Wo gibt es Linzer Torte und deutschen Käsekuchen mitten in Peking? Nicht nur in den westlich durchgestylten Edel-Hotels, sondern auch im Café Konstanz im German Centre – einem vor fast zwanzig Jahren von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) finanzierten zweitürmigen Bürohaus im Diplomaten- und Büroviertel Chaoyang – direkt am Landmark River, weshalb die beiden Türme auch Landmark Towers heißen.

Hier im Turm 2 in der elften Etage gibt es ein paar dunkle Tische und Bänke, eine Glasvitrine und eine freundliche Pekingerin hinter der Theke – fertig ist die „South German Bakery“ mit dem schönen Beinamen Bodenseestube. Gleich die erste Bürotür neben der Bodenseestube ist aus Glas. Ein roter Berlin-Aufkleber mit stilisiertem Brandenburger Tor prangt daran, daneben ein Schild „Berlin Business Liaison Desk“. Mehr ist noch nicht zu sehen vom neuen Auslandsbüro der deutschen Hauptstadt in Peking.

Doch schon ab Sommer sollen hier zwei Mitarbeiter plus Sekretariat daran arbeiten, dass Berlins Unternehmen schneller nach China kommen – und umgekehrt. Die Außenhandelskammer übernimmt dabei die Vertragsabwicklungen, Berlin finanziert das Büro mit insgesamt 350.000 Euro im Jahr.

Die Bodensee- in Wannseestube umzutaufen steht dem Vernehmen nach aber nicht an, obwohl die LBBW inzwischen in einen anderen Bürokomplex gezogen ist. Das German Centre in Peking braucht immer mehr Platz, ein Unternehmen nach dem anderen will zumindest erkunden, was der chinesische Markt für Chancen bietet. Am Dienstagabend wurde das noch leere Büro in Peking feierlich eröffnet, mit einem Empfang in der Imperial Suite des Hotels Four Seasons, in dem Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und die fast 50 Teilnehmer ihrer Berliner Delegation in Peking wohnen.

„Wirtschaft funktioniert vor allem über persönliche Kontakte“

Auf ihrer ersten Auslandsreise hat die 40-Jährige damit eine der größten Begleitungen aus Unternehmens- und Verbandsvertretern dabei, die Berlin in den vergangenen Jahren in die Welt geschickt hat. Es geht um das Thema nachhaltige Stadtentwicklung, weshalb vor allem die Branchen Energie, Mobilität, Umwelt und ein paar Start-ups vertreten sind.

Nach drei Tagen Peking, dem politischen Zentrum Chinas, folgen drei Tage in Shanghai, dem wirtschaftlichen Zentrum. Es werden jeweils Wirtschaftsforen veranstaltet, am Dienstag unterzeichneten Berlins Fördergesellschaft Berlin Partner und ihr Pekinger Pendant Techcode eine Kooperationsvereinbarung. Man besucht Unternehmen, schüttelt Hände, tauscht Visitenkarten. „Wirtschaft funktioniert vor allem über persönliche Kontakte“, sagt IHK-Präsidentin Beatrice Kramm, in China an vorderster Stelle dabei.

Dabei gibt es auch Risiken, das ist den Teilnehmern durchaus klar. China ist interessiert an Kooperationen, an Joint Ventures, in denen die chinesischen Partner das Sagen haben. Dass Firmen aus dem Ausland im Reich der Mitte größere Marktanteile erobern, ist jedenfalls nicht vorgesehen. Staatliche Eingriffe sind jederzeit möglich, Ausschreibungen und Subventionen oft auf chinesische Firmen beschränkt. Schließlich will China selbst zum Hightech-Land werden, die offizielle Strategie dazu heißt „Made in China 2025“.

In vielen Bereichen ist es in China längst soweit: Immer mehr Maschinen übernehmen die Produktion, es wird in Künstliche Intelligenz, Robotik und Elektromobilität investiert. Bargeldlose Bezahlung, in Deutschland umstritten, ist etwa in Peking ganz alltäglich, selbst in kleinsten Lebensmittelläden am Straßenrand. Handy hinhalten, Code scannen, den Rest übernehmen Apps wie WeChat und AliPay.

Keine leichte Aufgabe

Wirtschaftssenatorin Pop machten denn auch in ihrer kleinen Rede vor Pekinger Business- und Behördenpublikum darauf aufmerksam, sehr freundlich natürlich, dass es Investitionssicherheit, faire Wettbewerbsbedingungen und einen verlässlichen Rechtsrahmen geben müsse, wenn sich Firmen von außerhalb in China engagieren wollten. Vertieft wurde das Thema bei dieser Gelegenheit jedoch nicht.

Auch das Berliner Büro im Landmark Tower 2 – zwischen der dritten Ringautobahn und einem begradigten Stadtfluss mitten im Gewerbegebiet, in den Rentner an schönen Tagen ihre Angeln hängen – wird was fairen Wettbewerb angeht keine ganz leichte Aufgabe haben.

Bisherige Versuche scheiterten

Die Chancen und die Risiken lassen sich im Rahmen einer Erstberatung, die „Wegweiser“ sein soll, nicht alle komplett erörtern. Chinas Wirtschaft werde für Berlins Unternehmen in immer mehr Branchen auch zu einer starken Konkurrenz, heißt es dazu von den Berliner Außenwirtschaftsexperten. Unternehmen müssten neue Strategien für ihr China-Geschäft entwickeln. Dazu kann in Zweifel auch eine Exit-Strategie gehören.

In Peking wird mit dem neuen Büro die vorerst einzige Berliner Wirtschaftsrepräsentanz weltweit entstehen. Andere Versuche dieser Art sind bisher gescheitert: So wollte Pops Vorgängerin Cornelia Yzer (CDU) mit einem Büro in London mögliche Brexit-Flüchtlinge nach Berlin holen. Vergeblich. Raed Saleh, der SPD-Fraktionsvorsitzende, regte ein Büro in Istanbul an. Doch das stieß kaum auf Interesse, während die politischen Probleme immer größer wurden. Beide Vertretungen wurden wieder geschlossen.

Partnerschaft Berlins

Das Projekt in Peking beruht nun auf einer neuen Außenwirtschaftsstrategie, entwickelt von IHK, Berlin Partner und Senatsverwaltung. Auslandsbüros, so die Überlegung, lohnen sich allenfalls in den Top-Exportmärkten. Dass China, mit fast einer Milliarde Handelsvolumen zweitgrößter Auslandsmarkt Berlins, nun den Anfang macht, liegt daran, dass nach den Plänen der Chinesen auch in den kommenden Jahren verlässlich Wachstum und Investitionen zu erwarten sind.

Peking ist Partnerstadt Berlins, der Austausch ist jetzt schon intensiv, etwa während der schon traditionellen Asien-Pazifik-Wochen in Berlin, aber auch kulturell auf politischer Ebene, die stets eine sehr wichtige Rolle spielt. Pekings Probleme passen zudem zu den Berliner Schwerpunktbranchen Verkehr, Energie, Informationstechnik. Da sollte doch etwas zu machen sein. Gern auch bei Linzer Torte.