Per Gerichtsbeschluss ist am Montag die Quarantäne für ein Flüchtlingsheim in Reinickendorf aufgehoben worden. „Eine schallende Ohrfeige für den Bezirk“, nannte dies Manfred Nowak, Kreisvorsitzender der AWO Berlin-Mitte, die das Heim betreibt. Die AWO hatte den entsprechenden Eilantrag gestellt.

Im Marie-Schlei-Heim waren acht Kinder an Windpocken erkrankt. Daraufhin hatte das Gesundheitsamt des Bezirks Quarantäne verhängt und seit Freitag durch Polizisten sicherstellen lassen, dass nur Bewohner das Haus verlassen, die nicht ansteckend sind. Das sind Geimpfte oder Menschen, die bereits Windpocken hatten. Das wurde mittels eines Bluttests festgestellt.

100 Bewohner haben sich ihm unterzogen. Nowak hatte dieses Vorgehen als „Freiheitsberaubung“ bezeichnet.

In einem Spandauer Flüchtlingsheim herrsche eine ähnliche Situation, dort habe das Amt nur Informationsblätter verteilt.

Andreas Höhne (SPD), der Jugendstadtrat von Reinickendorf, der derzeit den Gesundheitsstadtrat vertritt, hatte die Maßnahme am Montag verteidigt: „Das Gesundheitsamt trägt die Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung.“ Das verwundert umso mehr, als vergangene Woche die Berliner Amtsärzte ein einheitliches Vorgehen beim Ausbruch von Windpocken in Einrichtungen wie einem Flüchtlingsheim beschlossen haben, wie am Montag Regina Kneiding von der Gesundheitsverwaltung sagte.

Eine Quarantäne ist nicht vorgesehen. Es sollen drei Wochen lang keine neuen Bewohner aufgenommen und Aktivimpfungen angeboten werden. Ob die Senatsverwaltung das Reinickendorfer Vorgehen angemessen findet? Diese Frage beantwortete die Sprecherin indirekt: „Eine Quarantäne ist nach Auffassung der meisten Amtsärzte nicht notwendig.“

Klemens Senger, der Vorsitzende des Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, hat eine deutliche Antwort auf die Frage, ob Quarantäne bei Windpocken sinnvoll ist: „Nein, sonst könnte man die halbe Republik einsperren“. (suz.)