Berlin - Mit der Bahn ins Grüne: eine gute Idee! Doch auch am vergangenen Wochenende wurden Fahrgäste in Berlin und Brandenburg erneut mit Zugausfällen konfrontiert – weil nicht genug Lokführer verfügbar waren. Das bedeutet nicht nur, dass Reisende länger unterwegs waren. Die Fahrten waren auch unbequemer, weil die verbleibenden Züge voller als sonst waren.

Erneut war der Verstärkerzug Berlin–Prenzlau betroffen, der den kurz darauf folgenden Regionalexpress nach Stralsund entlasten soll. Der Ausflugszug in Richtung Fläming (Berlin–Borkheide) fuhr ebenfalls an beiden Wochenendtagen nicht.

Fast schon zur Regel ist es geworden, dass auf der Regionalbahnlinie RB55 zwischen Hennigsdorf, Velten und Kremmen am Wochenende alle Züge ausfallen. So war es auch am 22. und 23. Juni – sowie am Freitag. „Offenbar fehlt es auch an Busfahrern, denn die Busse des Schienenersatzverkehrs fuhren am Sonntag nur alle zwei Stunden“, sagte der Berliner Stefan Kohte, der Ausfälle dieser Art protokolliert.

Wenn der IRE nicht fährt, sind die Folgen besonders gravierend

Damit nicht genug: Im Osten Brandenburgs, auf der Linie RB11 zwischen Frankfurt (Oder) und Cottbus, wurde der Fahrplan am Sonntag stark ausgedünnt.

Erneut traf es auch den Interregio-Express (IRE) zwischen Berlin, Salzwedel und Hamburg. Zwar wurden nicht wie schon mehrmals in diesem Jahr alle Fahrten gestrichen, doch zumindest eine Hin- und Rückfahrt am Sonnabend wurde storniert. Bei diesem Zug sind die Folgen für die Fahrgäste besonders gravierend, wie der Bahnexperte Kai-Uwe Thiessenhusen berichtete.

Für den IRE gibt die Deutsche Bahn spezielle Fahrkarten aus, die in keiner anderen Zuggattung gelten – nicht einmal in anderen Regionalzügen. „Reisende, die damit unterwegs sind, brauchen selbst im Regionalexpress ein neues Ticket. Ich traf in der Altmark auf erboste Reisende, die ihr IRE-Ticket lange zuvor gebucht hatten, dann Stunden länger unterwegs waren und obendrein draufzahlen mussten. Das einzige, was Reisende machen können, ist, ihr IRE-Ticket beim Service-Center-Fahrgastrechte einzureichen“, so Thiessenhusen.  Berichten zufolge lohnt sich das auch für Alternativtickets.

Ursachen für die Ausfälle sind kurzfristig auftretende Personalengpässe, insbesondere an den Wochentagen Freitag bis Sonntag, sagte Elke Krokowski, Sprecherin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). "Aufgrund der neuen Tarifverträge gestaltet sich die Disposition bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen zunehmend schwieriger, und es wird nominal mehr Personal als früher benötigt. In Verbindung mit einer erhöhten Fluktuation (wie sie auch in anderen Branchen zunehmend der Fall ist) ergibt sich eine insgesamt angespannte Situation. Es wurden Schulungsprogramme hochgefahren, die ab Herbst eine erhebliche Entlastung bewirken sollen." 

Großer Bedarf nach klimafreundlicher Mobilität

Der VBB stünde mit den Verkehrsunternehmen in ständigem Kontakt. "Nach wie vor gilt, dass nicht erbrachte Leistungen zu empfindlichen Mittelkürzungen führen, so dass die Eisenbahnverkehrsunternehmen einen hohen Anreiz zur Durchführung der Verkehre haben", so die Sprecherin.

Der Berliner Mobilitätsforscher Andreas Knie forderte, das Angebot an Zügen für den Freizeitverkehr endlich zu erweitern. „Natürlich ist es betriebswirtschaftlich ein Problem, solche extremen Nachfragespitzen zu bedienen", sagte er. "Trotzdem finde ich, dass sich die Verantwortlichen in der Politik, der Verwaltung und beim Verkehrsverbund Gedanken machen müssen, wie die Situation entspannt werden könnte. Schließlich  zeigt sich hier, dass ein großer Bedarf nach einer klimafreundlichen Form der Freizeitmobilität vorhanden ist, und dieser Bedarf muss zumindest ansatzweise besser bedient werden.“