Manchmal muss es einfach schön sein, wenn man Wirtschaftssenatorin ist. Am Montag war so ein Tag. Die grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop jedenfalls gab sich am Vormittag wenig Mühe, ihre Zufriedenheit zu verbergen, als sie den neuesten Wirtschafts- und Innovationsbericht vorstellte.

Der zahlensatte 79-Seiter lässt sich mit drei Worten zusammenfassen: Berlins Wirtschaft wächst. „Und zwar stärker als die im Bund“, wie Pop mehrfach vorrechnete. Das gilt für das Bruttoinlandsprodukt 2017 (plus 3,1 Prozent; im Bund war es ein Plus von 2,2 Prozent). Und es gilt auch für die Prognose für 2018 (Berlin: plus 2,7 Prozent; Bund: plus 2,3 Prozent).

Die nun schon seit Jahren währende Erfolgsgeschichte ließe sich problemlos fortsetzen: Auch beim Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen innerhalb des vergangenen Jahres (rund 55.000 mehr, Tendenz: weiter steigend) und insbesondere beim Rückgang der Arbeitslosigkeit (9,0 Prozent, Tendenz: weiter sinkend) stehe Berlin sehr gut da, so Pop. „Seit ich hier in Berlin Politik mache, seit 2001, hat sich die Zahl der Arbeitslosen halbiert“, stellte Pop fest.

Hochburg der Digitalwirtschaft

Mittlerweile sei der Aufholprozess, den die von jahrzehntelanger Teilung und Abwanderung gebeutelte Stadt gegenüber westdeutschen Wirtschaftszentren immer noch vollziehe, strukturell. „Unser Wachstum ist kein Zufall oder Strohfeuer, wie es mancher in Bayern vielleicht gerne hätte, sondern anhaltend und fundiert“, so die Senatorin. „Wir nähern uns von unten der Mitte.“

Das liege vor allem am Aufstieg der Stadt zu einer Hochburg der Digitalwirtschaft. Und auf manchen Feldern sei man schon ganz oben, etwa in der Finanztechnologie. „Die digitale Bankenwirtschaft setzt auf Berlin“, sagte Pop, „da sind wir sogar stärker als Frankfurt am Main“ – auch wenn man das in Hessen nicht gerne höre. Schon traditionell sei der Spitzenplatz bei Start-ups für Berlin reserviert. So wurden rund zwei Drittel aller bundesweit verteilten Risikokapital-Mittel in Berliner Start-ups gesteckt (drei Milliarden Euro).

All diese Faktoren führten dazu, dass die Steuereinnahmen seit einiger Zeit regelmäßig wüchsen. Auch deswegen habe sich der Senat zu einem „Jahrzehnt der öffentlichen Investitionen“ verpflichtet, sagte Pop. Das gebe Planungssicherheit. Nun solle die Industrie nachziehen, insbesondere die Bauwirtschaft solle mehr ausbilden und einstellen.

Siemens plant Jobabbau

Alles gut im Hause Pop, also? Das dann doch nicht. Schließlich hat Berlin zuletzt vielfach erfahren müssen, dass der Umbau von der Produktions- zur Dienstleistungsmetropole noch lange nicht abgeschlossen ist. So droht bei Siemens, immer noch größter Industriearbeitgeber der Stadt, im Rahmen einer konzernweiten Umstrukturierung bei der Turbinenproduktion und dem Kraftwerkbau der Verlust von 870 Arbeitsplätzen in Berlin. „So wird es aber nicht enden“, sagte die Wirtschaftssenatorin tapfer, „ganz so schlimm, wie zu befürchten stand, wird der Abbau nicht werden.“ Wie sie darauf kommt, blieb am Montag offen.

Das zweite großes Siemens-Thema in der Stadt sind die Pläne des Technologieunternehmens, in Berlin einen Innovations-Campus zu errichten. Die Rede ist von Investitionen von 500 bis 600 Millionen Euro. Erste Meldungen hatten den Senat überrumpelt. Mittlerweile hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Campus-Verhandlungen zur Chefsache erklärt.

Und was macht die Wirtschaftssenatorin? Sie will dabei sein, wenn sich nächste Woche Senatsvertreter mit Konzernunterhändlern in der Siemensstadt treffen und möglicherweise schon erste Fragen rund um die Großinvestition besprochen werden. Offenbar wisse Siemens, sagte Ramona Pop, dass es mit Berlin nicht nur eine gemeinsame 171-jährige Geschichte habe, sondern die Stadt auch der richtige Standort für einen Strukturwandel sei.