Wochenendtipps: Das Spielzeugmuseum Havelland weckt Kindheitserinnerungen

Sie waren überall, damals. Gefühlt Hunderte, und sie schienen sich von selbst zu vermehren. Sie bildeten lange Staus in der Küche, im Kinderzimmer breiteten sich riesige Parkplätze aus.

Im Bad zierten sie Wannenrand und Waschbecken, und nachdem das erste im Schleudergang rappelte, gewöhnte ich mir an, die Hosen- und Jackentaschen nach Autos zu durchsuchen, bevor ich sie in die Waschmaschine steckte.

Hätte ich bloß auch in die Schuhe geguckt. Schmerzhafte Zusammenstöße mit Porsche, Traktor und Mini-Audi wären mir erspart geblieben. Ein Spielzeugauto tut zwar nicht so weh wie ein Legostein, wenn man drauftritt. Dafür schliddert man auf zweiterem nicht armrudernd über den Flur.

Flitzer aus zwei Jahrhunderten kann man im Havelland bewundern

Als das große Kind noch klein war, liebte es Autos. Und auch heute, in Zeiten der elektronischen Spielwelten, bringt alles, was Räder hat, immer noch viele Kinderaugen zum Flackern. Kann man Quengelszenen und sehnsüchtige Augen, Verhandlungs- und Bestechungsmanöver in Kaufhäusern beobachten. Und auch heute steht ein Bagger im Bad, obwohl das kleine Kind auch schon recht groß ist und die Familiendiplomatie um Bildschirmzeiten kreist.

Die Möglichkeit, Zeiten zu bestaunen, in denen der Nachwuchs noch nicht wischte und tippte, bietet das Spielzeugmuseum im Havelland, das mit einer Sonderausstellung in die Saison startet. Flitzer aus zwei Jahrhunderten sind in der alten Dorfschule zu sehen und sorgen neben Puppen, Tieren und Märklin-Eisenbahn für nostalgisches Entzücken.

Der Ort ist perfekt – nicht nur, weil ein Juniausflug ins Umland kaum einen reizenderes Ziel haben könnte als das alte Gutshausensemble, zu dem ein Schloss, eine Orangerie und ein traumschöner Garten gehören. Brandenburg war lange eine Spielzeugstadt. Viel Kinderglückseligkeit der letzten 150 Jahre nahm hier ihren Anfang.

„Glibbern bis der Arzt kommt“

Bestechend aber ist dieser Sonnabend für eine Reise in die Vergangenheit, weil er die Chance bietet, noch am selben Tag zurück in die Gegenwart und sogar die Zukunft zu sausen. Nach dem Ausflug ins Havelland geht die Fahrt nämlich weiter, in Berlin und Potsdam ist Lange Nacht der Wissenschaft. Und was macht mindestens so glücklich wie Autos, Eisenbahnen und Gummitiere, über alle Zeiten, Altersgrenzen und Moden hinweg? Genau, Glibber.

„Glibbern bis der Arzt kommt“ lautet der Titel einer der ca. 250 für Kinder geeigneten Veranstaltungen an 70 Orten. Kinder und Erwachsene können in der Lise-Meitner-Schule Glibber selbst herstellen und mit nach Hause nehmen.

Es gibt ein Star Trek-Quiz

An der Hochschule für Technik und Wissenschaft dürfen sich die Besucher als Chirurgen versuchen und mit Hilfe eine Mikrokamera einen Teddybären im Bauch operieren – eine sehr nützliche Kompetenz, denn nach dem Besuch im Spielzeugmuseum ist es ja nicht unwahrscheinlich, dass es demnächst häufiger zu Autounfällen im Kinderzimmer kommt.

Außerdem kann man dort lernen, wie Games-Charaktere entwickelt werden und an einem Star Trek-Quiz teilnehmen. Womit wir aus tiefster Vergangenheit endgültig in der Zukunft angekommen wären.