Berlin - Nun sollen sie voraussichtlich ab dem 9. Februar im Heim selbst oder in einem bisher leer stehenden Gebäude an der Rummelsburger Straße unterrichtet werden, wenn der Brandschutz bis dahin funktioniert. „Mit dieser Regelung sind wir gar nicht zufrieden“, gibt Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung, unumwunden zu. Eigentlich sollen Flüchtlingskinder nicht an einem separaten Ort zu Schule gehen. Doch im Umfeld dieses Heimes gibt es keine Schule.

In Berlin werden Flüchtlingskinder mit anderen Kindern, die gar kein Deutsch sprechen, in so genannten Willkommensklassen unterrichtet, dort kommen meist 12 Kinder auf einen Lehrer. Die Zahl dieser Lerngruppen hat sich innerhalb von gut zwei Jahren verdreifacht, weil immer mehr Flüchtlinge nach Berlin kommen. 325 solcher Klassen gibt es inzwischen an knapp 170 Schulen. Wer gutes Deutsch sprechen gelernt hat, der kann aus einer solchen Klasse auch in eine normale Regelklasse wechseln. „Je älter die Kind bei ihrer Ankunft sind, desto schwieriger wird das aber für sie“, sagt Manuela Krüger, Leiterin der Gesundbrunnen-Grundschule in Wedding.

Die Kinder lernen recht schnell Deutsch

Die Kinder, die die 5. oder 6. Klasse besuchen und aus Syrien, Afghanistan oder Serbien kommen, müssten Deutsch ja lernen wie eine Fremdsprache. „Da schafft man es pro Schuljahr, etwa 400 bis 600 Wörter zu lernen“, sagt Manduela Krüger. Ganz anders sieht es bei den Jüngsten aus. Denn jene Kinder, die erst zwischen fünf und acht Jahre jung sind, kommen in der Schulanfangsphase in ein normale Regelklasse.

„Meist lernen sie dann in gut einem halben Jahr so gut Deutsch, dass sie auch später in den Regelklassen mitkommen“, sagt Schulleiterin Krüger. Es sei denn die Kinder seien durch Kriegs- oder Fluchterlebnisse traumatisiert. Jüngst erst sei ein Kind wegen eines plötzlichen Knalls völlig verstört gewesen.

Separate Lerngruppen sind auch in weiteren Bundesländern üblich. Das Lerntempo einer Regelklasse wäre zu gering, wenn dort Schüler dabei dem Unterricht wegen mangelnder Sprachkenntnisse kaum folgen können. In diesen Willkommensklassen unterrichten herkömmliche Lehrer, mitunter mit spezieller Weiterbildung, aber nicht selten auch Quereinsteiger. Einige, nicht ausgelastete Oberschulen konnten mit Hilfe der Willkommensklassen vermeiden, dass Lehrer an andere Schulen versetzt wurden.

Anders als die meisten anderen Schüler werden Flüchtlingskinder bisher nicht im Hort betreut. Die Eltern können sich nämlich nicht einmal die Essenszuschüsse leisten. Nun hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) angekündigt, hier Verbesserungen herbeiführen zu wollen. Gelungen ist es ihr inzwischen, dass sich auch Privatschulen verpflichtet haben, solche Lerngruppen für Flüchtlingskinder einzurichten: Dazu bereit sind Schulen der evangelischen Schulstiftung und des Erzbistums Berlin sowie das Canisius-Kolleg und die Waldorfschulen.

Wenig Kontakt

Ein Problem ist, dass Flüchtlingskinder wenig Kontakt finden zu den anderen Schülern, denn sie sehen sich oft nur auf dem Schulhof. An der Johanna-Eck-Sekundarschule werden sie immerhin in Sport und Musik gemeinsam unterrichtet, außerdem gibt es gemeinsame Projekte.

Am 16. Februar führen die Schüler ein gemeinsames Theaterprojekt zur Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa auf. Silke Donath, die stellvertretende Schulleiterin, lehnt übrigens den Begriff Willkommensklasse ab. „Willkommen sind bei uns alle Schüler.“ Sie spricht lieber von Seiteneinsteigern. Einige werden bald in Regelklassen wechseln, andere wiederum werden eines Tages abgeschoben werden.