Berlin - Schnelltestzentren haben Konjunktur. Sie sind überall in der Stadt entstanden, auch dort, wo man sie nicht erwartet hätte. Wir haben uns in Berlin auf die Suche gemacht. Und haben fünf skurrile Geschichten gefunden. Wir waren da, wo die Kanzlerin zu Fuß einkehrt, in einer Hollywoodkulisse, im Wald, im Klub und an einem vergessenen Ort. 

A Mano am Strausberger Platz

Benjamin Pritzkuleit
Test statt Grappa im Restaurant A Mano

Den Spruch hat er hier im A Mano am Strausberger Platz wohl schon so oft gehört wie die Worte: „Einen  Grappa, bitte!“ Das Augenrollen hinter dem Anti-Corona-Visier jedenfalls habe ich genau gesehen, mit dem er meine Frage quittiert: „Jetzt geht es mit dem Stäbchen da rauf bis an die Großhirnrinde, was?“ Er sagt: „Ja, ja.“ Die Stimme, die durch die FFP2-Maske dringt, müsste ich kennen. Wenn ich das mediterrane Restaurant kennen würde. Tue ich aber nicht, anders als die Kanzlerin, die hier angeblich verkehrte, zum Essen. Ich möchte spontan ein negatives Testergebnis.

Nachdem mir der Empfangschef und sein Kompagnon die Formalitäten abgenommen haben, „kein Problem, kein Problem“, muss ich durch den leeren Gastraum gleich wieder raus in ein Partyzelt. Dort wartet der Mann mit dem Stäbchen. Im Papieranzug sieht er aus wie ein Tatortreiniger. Ist aber ein Kellner. „Bitte Platz nehmen.“ Er weist auf einen Stuhl. Stäbchen ins linke Nasenloch, dann rechts, nur vorn, nicht bis ans Hirn. „Fertig. Ergebnis per Mail in 15 Minuten.“ Soll heißen: Zieh Leine! Den Grappa nehme ich dann eben beim nächsten Mal. Wenn es wieder etwas zu essen gibt. Christian Schwager

A Mano, Strausberger Platz 2, 10243 Berlin. Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr, So 10-16 Uhr. Infos unter amano-ristorante.de 

Max-Taut-Schule in Rummelsburg

Gerd Engelsmann
Auch in der Max-Taut-Schule wird getestet. 

Auf dem Rasen vor der Max-Taut-Schule in Rummelsburg steht, weit vom Haupteingang entfernt, in großen Lettern aus Metall ihr Name, die Lettern sind ein guter Orientierungspunkt. Wenn man in der Schlange vor dem Testzentrum, das hier seit einigen Monaten angesiedelt ist, 20 Minuten braucht, ehe man vom „M“ zum „E“ vorgerückt ist, sollte man gleich eine längere Wartezeit einplanen. Da helfen dann auch die kurz ablenkenden Fragen der freundlichen Mitarbeiter – „haben Sie Symptome, Erkrankte im sozialen Umfeld und Ihren Ausweis dabei?“ – nicht allzu viel.

Doch dafür kann man sich hier im Abglanz Hollywoods sonnen: Das in den 1920er-Jahren errichtete Gebäude wurde für die populäre Netflix-Serie „Damengambit“ in die „Henry-Clay-Highschool“ verwandelt, in der Protagonistin Beth Harmon ein Schachturnier absolviert. Die Metallbuchstaben sind dafür einer Mauer gewichen, auf der in der Serie der Highschool-Name steht. Ansonsten ist das Berliner Original auf den ersten Blick zu erkennen, und so reibt man sich verwundert die Augen und steht dann doch plötzlich im Inneren des Gebäudes, wo nun aber keine elegant gekleideten Jugendlichen „Schachmatt“ rufen, sondern ein Mann im Schutzanzug: „Der Nächste, bitte!“ Philip Aubreville

Testzentrum Berlin Ost, Max-Taut-Schule, Fischerstraße 36, 10317 Berlin. Mo-So 8-18 Uhr. Infos unter test-to-go.berlin/testzentrum-berlin-ost/

Müggelturm in Köpenick

Gerd Engelsmann
Sinnvolles Angebot am Stadtrand: das Testzentrum Müggelturm.

Bei schönem Wetter tummeln sich hier Hunderte Menschen. Normalerweise. Am Berliner Stadtrand in Köpenick laden der Wald zum Spazieren und der Müggelturm mit seiner herrlichen Aussicht zum Verweilen ein. Doof nur, dass Corona bremst. Doch jetzt feiert der Müggelturm sein Comeback als Pandemie-Bekämpfer. Besitzer Matthias Große hat vor gut einem Monat in Windeseile ein Schnelltestzentrum auf die Beine gestellt. Gut so, denn gerade am Stadtrand ist das Angebot noch immer ausbaufähig.

Mit dem Auto ist man schnell am Müggelturm. Und man braucht nicht einmal einen Termin, kann montags bis sonntags zwischen 6 und 22 Uhr zum Testen vorbeifahren.  Vor Ort ist alles bestens organisiert. Ganze 50 Kabinen stehen für die Tests zu Verfügung: kleine grüne Pop-up-Zelte im eigentlichen Restaurant. Darin steht jeweils ein Stuhl. Eine kleine Gruppe „Marsmännchen“ – Männer und Frauen in typischen Corona-Schutzanzügen – machen die Abstriche. Stäbchen rein – fertig. Nach circa 15 Minuten Ausharren auf der Terrasse kommt ein Mitarbeiter mit dem Ergebniszettel in der Hand nach draußen. Test bestanden: Der Abstrich war negativ. Dajana Rubert

Köpenicker Corona-Test-Zentrum, Straße zum Müggelturm 1, 12559 Berlin. Täglich 6-22 Uhr. Infos unter müggelturm.berlin

Facebook/Müggelturm
50 solcher Testkabinen stehen am Müggelturm für kostenlose Corona-Schnelltests zur Verfügung. 

Club Havanna in der Schöneberger Hauptstraße 30

Berliner Zeitung/Markus Wächter
Testen mit Stil im Club Havanna

Vom Testerlebnis im Club Havanna  hatten mir schon Freunde erzählt. Dass die Utensilien dort in Cocktailgläsern aufbewahrt und einem automatisch Salsaklänge in den Kopf kommen würden. Tatsächlich kann man sich hier auf das Angenehmste buchstäblich unter Palmen testen lassen, zwischen dicken Ledersofas im Kolonialstil und mit Blick auf den echten „Corona“-Schriftzug an der Bar.

Wobei alles unglaublich schnell geht. Und freundlich! „Bitte hier lang, Spucktest oder Abstrich?, darf ich mal eben Ihren Code ... ja, danke, das reicht schon, in zehn Minuten werden Sie benachrichtigt“ - und schon ist man wieder draußen in dem skurrilen Innenhof hinter dem Haus Nummer 30 an der Schöneberger Haupstraße. Kaum größer als übliche Hinterhöfe der Gründerzeit, hat dieser einen Namen bekommen und erinnert an Hans Litten, einen antifaschistischen Anwalt, der sich 1938 im KZ Dachau das Leben nahm. Ein Teich ist auf dem Plätzchen angelegt, an dessen Ufer eine steinerne Adlerfigur mit ausgebreiteten Schwingen eben gelandet zu sein scheint, auch eine dürre Kiefer hält die Stellung im Schatten des mächtigen Vorderhauses. Nach nur fünf Minuten kommt die Mail mit dem Bescheid, alles kostenlos natürlich. In virenfreien Zeiten wird für die Flasche Corona im Havanna fünf Euro berechnet. Petra Kohse

Corona-Testcenter im Club Havanna, Hauptstr. 30, 10827 Berlin. Mo-Sa 7-19.30 Uhr. Infos unter testcenter.berlin

SEZ an der Landsberger Allee

Benjamin Pritzkuleit
Auf dem Weg ins Testcenter im SEZ

Ein Werbebanner vor der orangerotlilafarbenen Fassade: Corona-Testcenter im SEZ an der Landsberger Allee. Kostenlos, seniorenfreundlich, mit und ohne Termin, nur 15 Minuten. Klingt gut. Spontane Bremsung für einen kurzen Ausflug in die Vergangenheit. Hinter dem Bauzaun eine Ost-Legende im Dämmerzustand, vor gut 40 Jahren im März 1981 von Erich Honecker eröffnet. 50 Pfennig kostete der Eintritt in das Zentrum für Sport und Erholung, damals das größte seiner Art weltweit: Eisbahn, Wellenbad, Tanz, Schach, Restaurants. Abermillionen Besucher, Abermillionen Erinnerungen.

Heute ein schlichter oranger Pfeil, auf die Metallrampe Richtung Haupteingang gepinselt, da entlang. Eine junge Frau empfängt, tippt Daten ein, die Technik streike noch ein wenig, nun ja, erster Tag heute. Der Paul holt sie gleich ab, sagt sie. Der Paul kommt nicht, aber der Bilal, medizinisch einwandfrei bekittelt und maskiert.

Andächtiger Gang hinein in den Bauch der Legende zu den frisch aufgebauten Testkabinen. Sehnsüchtiger Blick durch Scheiben auf Schwimmbadfliesen. Doppelter Nasenabstrich, streichelzart, Bilal hat den Dreh raus. In eleganter Kurve dann zum Haupteingang. Wollen Sie warten oder eine E-Mail mit dem Ergebnis? Muss weiter. Ist ja Gegenwart. Bettina Cosack

Easytestcenter im SEZ-Berlin, Landsberger Allee 77, Mo-Fr 7-20 Uhr, Sa 9-14 Uhr, So 9-14 Uhr. Infos unter easytest.berlin