Der Schriftsteller Wladimir Kaminer.
Foto: Berliner Zeitung/Volkmar Otto

Berlin - Wenn den Schriftsteller Wladimir Kaminer vor oder nach einem seiner Auftritte im BKA-Theater ein Hungergefühl überfällt, muss er bei den vor dem Theater am Mehringdamm gebotenen Alternativen - eine Wurst von Curry 36 oder Mustafas Gemüse-Döner - nicht lange überlegen: „Ich nehme immer die Wurst. Bei Mustafa steht so eine lange Schlange - ich mag diesen Hype nicht.“ An diesem  Freitagabend tritt Kaminer ab 21 Uhr wieder im BKA mit einer Leseshow auf. Wegen der Pandemie bleibt der Zuschauerraum leer. Noch nicht mal der Kameramann dient als Einpersonenpublikum, an dem Kaminer ablesen könnte, ob ein Gag funktioniert: „Der geht raus rauchen. Da steht nur die Kamera.“ Die Zuschauer können auf der Seite bka-theater.de virtuelle Tickets kaufen und damit Künstler und Theater unterstützen.

Dieser Tage ist einfach alles besser, als zu Hause zu sitzen. Kaminer redet gar nicht drum herum: „Ich möchte zurück in mein altes Leben!“ An den Tag, an dem ihm das abhanden kam, erinnert er sich gut: „Am Freitag, den 13. März, sollte ich eine Lesung und eine Russendisko im Casino in Baden-Baden haben.“ Der dortige Chef hustete schon, sagte aber, dass er beim Arzt gewesen sei, der ihn beruhigt hätte. Die Veranstaltung sollte stattfinden. Und wurde 20 Minuten vor Beginn dann doch abgesagt. Kaminer erlebte eine ganz besondere Rückreise nach Berlin: „Am nächsten Tag traf ich auf dem Bahnhof kaum Menschen, nur einige Zeugen Jehovas, die unglaublich gute Laune hatten. Die sahen sich bestätigt in ihrer Gewissheit vom Untergang der Welt.“

Dem Autor kommt sein früheres Leben inzwischen „wie ein Traum“ vor. Von seiner Wohnung am Mauerpark sieht er weniger Trubel als sonst, was sich auch nach den jüngsten Lockerungen nicht entscheidend geändert hat: „Im Mauerpark liegen kaum noch Leute, weil dort der Rasen durch die Bauarbeiten ruiniert wurde, das ist nur noch Staub.“

Eigentlich hatte Kaminer vor, dieses Jahr ein Buch über Deutschland als Traumland zu schreiben. „Dafür wollte ich Deutschland bereisen, was nun aber nicht ging. Also schreibe ich ‚Deutschland raucht auf dem Balkon‘ über ein Land in der Isolation.“ Aus diesem unvollendeten Buch wird er auch im BKA-Theater lesen.

Wer ihn danach aufmuntern will, weil es während der Lesung keinen hörbaren Lacher gab, kann ihm ja bei Curry 36 einen ausgeben.