Radfahrerin lebensgefährlich verletzt: Klima-Kleber behindern die Feuerwehr

Auf der Bundesallee überrollt ein Lkw eine Radfahrerin. Wegen der Klima-Blockade kommt die Feuerwehr nicht zum Unfallort. Klima-Kleber sind „bestürzt“.

Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr stehen an der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf, wo eine Radfahrerin lebensgefährlich verletzt wurde.
Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr stehen an der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf, wo eine Radfahrerin lebensgefährlich verletzt wurde.dpa/Paul Zinken

Auf der Bundesallee in Wilmersdorf ist am Morgen eine Radfahrerin von einem Betonmisch-Lkw überrollt worden. Zwischen der Nachod- und der Spichernstraße erfasste der Lkw die Frau, die auf die Fahrbahn stürzte und überrollt wurde. Die Frau wurde unter dem Lkw eingeklemmt und lebensgefährlich verletzt. Sie musste von der Feuerwehr befreit werden.

Dafür musste ein Rüstwagen mit Spezialwerkzeug angefordert werden, der in Siemensstadt stationiert ist. Doch weil Klima-Kleber zu der Zeit die A100 blockierten, sei der Rüstwagen im Stau auf der Rudolf-Wissell-Brücke stecken geblieben, sagte ein Feuerwehrsprecher. Dadurch habe sich die Rettung der Frau verzögert.

„Unsere Einsatzkräfte waren dadurch gezwungen, die Frau mit anderen Mitteln zu befreien.“ Durch den Stau seien auch weitere Rettungskräfte verspätet eingetroffen.

Unbekannter Mann sticht den Unfallfahrer nieder

Die Frau konnte schließlich unter dem Betonmischer geborgen und unter Notarzt-Begleitung in eine Klinik eingeliefert werden. Ihr Zustand sei kritisch, hieß es. Die Feuerwehr war mit mehr als 40 Einsatzkräften vor Ort. Vier Zeugen, die den Unfall gesehen haben, müssen psychologisch betreut werden.

Dass die Feuerwehr sich gegen längeres Warten sondern zum Improvisieren entschied, wird von Amts wegen eine Untersuchung nach sich ziehen. In einer ähnlichen Situation hatte 2018 die improvisierte Bergung eines 14-jährigen Mädchens in Rummelsburg, das unter eine Straßenbahn geraten war, deren Tod verursacht. Nachdem die Tram angehoben war, stürzte sie wieder herab und tötete das Mädchen.

Während sich Rettungskräfte der Feuerwehr um die lebensgefährlich verletzte Frau kümmerten, ging ein unbekannter Mann, der am Unfall nicht beteiligt war, auf den Lkw-Fahrer zum der neben der Fahrerkabine stand. Unvermittelt stach er mit einem Messer auf den 64-Jährigen ein. Der Fahrer musste mit schweren Verletzungen in eine Klinik gebracht werden. Ob diese lebensbedrohlich sind, wird sich – wie oft bei Messerstichen – erst im Krankenhaus herausstellen.

„Eine neue strafrechtliche Qualität“

Dass die Rettungskräfte wegen der Klimaextremisten, die die Straßen blockieren, nur verzögert den Unfallort erreichten, empört inzwischen die Politik: „Nun ist eingetreten, wovor wir immer gewarnt haben“, erklärte Frank Balzer, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Das Leben einer jungen Frau steht auf dem Spiel, weil Klimachaoten die Berliner Straßen blockieren. Wenn Rettungskräfte nicht arbeiten können, weil dickköpfige Aktivisten die Allgemeinheit schädigen ist Schluss.“ Die Justiz müsse das Strafmaß ausschöpfen.

„In ihrem selbstgerechten Wahn gefährden die Klimaterroristen nicht zum ersten mal Menschenleben“, erklärte Karsten Woldeit von der Hauptstadt-Fraktion der AfD. „Müssen erst Menschen sterben, damit Politik und Justiz mit der angemessenen Härte gegen diese Kriminellen vorgehen?“

Florian Dörstelmann, rechtspolitischer Sprecher der SPD, erklärte, das Handeln der Berlinblockierer erreiche eine neue strafrechtliche Qualität: „Wer mit seinen Taten sehenden Auges die Gefährdung von Menschenleben in Kauf nimmt, handelt mit Vorsatz, und zwar auch mit Vorsatz im Hinblick auf ein mögliches Tötungsdelikt.“ Dörstelmann forderte die Staatsanwaltschaft auf, den Tatverdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt zu prüfen und gegebenenfalls Haftbefehle gegen die mutmaßlichen Täter zu beantragen.

Carla Hinrichs von der Klima-Klebergruppe „Letzte Generation“ verschickte eine Erklärung: „Es bestürzt uns, dass heute eine Radfahrerin von einem Lkw verletzt wurde. Wir hoffen inständig, dass sich ihr Gesundheitszustand durch die Verspätung nicht verschlimmert hat. Bei all unseren Protestaktionen ist das oberste Gebot, die Sicherheit aller teilnehmenden Menschen zu gewährleisten.“

Nach Angaben einer Polizeisprecherin blockierten die Klimaextremisten die Stadt am Montagmorgen an folgenden Punkten
  • 7.30 bis 10.25 Uhr: A100 Messedamm Süd, Halenseebrücke
  • 7.47 bis 9.13 Uhr: A100 Richtung Norden, Abfahrt Tempelhofer Damm
  • 8.30 bis 11.20: Badstraße, Ecke Böttgerstraße in Gesundbrunnen
  • 8.35 bis 9.02: Invalidenstraße, Europaplatz in Mitte
  • 8.45 bis 9.45 Uhr Ostseestraße, Ecke Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg
  • Die Polizei leitete mehrere Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Wie viele, das war am Nachmittag noch unklar.