Masken sind in Berlin am Montag im Nahverkehr Pflicht.
Foto: Imago Images

BerlinWer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Berlin fahren will, muss ab Montag  Mund und Nase bedecken. Diese vom Senat am Dienstag beschlossene Maßnahme, mit der die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden soll, wirft  allerdings gleich mehrere Fragen auf: Wo bekommt man solche Masken, die seit Beginn der Corona-Krise Mangelware sind? Und was bringen die Stoffbedeckungen?

Erste Anlaufstelle dürften für viele Berliner die Apotheken sein – und tatsächlich lassen sich hier und da Exemplare finden. Doch wer Masken anbieten kann, der verlangt in diesen Zeiten entsprechend Geld. „Da wir die Masken teuer einkaufen, müssen wir sie teurer verkaufen“, sagt ein Mitarbeiter der Prenzl-Apotheke in Prenzlauer Berg. Der Zweier-Pack OP-Masken kostet hier fünf Euro und eine FFP2-Maske sechs Euro. In der Gethsemane-Apotheke wurde  am Mittwoch für  eine FFP2-Maske 4,95 Euro verlangt. Vor der Corona-Krise kosteten diese Modelle etwa 60 Cent.

Kunden hätten sich über die hohen Preise beschwert, bestätigt  die Apothekerkammer. Die Apotheker würden die Situation nicht ausnutzen, versichert die berufsständische Organisation, der Einkaufspreis läge derzeit einfach höher.

Nicht nur Apotheken, auch zahlreiche andere Läden bieten inzwischen Masken an. Wer derzeit mit offenen Augen durch die Stadt geht, findet überall Quellen. An einer Tankstelle in Lichtenberg liegen die einfachen Papier-Masken in einer Box an der Kasse – für 2,99 Euro pro Stück. Auch in Kiosken sind sie erhältlich. In der Schönfließer Straße verkauft ein „Späti“ FFP2-Masken für acht, Mund-Bedeckungen aus Baumwolle für fünf und OP-Masken für zwei Euro.

Der Betreiber von „We love Späti“ in der Danziger Straße bietet für acht Euro  von seiner Tante selbst genähten Exemplare  an: „Die kann man waschen, außerdem kann man Küchenpapier einlegen.“ Mitunter werden astronomische Preise aufgerufen: in einem „Späti“ in der Hermannstraße etwa 17 Euro.

Auch die Krawattenmanufaktur Auerbach ist in das Geschäft eingestiegen: Chef Jan-Henrik Scheper-Stuke verkauft Exemplare mit klangvollen Namen wie „Karottenkuchen“ und „Brauner Ahorn“, sie kosten  18 Euro. „Ich will aus der Krise nicht den großen Gewinn ziehen. Aber den Näherinnen fällt zu Hause die Decke auf den Kopf“, sagt er. Sogar Sportvereine erkennen die Marktlücke: Auf der Internetseite  von  Tennis Borussia Berlin (TeBe) gibt es  Mund-Nasen-Bedeckungen in Vereinsfarben.

Außerdem bieten die Discounter Masken an. Im Online-Shop von Real sind welche zu kaufen. Das günstigstes Einwegmodell kostet 1,39 Euro.  Die Senatswirtschaftsverwaltung wies am Donnerstag auf ein Online-Portal hin. Unter https://www.alltagsmasken.berlin können sich Anbieter und Nutzer vernetzen und sich näher zum Thema informieren.

Noch immer boomen auch  Gruppen im Internet, in denen sich Näher zusammenschließen, um Masken anzufertigen. Die größte – „Masken nähen Berlin ehrenamtlich“ –  zählt 1600 Mitglieder. Nizana Brautmann hat sie gegründet. „Es geht darum, andere zu schützen. Jeder kann das  Virus haben – und es ist wichtig, es nicht zu verbreiten“, sagt die 40-Jährige.

Wolfgang Albers (Linke), Vorsitzender des  Gesundheitsausschusses des Abgeordnetenhauses, kann über die teilweise aufgerufenen Wucher-Preise nur den Kopf schütteln. Nicht alle Berliner könnten sich das leisten. Dass die Maske verpflichtend ist, lehnt er ab. „Erst mal wird nicht definiert, was als Maske durchgeht, und zweitens ist eine Maske eine Keimschleuder.“ Wer sie mit den Händen zurechtrücke,  könne anschließend  Viren weiterverbreiten.

Welche Masken schützen wie?

  • Mund-Nasen-Maske: Sie ist der Klassiker. Die Maske besteht aus Papier- oder Faserschichten. Weil sie nicht dicht an Mund und Nase anliegt, schützt sie nicht vor der Tröpfchenübertragung. Wer sie trägt, schützt aber sein Umfeld, denn feuchter Atem wird ausgebremst. Nach dem gleichen Prinzip schützen auch selbstgebastelte Masken aus Stoff.
  • Die Schutzmaske FFP: Die Abkürzung FFP steht für „filtering face piece“. Die sogenannte „partikelfilternde Gesichtsmaske“ besteht aus Kunststoff. Das Material kann auch kleinste Staubteilchen und Tröpfchen zuverlässig aus der Luft filtern. Damit schützen die Masken den Träger auch vor Viren. Sie muss dafür aber dicht am Gesicht anliegen.
  • Was bedeutet FFP1, FFP2 und FFP3? Diese Ziffern sind Einstufungen, geben an, wie dicht die Atemschutzmaske ist. FFP1-Masken können Feinstaub oder Blütenpollen abhalten. FFP2 schützt vor giftigen Baustoff-, Rauch- oder Schimmel-Partikeln. Masken der FFP3-Klasse können laut den Herstellerangaben auch vor Mikroorganismen, Enzymen oder Viren schützen.