Blitzeis machte aus einem gewöhnlichen Montagmorgen einen gefährlichen Wochenstart. Passanten stürzten, Autos stießen zusammen, Polizisten, Feuerwehrleute und Ärzte in den Rettungsstationen waren wegen mehr als 1 500 Unfällen pausenlos im Einsatz. In der Spitze kam es zu drei Einsätzen pro Minute.

Viele Berufstätige kamen zu spät zur Arbeit, weil Busse sich bis zu einer Stunde verspäteten. Sie konnten nur im Schritttempo fahren. Die Menschen gingen vorsichtig und langsam, um nicht auf den spiegelglatten Boden zu stürzen.

Ausgekugelte Hüften

Um 8.36 Uhr hatte die Berliner Feuerwehr für ihre Rettungskräfte den Ausnahmezustand ausgerufen, weil sie nicht mehr allen Verletzten rechtzeitig helfen konnte. Alle Fahrzeuge waren im Einsatz. Die Feuerwehr alarmierte ihre freiwilligen Helfer. Mit Löschfahrzeugen und in Polizeiautos wurden die Verletzten in die Rettungsstellen der Krankenhäuser gebracht. Am Abend hob die Feuerwehr den Ausnahmezustand auf.

Der Deutsche Wetterdienst hatte schon Tage zuvor vor Blitzeis gewarnt. Um 10.35 Uhr verbreiteten die Meteorologen über den SMS-Warndienst „Katwarn“ die Nachricht an die registrierten Kunden: „Extremwetterlage, gültig ab sofort. Zu Hause bleiben.“

Die Feuerwehr rückte in der Zeit von 8 Uhr bis 14 Uhr zu 1.148 Einsätzen aus, weil Menschen gestürzt waren. Das sind ungefähr doppelt so viele wie an normalen Tagen. Es habe so viele Notrufe an einem Tag gegeben wie lange nicht mehr, sagte Feuerwehrsprecher Stephan Fleischer. In den Rettungsstellen erlebten die Mitarbeiter stressige Stunden. Ärzte im Unfallklinikum Marzahn behandelte Patienten mit Kopfplatzwunden, Bänderdehnungen, Sprunggelenkverletzungen sowie gebrochenen und ausgekugelten Hüften. Der Ansturm sei groß gewesen, sagte Sprecherin Angela Kijewski. Innerhalb von zwei Stunden wurden 41 Menschen nach Stürzen behandelt. Der jüngste war 14, der älteste 93 Jahre alt.

In Berlins größter Rettungsstelle, im Vivantes Klinikum Neukölln, versorgten die Ärzte bis zum Mittag 40 Notfall-Patienten mit Frakturen am Sprung- und Handgelenk und am Unterarm. In den Rettungsstellen der Charité wurden bis zum Mittag etwa 100 Patienten behandelt. Schwere Kopfverletzungen erlitt eine 82 Jahre alte Frau. Sie rutschtet beim Überqueren der Vincent-van-Gogh-Straße in Hohenschönhausen aus.

Auch die Polizei hatte mehr zu tun als an normalen Tagen. Die Zahl der Alarmierungen nach Unfällen stieg am Morgen stündlich. Um 9 Uhr waren es bereits 133 bis um 11 Uhr schon 295 Einsätze. Während des Berufsverkehrs ab 17 Uhr registrierte die Polizei 300 Unfälle innerhalb von drei Stunden. Um 20 Uhr lag die Bilanz für den gesamten Tag bei mehr als 1.500 Einsätzen. So krachte es etwa auf der A 113 an der Ausfahrt Adlershof. Zwei Autos waren ineinander gefahren. In Britz prallte ein Tankwagen gegen zwei geparkte Autos.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) war seit dem Morgen mit etwa 1 000 Mitarbeitern unterwegs. Hauptstraßen und die Stadtautobahn streuten sie mit Feuchtsalz, Haltestellen und Plätze mit Splitt. Für die Stadtreiniger war der Montag erst der Anfang. Am Dienstag könnte aus dem gefrierenden Regen Schnee werden.