Der Star im Naturkundemuseum: Tyrannosaurus rex Tristan. Er geht jetzt auf Reisen und kehrt erst in einem Jahr zurück. Am Wochenende gibt es eine Abschiedsparty.
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BerlinDer Startschuss für eines der größten Projekte der Berliner Wissenschaftspolitik ist gefallen. Am Museum für Naturkunde (MfN) Berlin entsteht in den nächsten zehn Jahren ein neuer Wissenschaftscampus für Natur und Gesellschaft, der überregionale Strahlkraft erlangen soll. Das Land Berlin und die Bundesregierung geben dafür insgesamt 660 Millionen Euro aus. Der Berliner Zeitung liegt exklusiv der Zukunftsplan für die Sanierung und Erweiterung des Museums vor, das zugleich ein Leibniz-Institut ist. 

In der Mitte der Stadt entstehe ein „Erprobungsraum für neue Formen der Interaktion von Wissenschaft und Gesellschaft“, heißt es in einer Erklärung des MfN und der Humboldt-Universität (HU) Berlin, deren gemeinsames Projekt der Campus ist. Geplant ist, dass Wissenschaftler beider Institutionen zu Themen wie Artenschutz, Klimawandel und Biodiversität forschen. Der Campus soll Zentrum der Interaktion mit der Gesellschaft und Bürgern werden. Dafür entsteht eine „Berlin School of Public Engagement and Open Science“. 

Wissenschaftscampus für Natur und Gesellschaft

Die Idee für den Campus stammt von Johannes Vogel, dem Generaldirektor des MfN. Dieser hatte vor Jahren gemeinsam mit der bundesweiten Initiative Wissenschaft im Dialog eine zentrale Plattform „Bürger schaffen Wissen“ ins Leben gerufen. Sie sei „ein ganz wichtiges Instrument in dem Zeitalter, wo das Smartphone und das Internet die Welt beherrschen“, erklärte Vogel. Bürger und Wissenschaftler könnten gemeinsam wichtige Fragen beantworten. Denn Forschung brauche „viele Augen, viele Ohren, viele Hände“, etwa um Daten zu Lichtverschmutzung über Städten, zu Plastikmüll in Flüssen, zur Verbreitung von Insekten, Fledermäusen und Wildtieren in der Stadt zu sammeln und auszuwerten.

Johannes Vogel schaffte es, den Regierenden Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) und dessen Staatssekretär Steffen Krach von der Idee zu begeistern, das MfN zu einem neuartigen Wissenschaftscampus für Natur und Gesellschaft auszubauen. Berlin gelang es, eine Sonderfinanzierung des Bundes in Höhe von 330 Millionen Euro zu erhalten.

Vom Land kommen 330 Millionen Euro dazu. Wie der Zukunftsplan zeigt, sollen in einer ersten Projektphase bis 2028 voraussichtlich 299 Millionen Euro für die Sanierung von Nordflügel und Nordbau des Museums sowie die Errichtung eines Ergänzungsbaus fließen.

Für die Berliner Wissenschaftspolitik ist der neue Campus ein weiterer Meilenstein. „Das Engagement des Bundes unterstreicht, welches Potenzial in unserer Stadt steckt und wie stark wir uns zu einer führenden Innovationsmetropole entwickeln“, sagte Michael Müller der Berliner Zeitung. Vorhaben wie der Campus von MfN und HU seien „nicht nur für Berlin wichtig, sie entfalten auch eine bundesweite Strahlkraft“.

Abschiedsparty für das Skelett Tristan Otto

Zu den Erfolgen der jüngeren Zeit gehören unter anderem die Einwerbung von Bundesmitteln in Höhe von 100 Millionen Euro für das geplante Universitäre Herzzentrum Berlin, die Etablierung einer dauerhaft funktionierenden Struktur für das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) unter dem Dach der Charité sowie die Entscheidung von Siemens, 600 Millionen Euro in einen Innovationscampus in Berlin zu investieren.

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Noch einen Höhepunkt gibt es: In dieser Woche verabschiedet das Naturkundemuseum den Tyrannosaurus rex Tristan Otto, der seit Ende 2015 Publikumsmagnet und Forschungsobjekt des Museums war. Das Skelett reist für ein Jahr nach Kopenhagen, danach kehrt es zurück. Am Wochenende wird es im Museum eine große Abschiedsparty für Tristan Otto geben – mit freiem Eintritt für die Besucher.