"Ja klar", sagt Robert Spal, "die Berliner City ist ein ganzes Stück entfernt." Aber das Leben in Adlershof, quasi am Stadtrand, bringe für ihn nur Vorteile: „Ich brauche ganze fünf Minuten bis zur Vorlesung, in die Bibliothek und in die Mensa, das ist toll.“ Seit drei Wochen wohnt der 24-Jährige, der aus einer Kleinstadt nahe Bratislava kommt und an der Humboldt-Universität Kartographie studiert, im neuen Studentendorf in Adlershof.

Am Dienstag wird es offiziell eröffnet. Gleich neben dem Campus der Humboldt-Uni, die sechs naturwissenschaftliche Institute in Adlershof konzentriert, wurde das Wohnheim mit 386 Plätzen gebaut. Die Zimmer sind auf zehn Gebäude verteilt, die sich um mehrere Innenhöfe gruppieren und deren auffälligstes Merkmal die hervorstehenden hölzernen Erker sind – die sogenannten Denker-Erker.

Ein Bett, ein Schrank, zwei Regale und ein Schreibtisch am Fenster – mehr passt nicht in das 16 Quadratmeter große Zimmer von Robert Spal. Ihm genügt es: „Das reicht zum Studieren, unser abendliches Leben spielt sich ohnehin in den Gemeinschaftsräumen ab“, sagt er. Davon gibt es reichlich: In den Erdgeschossen gibt es jeweils 100 Quadratmeter große Küchen. Dort können die Bewohner gemeinsam kochen, auf großen Sofas sitzen, quatschen und feiern. Demnächst öffnen noch ein Studentenclub, eine abgeschiedene Lounge zum konzentrierten Lernen, ein Fitnessstudio, eine Poststelle und eine Kita.

360 Euro bezahlt Robert Spal für seinen Wohnheimplatz, inklusive sämtlicher Nebenkosten. Es gibt auch größere Zimmer, die 450 Euro kosten. Alle Wohnplätze sind belegt, sagt Andreas Barz von der Studentendorf Schlachtensee-Genossenschaft, die gemeinsam mit einer Stiftung das Wohnheim in Adlershof errichtet hat. „Wir könnten locker viel mehr Plätze vermieten, der Bedarf ist riesig.“

Mit dem Studentendorf Adlershof wird eine Zäsur gesetzt in einem Gebiet, das bislang ausschließlich als Standort für Wissenschaft und Medien bekannt ist – es wird auch Wista genannt. Vor 20 Jahren wurde der Standort begründet, auf einem 42 Hektar großen Gelände, auf dem früher die DDR-Akademie der Wissenschaften, das DDR-Fernsehen sowie Kasernen der DDR-Grenztruppen waren. Heute forschen und arbeiten dort rund 21.000 Menschen. 1600 von ihnen sind in zehn Forschungsinstituten tätig, 5500 in weiteren Wissenschafts-Unternehmen und noch mal so viele im Dienstleistungssektor wie in Hotels, Restaurants, Kopiershops oder Geschäften.

In der Medienstadt arbeiten 900 Menschen in 140 Firmen, und die Uni bringt 9500 Studenten und 1000 Mitarbeiter nach Adlershof. Die Wista Adlershof gilt inzwischen als der führende Technologiepark Deutschlands. Doch bei aller Exzellenz und Anerkennung – eines fehlt dort bislang: Menschen, die dort nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen. Nur westlich des Landschaftsparks Adlershof gibt es 380 Eigenheime. Abends und an den Wochenenden ist die Wissenschaftsstadt bislang leer. Tot, sagen etliche. Doch das ändert sich jetzt.

1400 Wohnungen entstehen

Denn neben dem Studentendorf drehen sich Baukräne. Auf insgesamt 14 Hektar Fläche entstehen am Rand der Wista in den kommenden Jahren etwa 1400 Wohnungen für 2500 Menschen. Wohnen am Campus heißt das Projekt, das sich wie ein Typenbuch des Wohnungsbaus liest: Drei Genossenschaften sind dabei, mehrere Baugruppen und Privatinvestoren sowie mit den Gesellschaften Degewo und Stadt und Land auch zwei landeseigene Wohnungsunternehmen.

Es entstehen Townhouses und Stadtvillen, Reihenhäuser und Geschosswohnungsbau, Eigentums- und Mietwohnungen. „So vielfältig die Haustypen sind, so vielfältig werden ihre Bewohner sein“, sagt Wolf Schulgen von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Eine Gesellschaft plant sogar ein Art Labor, in dem Energie- und Haustechnik der Zukunft auf Alltagstauglichkeit getestet werden. Wo, wenn nicht in Adlershof, wäre dafür der richtige Ort.