Berlin - 35.000 Verbraucher und Landwirte haben nach Schätzungen der Veranstalter am Samstagmittag bei der „Wir haben es satt“-Demonstration in Berlin für eine Wende in der Agrarpolitik demonstriert. Zentrales Anliegen der Demonstranten ist eine Reform der EU-Subventionen. 

„Wir haben es satt“-Demo: 460 Kilometer mit dem Traktor

171 Bauern aus ganz Deutschland reisten zur Demonstration mit ihren Traktoren an, viele von ihnen waren mit ihren Gefährten zwei Tage lang auf der Straße. Biobauer Reinhard Nagel hat mit seinem Trecker 460 Kilometer von seinem Hof in Nordhessen zurückgelegt, um seine konventionell anbauenden Kollegen zu unterstützen.

„Die EU-Subventionen müssen umgebaut werden“, sagt Nagel. „80 Prozent der Gelder gehen an 20 Prozent der Betriebe.“ Weil die Subventionen sich nach der Fläche der Betriebe richteten, flössen die Gelder vor allem an industriell arbeitende Großbetriebe. „Die brauchen das Geld nicht“, so Nagel. „Aber die kleinen Höfe, die Familienbetriebe, die die wirkliche Arbeit machen, sterben.“

„Wir haben es satt“-Demo: Klöckner erntet Buh-Rufe

Am Samstag wurde die Arbeit der Kleinbauern von vielen Rednern auf der großen Bühne direkt vor dem Brandenburger Tor gewürdigt: „Liebe Bauern, wir sind stolz auf euch!“, erschallte es von dort. „Gebt den Bauern genug Geld, aber dreht der Agrarindustrie den Geldhahn zu!“ Klatschen, Topfschlagen, Jubelrufe. Lautes Buhen erntete hingegen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) von der Menge.

Die Teilnehmer der Demonstration, darunter viele Kinder, kamen als Bienen oder Maiskolben verkleidet und mit Schildern, deren Aufschriften „Mehr Schmetterlinge“, „Tierfabriken abschaffen“ oder „Artenvielfalt bewahren“ forderten.

„Jetzt muss nur die Politik noch reagieren“

„Menschen- und tierfeindlich“ seien Produktion und Produkte der Landwirtschaft allzu oft, kritisiert Teilnehmerin Fabienne Diergardt. Die 28-Jährige hält eine Pappe mit dem Spruch „Organic is orgasmic“ in der Hand.

Vor allem aber ist die Berlinerin zur Demonstration gekommen, um einen Studienfreund zu unterstützen, der auf einem der Trecker sitzt. Er hat den Hof seiner Eltern in Niedersachsen übernommen und stellt gerade von konventionellem auf Bio-Anbau um.

Ein Trend, den auch Christian Rollmann, Sprecher der Organisatoren von „Wir haben es satt“ beobachtet: Zur Demo seien so viele Bauern mit ihren Traktoren gekommen wie noch nie, darunter besonders viele junge Bauern. „Gleichzeitig sind sehr viele Berliner gekommen. Das ist eine tolle Mischung“, so Rollmann. „Jetzt muss nur die Politik noch reagieren.“