Zwei lebensgefährlich verletzte Jugendliche, eine aufgebrachte Menschenmenge und eine verwüstete Shisha-Bar – das ist die Bilanz einer Reihe von Ereignissen, die am Wochenende in der Skalitzer Straße in Kreuzberg passiert sind.

Es begann in der Nacht von Freitag auf Sonnabend, als zwei Jugendliche (16, 17) gegen 1.50 Uhr mit den Betreibern einer Shisha-Bar in der Skalitzer Straße in Streit geraten sind. Laut Polizei sollen der Lokalbetreiber (25) und sein Angestellter (23) die zwei Jugendlichen niedergestochen und lebensgefährlich verletzt haben. Sie mussten operiert werden. Die Polizei nahm die türkischstämmigen Männer aus dem Lokal am Tatort fest. Sie wurden am Sonntag einem Haftrichter vorgeführt. Dieser entließ die beiden jedoch am Abend ohne Auflagen, wie die Polizei mitteilte. Die Opfer, sie sollen aus Ghana stammen, sind der Polizei wegen mehrerer Delikte bekannt, auch wegen Drogenhandels.

Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar. Der Kreuzberger Innenpolitiker der Grünen, Benedikt Lux, sagte: „Vieles spricht dafür, dass die Ereignisse Begleiterscheinungen des offenen Drogenhandels im Görlitzer Park sind.“
Die Attacke hatte sich schnell im Kiez herumgesprochen. Als Rettungskräfte zum Tatort kamen, habe sie dort bereits eine „aufgebrachte Menge“ von etwa 15 Personen erwartet, heißt es bei der Polizei. Offenbar waren es Bekannte der Opfer. Die Polizei forderte Unterstützung an, weil die Menge „aufgebracht und aggressiv“ aufgetreten sei.

Fünf bis zehn Männer warfen Scheiben der Shisha-Bar ein

Gegen 9 Uhr kam es zum ersten Racheakt. Fünf bis zehn Männer warfen Scheiben der Shisha-Bar ein, verwüsteten die Einrichtung und schmissen Teile davon auf die Straße. Die Polizei nahm wenig später zwei Männer, 17 und 22, fest.

Und es ging weiter: Fünf Stunden später, gegen 13.45 Uhr, folgte die nächste Attacke. Diesmal verbrannten die Täter vor dem Lokal Polstermöbel. Die Polizei löschte das Feuer und nahm sieben Personen im Alter von 16 bis 22 Jahren als Tatverdächtige fest. Gegen sie wird nun wegen Landfriedensbruchs und versuchter schwerer Brandstiftung ermittelt. Innensenator Frank Henkel (CDU) kündigte nach den Vorkommnissen am Wochenende ein hartes Durchgreifen an.

Am Sonntag sagte er der Berliner Zeitung: „Die Polizei wird den Görlitzer Park nicht den Dealern überlassen. Wir werden nirgendwo in der Stadt rechtsfreie Räume dulden.“ Ihm sei wichtig, dass der Rechtsstaat ständig präsent sei und Druck aufbaue. Der Vorsitzende im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses, Peter Trapp (CDU), will die Vorkommnisse in der nächsten Sitzung des Gremiums besprechen. „Selbstjustiz ist nicht hinnehmbar“, sagte Trapp dieser Zeitung. „Die Geschäftsleute am Görlitzer Park haben die Schnauze voll, dass ihnen die Dealer die Kunden vertreiben.“

Erst vergangene Woche musste Polizeipräsident Klaus Kandt im Innenausschuss feststellen, im Kampf gegen den Drogenhandel im Görlitzer Park nicht recht voranzukommen. Die Polizei habe zwar seit Mai 383 Ermittlungsverfahren eingeleitet und 107 Verdächtige ermittelt, aber nur neun Haftbefehle erlassen. Die Verdächtigen seien meist Jugendliche, die nicht in Untersuchungshaft kämen. Ihre gemeinsame Ermittlungsgruppe „Görli“ hat die Polizei soeben aufgelöst. Sie brauche mehr Ermittler.