanden in einem Bus vor der Tür“, sagt Kay O. Minge, einer von zwei Betreibern des Restaurants, der den Vorfall in direktem Zusammenhang mit der Demonstration der „Identitären“ am Samstag sieht. Das habe gezeigt, dass es sich um eine organisierte Gruppe gehandelt habe. Vor dem Restaurant sollen sich zu diesem Zeitpunkt außerdem Polizeibeamte befunden haben, die die „Identitären“ nach der vorangegangenen Demonstration geschützt hätten.

Wie ein Sprecher der Polizei erklärte, ist es üblich, Teilnehmer einer Demonstration auch nach dem Protestzug noch zu begleiten, um etwaige nachfolgende Ausschreitungen zu vermeiden. Ob Beamte dieser Aufgabe am Samstagabend direkt vor dem Lokal "Willkommen Daheim" nachgegangen sind, konnte der Sprecher nicht bestätigen. 

Mehrfach Anfragen von politischen Organisationen

Dass die Restaurant-Besitzer derart getäuscht wurden und das Lokal so als Treffpunkt für eine politische Organisation gedient hatte, ärgert Minge. Obwohl sich die Gäste nach Aussagen von Mitarbeitern sehr freundlich verhalten hätten und es zu keinerlei Ausschreitungen kam. Jedoch seien seine Mitarbeiter Menschen aus diversen Herkunftsländer mit muslimischem und christlichem Glauben sowie Schwule und Lesben. „Ich habe nichts dagegen, wenn Gäste privat mit rechter oder linker politischer Gesinnung zu uns kommen“, sagt Minge. Eine Reservierung einer als extrem geltenden politischen Organisation akzeptiere er jedoch nicht.

Das Restaurant habe in der Vergangenheit bereits mehrfach Anfragen von politischen Organisationen bekommen. Unter anderem von der AfD, aber auch von den Grünen und der Linke. Das Restaurant habe alle Anfragen abgelehnt, sagt Minge. Lediglich der Berliner Volkssolidarität wurde eine Veranstaltung gewährt, da der Restaurant-Betreiber diese Organisation als „nicht besonders politisch“ betrachtet.

"Willkommen Daheim" soll gemütlich klingen, nicht Deutsch

Den Namen des Lokals möchte Minge nach diesem Vorfall dennoch nicht ändern. „Das sehe ich gar nicht ein“, sagt Minge. Er wolle sich einer Fehlinterpretation des normalen Wortes „Daheim“ nicht beugen. Es soll gemütlich klingen und nicht in irgendeiner Art und Weise Deutsch. Er selbst habe so eine Masche extremer Gruppen zum ersten Mal erlebt, könne sich aber vorstellen, dass mehrere Lokale mit derartigen Tricks von politischen Organisationen hinters Licht geführt würden.