Liebe Bettina Jarasch, Glückwunsch zu Ihrem Mut! Als neue Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz haben Sie sich einen der schwierigsten Jobs im Senat ausgesucht. Stellen Sie sich darauf ein, dass Aktivisten Sie schon bald mit Ansprüchen zuschütten werden, mit denen die überalterte und teils demotivierte Berliner Verwaltung schon vorher überfordert war. Und rechnen Sie zugleich mit der Wut der Berliner, die sich ihr Anti-Bullerbü der breiten Straßen und des allgegenwärtigen Blechs bewahren wollen.

Und dann ist da leider noch der aktuelle Koalitionsvertrag. Ein derart wirres, inkonsistentes und maßloses Wünsch-dir-Was, dass man eine fast schon stalinistische Entschiedenheit braucht, um unwichtige Parteischrullen von drängenden Zukunftsthemen zu trennen. Verzetteln Sie sich nicht!

Sollte der Senat wirklich aufwendig prüfen lassen, ob Berlins Nahverkehrssystem mit Seilbahnen ergänzt werden sollte? Müssen die knappen Planerkapazitäten tatsächlich mit Untersuchungen für nicht weniger als fünf U-Bahn-Strecken in Außenbezirken okkupiert werden? Mit Dorf-U-Bahnen sollte Berlin seine Kräfte nicht verschwenden, solange das bestehende Tunnelnetz zerbröselt.

Die Kunst wird darin bestehen, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Zum Beispiel: das Straßenbahnnetz ausbauen. Mehr Platz für Radfahrer schaffen, ohne Fußgänger zu benachteiligen. Bezirke unterstützen, wenn sie Straßenraum anders verteilen wollen. Modellprojekte für die Mobilitätswende entwerfen – sie aber nicht wie im Fall der Friedrichstraße gegen lokale Kritik dekretieren, sondern berlinweit ausschreiben. Rechnen Sie nie mit Beifall. Aber fangen Sie an!