Wilmersdorfer Gebetshaus: Die älteste Moschee Deutschlands wird saniert

Berlin - Pompös ragt die 26 Meter hohe Kuppel über der Moschee empor. Orientalische Elemente sind nach indischen Vorbildern in die Architektur eingeflossen. Doch was man mittlerweile selbst vom Gehweg aus erkennen kann, wird durch das Baugerüst an der Fassade offensichtlich: Das Mauerwerk ist schadhaft, und auch der Putz von den Ziertürmen bröckelt.

Kein Wunder: Die Moschee an der Brienner Straße in Wilmersdorf ist ein sehr altes Gebäude, es ist die älteste erhaltene Moschee Deutschlands – sie wurde 1928 erbaut. Von Beginn an war die Moschee ein Ort für Muslime aller Nationen, die Gemeinde fördert außerdem den Austausch der Religionen.

Löcher in den Ziertürmen

In den kommenden Jahren muss der denkmalgeschützte Bau jedoch erst einmal dringend saniert werden: Die Stahlträger korrodieren, das Dach ist undicht, Löcher und Risse finden sich im Blech der Ziertürme. Die Moschee, das dazu gehörende Imamhaus und die zwei 35 Meter hohen Minarette sollen nun Schritt für Schritt instand gesetzt werden. Die Schäden am Gebäude sind größtenteils Kriegsschäden, aber auch unsachgemäße Reparaturen aus der Zeit nach dem Krieg.

In den Jahren von 1996 bis 2005 wurde die Wilmersdorfer Moschee bereits teilsaniert, jetzt steht eine Komplettrenovierung an. Das Architekturbüro D:4 unter der Leitung von Marcus Nitschke beaufsichtigt das Projekt. Das dringendste Problem ist momentan die große Feuchtigkeit, die durch das Dach kommt. „Um noch mehr Schäden zu vermeiden, mussten die Flachdächer erst einmal notgedrungen provisorisch abgedichtet werden“, erklärt Nitschke.

Die Abdichtung gehöre zu den ersten Sicherungsarbeiten, bevor überhaupt im Frühjahr 2017 mit der eigentlichen Renovierung begonnen werden könne. Danach kommen Zierelemente und die Fassade an die Reihe. Der komplette Putz der Mauern muss entfernt und erneuert werden.

Eine umfangreiche Aufgabe, doch das Architekturbüro ist auf Sakralbauten spezialisiert und saniert derzeit unter anderem auch die Königin-Luise-Gedächtniskirche auf der „Roten Insel“ in Schöneberg.

Mogulstil mit deutschen Baustoffen

Die Wilmersdorfer oder auch Ahmadiyya-Moschee ist im sogenannten Mogulstil errichtet worden, also nach orientalischem Vorbild. Das macht sich durch eine Reihe Verzierungen wie Zierbekrönungen oder kräftige Farbtöne wie Gelb und Orange im Innenraum bemerkbar. Und auch durch ornamentale Schablonierungen an Wänden, Türeinfassungen, den Minaretten und Säulen. Andererseits wurde das Ganze kombiniert mit deutschem Baumaterial. Also Mauerwerk aus Ziegeln, Beton und Holzbalkendecken.

Imam der Gemeinde ist seit einem halben Jahr Amir Aziz. „Unsere Moschee ist ein Ort für alle Glaubensrichtungen und den interkulturellen Austausch. Und das soll sie auch in Zukunft bleiben“, sagt Aziz. Noch können Freitagsgebete stattfinden und Besuchergruppen können empfangen werden.

Solange die Renovierung noch nicht den Innenraum betrifft, soll das Gemeindeleben trotz Bauarbeiten weitergehen. Die Aufarbeitung dort wird nach dem jetzigem Plan 2018 stattfinden, dann schließen die Gebetsräume für ein halbes Jahr. „Hier sind die Wasserschäden besonders gravierend“, sagt Architekt Nitschke. Wenn das behoben ist, will man die originalen Wandanstriche aus der Bauzeit freilegen. Das Imamhaus soll dann 2019 erneuert werden. Drei Jahre sind insgesamt für die Instandsetzung eingeplant.

Auf Spenden angewiesen

Nach den dringenden Sanierungsarbeiten könne über Weiteres nachgedacht werden. Beispielsweise über Fußbodenheizung oder ein Waschhaus. So etwas gibt es noch nicht. Die Besucher des Freitagsgebets müssen noch in das Imamhaus ausweichen und sich dort die Füße waschen. Die Waschung von Füßen, Gesicht und Händen ist Ritual vor dem muslimischen Gebet.

Finanziell gesichert ist das Vorhaben noch nicht, die Gemeinde ist abhängig von Spenden und Förderungen. „Wir haben mindestens 1,5 Millionen Euro veranschlagt“, sagt Nitschke. Erst knapp ein Drittel davon seien gesichert – zu 80 Prozent durch Gemeindegeld und zum restlichen Teil durch Förderung des Berliner Denkmalschutzes.