Sie sind Klempner, Maler, Fliesenleger, Spargelstecher, Kellnerinnen, Gurkenpflücker – das könnten wohl die gängigen Klischees über Polen sein, die in Brandenburg arbeiten. Sehr viel weniger bekannt ist dagegen, wie wichtig polnische Investoren inzwischen in der Region geworden sind. Sichtbar sind allenfalls noch die Star-Tankstellen, die eine Tochtergesellschaft des Ölkonzerns Orlen sind, des umsatzstärksten polnischen Unternehmens.

Doch allein im östlichen Teil Brandenburgs haben sich inzwischen mehr als 800 Firmen mit polnischen Inhabern oder Gesellschaftern niedergelassen. Die meisten davon sind kleinere Unternehmen. Aber es befinden sich auch größere darunter wie die Toruner Betriebe für Verbandsstoffe (TZMO), eine Kapitalgruppe mit 54 Firmen und insgesamt 7300 Beschäftigten, die sich in Biesenthal niedergelassen hat. Oder der Auto-Zulieferer Boryszew Oberflächentechnik in Prenzlau.

Starke Sogwirkung

„Brandenburg ist attraktiv für polnische Firmen, weil in den wachsenden Industrie- und Innovationszentren Erweiterungsflächen zur Verfügung stehen“, sagt Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) der Berliner Zeitung. Er hat erst unlängst Polen besucht, um für das Bundesland zu werben und um sich in den Zentralen von TZMO und Boryszew umzusehen. Und die nächste Reise steht bereits in Gerbers Terminkalender. „Der Nährboden für eine noch tiefere Wirtschaftskooperation ist vorhanden“, ist der Minister überzeugt.

Er beobachte keinen Massenansturm polnischer Investoren, erläutert Knuth Thiel von der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg. „Aber das Wachstum ist stetig.“ Dass Brandenburg für polnische Unternehmen immer interessanter werde, hat aus seiner Sicht vor allem zwei Gründe: „Zum einen strahlt die dynamische Entwicklung Berlins immer weiter ins Umland aus – bis nach Eberswalde, Fürstenwalde oder auch Frankfurt/Oder.“ So entstehe eine starke Sogwirkung. Aber in Berlin selbst gibt es kaum noch günstige Gewerbeflächen. In Brandenburg dagegen schon. Erst in der letzten Woche, so Thiel, habe sich eine Delegation aus Breslau bei der IHK informiert.

Der zweite Grund für das Engagement von Polen hierzulande sei die Attraktivität der Marke „Made in Germany“, sagt Thiel. Joanna Adamowicz kann das bestätigen. Sie arbeitet für das Deutsch-Polnische Kooperationsbüro der Sparkassen in Frankfurt (Oder). Es ist vor 16 Jahren gegründet worden, ursprünglich, um deutsche Firmen auf ihrem Weg nach Polen zu begleiten. Das hat sich geändert. Seit langem gibt es auch aus Polen Anfragen an das Büro von Firmen, die sich nicht nur in Brandenburg, sondern in ganz Deutschland ansiedeln wollen.

„Sie erhalten von uns Unterstützung von A bis Z“, erklärt Joanna Adamowicz. „Mit unseren Netzwerkpartnern beraten wir Firmen in Rechts- und Steuerfragen, über die Erlangung von Fördermitteln, oder wir stehen mit unseren Bankpartnern bei Finanzierungen zur Verfügung.“ Auf beiden Seiten sei noch Potenzial für einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen vorhanden, findet sie. Beispielsweise was die Kooperation von Firmen angeht. „Ich könnte mir vorstellen, dass deutsche und polnische Firmen sich noch stärker zusammenschließen, um größere Aufträge zu erhalten“, meint die Expertin.

Fragen nach Breitband-Internet

Doch auf diesem Weg gebe es auch noch Hindernisse, fügt sie hinzu. Beispielsweise die deutsche Behördensprache. Diese sei außerordentlich kompliziert, sagt Joanna Adamowicz. Von da ist es nicht weit bis zu der Feststellung: Deutschland sei zu bürokratisch, was von polnischen Unternehmern kritisch angemerkt wird. „Die polnische Bürokratie ist auch nicht ohne“, weiß Knut Thiel zu berichten. Doch er sieht auch noch ganz andere Hemmnisse für Investitionen.

So gibt es beispielsweise in Teilen Brandenburgs keinen Breitband-Zugang zum Internet. „Danach fragen aber Unternehmer immer mehr“, sagt Thiel. Das Verkaufsverbot am Sonntag wiederum störe viele polnische Händler, die sich in Brandenburg niedergelassen haben. „Ein Ladenschlussgesetz gibt es in Polen nicht. Aber es ist allein schon unverständlich, warum Berlin zehn verkaufsoffene Sonntage haben darf und Brandenburg nur sechs“, sagt Thiel.

Doch das größte Problem für die Niederlassung weiterer Firmen ist ein anderes – und muss in den kommenden Jahren gelöst werden: Auch in Brandenburg macht sich der Mangel an Fachkräften zunehmend bemerkbar. „Das müssen wir strategisch angehen“, mahnt Thiel.