Berlin - Berlins Verwaltung wird zu einem Technikmuseum. Fast ein Jahr ist es her, dass Microsoft den Support des Betriebssystems Windows XP eingestellt hat, das seit 2008 nicht mehr verkauft wird. Sicherheitslücken werden seither nicht mehr routinemäßig von dem Konzern beseitigt.

Doch in den Amtsstuben der Hauptstadt lebt die uralte Windows-Version weiter: Nach aktuellen Zahlen der Innenverwaltung läuft immer noch mehr als jeder dritte Behördenrechner mit dem veralteten System. 28.902 der 70.223 IT-Arbeitsplätze basierten auf Windows XP, schreibt Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) in der Antwort auf eine Schriftliche Anfrage des Grüne-Abgeordneten Thomas Birk. Möglicherweise sind damit auch sensible Daten von Bürgern in Gefahr. „Der Senat nimmt ein Sicherheitsrisiko in Kauf“, sagte Birk der Berliner Zeitung.

Der Notschutz endet bald

Schon im vorigen Jahr wurde die Berliner Verwaltung vom lange vorher angekündigten Ende des Supports für Windows XP offenbar überrascht. Wenige Wochen vor dem Stichtag am 8. April 2014 liefen noch fast 50.000 Rechner mit dem System. Knapp ein Drittel davon wurde rechtzeitig auf die aktuellere Version Windows 7 umgestellt.

Für die verbleibenden XP-Arbeitsplätze schloss das landeseigene IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) kurzfristig für 300.000 Euro ein sogenanntes temporäres Notfallpaket mit Microsoft ab, das zumindest grundlegenden Schutz gewährleistet. Doch es läuft am 14. April dieses Jahres aus und nach Auskunft des ITDZ hat noch keine Behörde eine Verlängerung beantragt. Die Rechner wären dann nur noch durch einen einfachen Virenscanner geschützt. Schon jetzt sind offenbar viele Computer nicht adäquat gesichert: Nur 17 der mehr als 70 Berliner Behörden haben sich nämlich an dem Notfallpaket beteiligt.

Den betroffenen Ämtern empfiehlt die Innenverwaltung, Windows-XP-Rechner künftig nicht mehr mit dem Internet zu verbinden. Sollte dies nicht möglich sein, seien technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen, schreibt Staatssekretär Statzkowski in seiner Antwort Birks Fragen. Worin diese bestehen könnten, führt er allerdings nicht aus.

Verwaltungssoftware schlicht zu alt

Grund für die verschleppte Umstellung ist offenbar, dass ein großer Teil der Software, die in der Verwaltung genutzt wird, mit neueren Windows-Versionen nicht kompatibel ist. Die Behörden haben für die unterschiedlichen Verwaltungsvorgänge jeweils eigene Computerprogramme, die sogenannten Fachverfahren. Rund 320 gibt es insgesamt. Für 75 davon gibt es keine Freigabe für die aktuellere Version Windows 7, für 16 weitere fehlen Informationen.

Wie lange die Aktualisierung der landeseigenen Computer noch dauert, ist offenbar noch gar nicht absehbar. Jede Behörde sei selbst für ihre Informationstechnik zuständig, schreibt Statzkowski.

Das Vorgehen der Innenverwaltung sei verantwortungslos, kritisierte Thomas Birk. „Sie hätte etwa dafür Sorge tragen können, dass die Kompatibilität der unterschiedlichen Verwaltungsprogramme mit Windows 7 zentral geprüft werde“, sagte er. Stattdessen musste jede Behörde diese Aufgabe selbst übernehmen, obwohl die selbe Software oft in vielen Verwaltungen zum Einsatz kommt. Noch bis vor wenigen Jahren gab es in Berlin eine IT-Koordinierungsstelle für die Bezirke, die solche Aufgaben hätte übernehmen können. Sie wurde jedoch eingespart.

Hoffen auf den „Berlin-PC“

„Der Senat hat ein Steuerungs- und Kontrolldefizit“, sagte Birk. Es fehle aber auch eine klare gesetzliche Grundlage. „Berlin braucht ein E-Government-Gesetz“, forderte er. Darin könnte die Verteilung der IT-bezogenen Aufgaben geregelt werden.Der Senat verfolgt einen anderen Ansatz: Er lässt den sogenannten Berlin-PC entwickeln, einen standardisierten Rechner für alle Behördenarbeitsplätze. Das entsprechende Konzept solle demnächst vorgelegt werden, teilte ein Sprecher der Innenverwaltung der Berliner Zeitung am Dienstag mit.