Berlin - In Berlin ist der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung so gering wie in keinem anderen Bundesland. Gerade einmal fünf Prozent des Stroms werden hier aus Sonne, Wind oder  Biogas gewonnen. Windstrom ist dabei sogar eine fast zu vernachlässigende Größe.

Die fünf Windräder, die im Nordosten Berlins auf Stadtterritorium stehen, lieferten im Jahr 2017 zusammen gerade mal 0,4 Prozent des in Berlin erzeugten Stroms. Dass der Anteil steigen wird, ist indes nicht zu erwarten. Denn Platz ist knapp in dieser Stadt, zumal Windräder künftig mindestens einen Kilometer vom nächsten Wohngebiet entfernt stehen sollen.

In der fünften Etage eines Bürohochhauses an der Storkower Straße in Prenzlauer Berg will man sich mit der Flaute im Windstromangebot nicht abfinden. „Windkraft ist auch im urbanen Bereich machbar“, sagt Till Naumann.

Der 41-jährige Maschinenbau-Ingenieur ist Chef und Mitgründer der Firma Mowea, die aus einem Projekt an der TU Berlin entstand und ein Mini-Windkraft-Modul entwickelt, das sich so einfach wie eine Photovoltaikanlage auf einem Hausdach installieren lassen soll.

Mini-Kraftwerke für Windstrom: Vier Cubes decken Jahresbedarf eines Drei-Personen-Haushalts

Eine Bauart dieses  Moduls ist ein Würfel von 1,6 Metern Kantenlänge, in dem sich ein Flügelrad mit einem Durchmesser von 1,5 Metern um einen Generator dreht. Die Rotorblätter bestehen aus Kunststoff und können im Spritzgussverfahren hergestellt werden. Den Generator kauft die Firma ein. „Bloß nix kompliziert machen“, sagt Naumann, der zur „Aerodynamik kleiner Rotorblätter“ promoviert hat. So soll Windstrom massentauglich werden.

Tatsächlich bringt dieser „Cube“ von Mowea gerade acht Kilogramm auf die Waage. 400 Watt beträgt die Leistung. Würde man ihn in der Berliner Innenstadt auf einem Elfgeschosser installieren, wären laut Naumann im Jahr rund  800 Kilowattstunden Strom zu erwarten. Das ist nicht allzu viel. Allerdings lassen sich mehrere Module leicht zusammenstellen.

„Wie Legobausteine“, sagt der Mowea-Chef. Mit vier Cubes ließe sich also der Jahresbedarf eines Drei-Personen-Haushalts decken. Idealerweise kombiniert man die Windradwürfel mit einer Photovoltaikanlage auf dem Hausdach.

Der erste Praxiseinsatz steht nun unmittelbar bevor. Im Oktober will das Mobilfunkunternehmen Vodafone einen Funkmast in Betrieb nehmen, der mit vier  Windkraftmodulen bestückt   sein wird und so einen Teil der benötigten Energie selbst erzeugen kann.   

Darüber hinaus soll eine in Kürze startende  Crowdfunding-Kampagne Mowea frisches Kapital bringen. Naumann erhofft sich rund eine Million Euro, mit der die Module serientauglich gemacht werden sollen.  Zugleich sucht Mowea nach einem Produktionspartner. Laut  Naumanns Plan soll die Fertigung in spätestens zwölf Monaten starten. Im ersten vollen Jahr, das wäre dann 2021, sollen 5.000 Module verkauft werden. Naumanns Zielpreis liegt bei 500 Euro pro Modul samt Steuerungselektronik zuzüglich Installation.