Witterungsschäden: Regen und Frost machen die Straßen kaputt

Berlin - Ob am Kaiserdamm in Charlottenburg oder auf der Bundesstraße B1/B5 in Biesdorf – Schäden gibt es bereits reichlich. „Mit großer Sorge betrachten wir den Wechsel von Frost und Tauwetter“, sagt Wilfried Nünthel (CDU), Lichtenberger Stadtrat für Stadtentwicklung. Gerade dort, wo es bereits Schäden gab, sei Wechselwetter gefährlich. Mit dieser Sorge steht Lichtenberg nicht allein da: „Uns fliegen zurzeit die Plattenbaustraßen sprichwörtlich um die Ohren“, sagt der zuständige Stadtrat aus Marzahn-Hellersdorf, Christian Gräff (CDU).

Betroffen sei die B1/B5, dort sei Wasser in die Fugen zwischen den Platten eingedrungen, bei Frost sprenge das Eis Löcher in die Fahrbahn. Bereits vor zwei Jahren, sagt Gräff, habe man im Bezirk das Defizit bei der Straßensanierung auf 60 Millionen Euro beziffert.

Bereits damals wären nach Schätzungen des Senats 450 Millionen Euro nötig gewesen, um das 5 600 Kilometer lange Berliner Straßennetz nachhaltig zu sanieren. „80 Prozent der Straßen sind vernachlässigt“, sagt Jörg Becker, Abteilungsleiter Verkehr beim ADAC. 70 Millionen Euro hätten die Bezirke 2011 in die Instandhaltung investiert – viel zu wenig. „Gut wäre, wenn es jährlich 150 Millionen Euro für die Instandhaltung geben würde und 100 Millionen zusätzlich für den Neubau von Straßen“, so Becker.

25 Millionen Euro zusätzlich

Die Flickschusterei, die vielerorts aus Kostengründen betrieben werde, sei „rausgeworfenes Geld.“ Um nicht irgendwann vor vollständig kaputten Straßen zu stehen, müsste der Senat zumindest drei Jahre lang jeweils 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen, fordert Becker.

Beim Senat kennt man das Problem: Sowohl 2010 als auch 2011 erhielten die Bezirke 25 Millionen Euro zusätzlich für Straßenreparaturen. „Das ist ja fast wie ein kleines Sonderprogramm“, sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Rohland. Ob es dieses Jahr eine Neuauflage geben kann, stehe aber noch nicht fest. Politisch gewollt sei zusätzliches Geld auf jeden Fall: „Aber noch haben wir keinen Haushalt verabschiedet.“ Allerdings brächte so ein Sonderprogramm auch Probleme mit sich. So hielten Berlins Straßen nur eine bestimmte Zahl Baustellen aus. Und: „Die Bezirke müssen die Summe binnen eines Jahres verbauen können.“

Der Fachbereichsleiter Straßenaufsicht und Straßenunterhaltung in Mitte, Thomas Schuster, ist genau deshalb gegen ein Sonderprogramm – er plädiert dafür, dass die Bezirke dauerhaft mehr Geld bekommen. Ein Sonderprogramm mache es nötig, schnell viel Geld zu verbauen, aber „mehr als fünf Millionen Euro zusätzlich können wir personell nicht bearbeiten.“ Erst mit einem langfristig garantierten zusätzlichen Etat seien zudem verlässliche Absprachen möglich, wann wo gebaut wird.