Symbolisch für die Krise: Hochgestellte Stühle in einem Restaurant. Die Berliner Gastronomie liegt am Boden. 
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BerlinBerlins Gastro-Szene liegt nach mehr als anderthalb Monaten Shutdown am Boden. Immer wieder haben Berliner Wirte und auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband der Politik Vorschläge gemacht, wie die Betriebe trotz strenger Abstands- und Hygiene-Regeln geöffnet werden könnten. Sie haben Hilfe eingefordert und Unterstützung. Ohne Erfolg. Sie haben konkrete Vorschläge gemacht. Keine Reaktion. Der Senat lässt seine Wirte hängen. Es geht nicht nur um 19 000 gastronomischen Betriebe und insgesamt  90 000 Jobs. Es geht in Berlin um ein Lebensgefühl – auch in der internationalen Wahrnehmung der Hauptstadt. „Für Berlin ist das Gastgewerbe, vor allem die Gastronomie immens wichtig – wirtschaftlich und für das Lebensgefühl unserer Stadt. Und sie brauchen eine Perspektive“, sagt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) – und bleibt dabei unkonkret (die unbefriedigenden Antworten - hier). 

Ein von der Berliner Zeitung an die Wirtschaftsverwaltung übermittelten Fragenkatalog blieb in den wesentlichen Fragen unbeantwortet. Statt dessen gab es zur Wiedereröffnung der Betriebe allgemein gehaltene Aussagen. Etwa nach Konzepten zur Zukunftssicherung der Gastronomie. Oder zur Frage, warum Friseure unter speziellen Hygiene-Auflagen öffnen dürfen, gastronomische Betriebe allerdings nicht. Berlin sieht bei diesen Fragen weniger sich selber als vielmehr den Bund in der Pflicht.

 „Berlin agiert bei möglichen verantwortbaren, phasenweisen Lockerungen gemeinsam mit dem Bund“, heißt es aus der Wirtschaftsverwaltung. „Wir haben Vorschläge für eine phasenweise Öffnung für die Berliner Branche erarbeitet, der Regierende wird den ,Berliner Plan zur Öffnung’ mit in die morgige Ministerpräsidentenkonferenz nehmen.“ „Lippenbekenntnisse“ nennt das Michael Näckel. „Es ist absurd, dass wir im März behördlich geschlossen wurden und bis heute nicht öffnen dürfen“, sagt der Gastronom und Chef der Thai-Restaurantkette Papaya. Näckel  erinnert daran, dass es zu diesem Zeitpunkt in Berliner Restaurants anders als in Bars oder Clubs „keinen einzigen Infektionsfall gegeben hat“. Im Gegenteil, so Näckel: „Wir Wirte haben dafür gesorgt, dass es bei uns keinen Infektionsfall gibt, dass zum Beispiel unsere Mitarbeiter in freiwillige Quarantäne geschickt wurden, als sie aus dem Urlaub zurückkamen.“ Näckel erwartet jetzt von Müller und dem Senat, dass die Verhandlungen der Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung am heutigen Donnerstag auch konkrete Ergebnisse bringen. „Uns muss Hoffnung gemacht werden.“

Ein erstes Signal in diese Richtung kam am Mittwoch von  Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Er sagte, dass es erste Lockerungen für das Gastgewerbe „Ende Mai“ geben könnte. „Aber es wird lange dauern, bis sich der Betrieb dieser Branchen wieder einem normalen Niveau nähern kann“, sagte der Minister. Auch der Regierenden Bürgermeister Michael Müller sprach am Mittwoch davon, noch „im Mai“ Gespräche über Lockerungen für Hotels und Restaurants führen zu wollen – insbesondere über die Außengastronomie. Wirtschaftsminister Altmaier stellt zudem weitere Finanzhilfen für das besonders betroffene Gastgewerbe, aber auch für die ebenfalls notleidende Veranstaltungs- und -Kulturbranche in Aussicht. Er wolle einen Nothilfefonds mit nicht rückzahlbaren Zuschüssen sowie die Umwandlung bereits zugesagter Kredite in Zuschüsse prüfen, so Altmaier. Vorschläge, die die Dehoga Berlin und die Wirte begrüßen. Doch noch immer sind viele Fragen unbeantwortet. Es gibt noch immer Probleme mit den Kurzarbeitergeld.

Bisher ist noch kein Geld bei den Arbeitgebern angekommen, obwohl jetzt zum Ende des Monats die Lohn- und Gehaltsabrechnungen fertig gemacht werden müssen. Deshalb fordert der Verband pauschalisierte Abschlagszahlungen in Höhe von 80 Prozent. Und auch mit seiner Forderung, die Mietkosten zu dritteln – 1/3 Mieter, 1/3 Vermieter, 1/3 Bund oder Land – ist die Dehoga bisher nicht durchgedrungen. So wird am Ende eine Gastrolandschaft übrig bleiben, in der nach Dehoga-Schätzungen etliche der 19 000 Betriebe fehlen werden. Es sei denn, der Senat ermöglicht den Wirten doch noch, dass sie schnellstmöglich ihre Türen öffnen können.