Tagsüber an vielen Stellen ein Idyll. Vor allem dann, wenn man die vielen Dealer nicht sieht, die im Görlitzer Park unterwegs sind.
Foto: imago

BerlinDer Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg ist einer der größten Drogenumschlagsplätze der Stadt. Die grüne Bezirksbürgermeisterin gibt offen zu, dass sie den Park nachts meide, weil ihr der „als Frau zu gefährlich“ sei. Dass der im Verantwortungsbereich von Monika Herrmann einer der gefährlichsten Orte in Berlin ist, zeigen folgende Zahlen der Polizei, die der Berliner Zeitung vorliegen.

Demnach führte die Polizei dort von Januar bis einschließlich 9. September 2019 insgesamt 264 Einsätze durch und überprüfte dabei rund 2100 Personen. Dabei wurden 107 Tatverdächtige in Zusammenhang mit Drogenhandel angezeigt, die meisten davon aus den afrikanischen Staaten Guinea (52), Guinea-Bissau (16) sowie aus Gambia (13). Zudem wurde gegen 215 Personen wegen „Erwerb und Besitz“ von Betäubungsmitteln Anzeige erstattet.

Auch hier handelt es sich oft um Tatverdächtige aus Guinea (52), Guinea-Bissau (23) und Gambia (23). Die Polizei geht nach Worten eines Ermittlers auch in diesen Fällen davon aus, dass es sich um Dealer handelt, auch wenn sie nur mit Kleinmengen (unter 15 Gramm) Marihuana oder Haschisch erwischt wurden. Wer solche Mengen bei sich führt, fließt als Konsument und nicht als Dealer in die Statistik ein. Auffällig ist trotzdem, dass es vor allem Männer aus Guinea, Guinea-Bissao und Gambia sind, die immer wieder von der Polizei erwischt werden.

Der Görlitzer Park hat einen Parkrat und ein Gesundheitsmobil

Tatsächlich, so weiß man bei der Polizei, haben sich vier afrikanische Ethnien den Görlitzer Park aufgeteilt: Mali, Guinea, Senegal, Gambia. Und immer wieder kommt es zu blutigen Revierkämpfen zwischen den vier Dealergruppen. Allein von Januar bis Anfang Mai 2019 kam es in dem zu 27 Fällen von schwerer und gefährlicher Körperverletzung, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Steigerung von 50 Prozent. Der FDP-Politiker Marcel Luthe sagte der Berliner Zeitung: „Die Zahlen zeigen, dass der Kreis der Gewohnheitsstraftäter im Görlitzer Park erstens sehr groß und zweitens ethnisch klar abgeschottet ist“.

Die aktuellen Zahlen der Polizei zeigen auch, wie viele Dealer mittlerweile im und am Görlitzer Park unterwegs sind. Offenbar sind die Dimensionen der für den Görlitzer Park verantwortlichen Bürgermeisterin Monika Herrmann durchaus bewusst. So sagte sie dieser Zeitung, eine Absperrung des Görlis würde nichts bringen: „Wenn die 200 Männer dort nicht mehr dealen können, gehen sie einfach nach nebenan.“ Bei diesen Männern, so die Bezirksbürgermeisterin weiter, gehe es „nicht um ein paar Jugendliche, denen man einen Sozialarbeiter schicken kann“. Hier seien „ganz klar Polizei und Justiz gefragt“. Für Sicherheit sei laut Berliner Verfassung das Land zuständig. Herrmann weiter: „Was wir als Bezirk zur Verbesserung der Situation im Görli tun können, haben wir getan. Es gab etwa polizeiliche Beratungen zur Parkgestaltung. Es gibt ein Park-Management, einen Parkrat, ein Gesundheitsmobil.“

Das Fußball-Turnier im Görlitzer Park wurde als „Dealer-Turnier“ bezeichnet

Dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ein Problem mit der Polizei habe, sei zudem „nur ein Gerücht“, so Herrmann. Man habe „schon zu Zeiten des CDU-Innensenators Frank Henkel engen Kontakt zu Innenverwaltung und Polizei“. Aber erst seit Andreas Geisel (SPD) im Amt sei, gebe es „endlich Verbesserungen wie etwa die mobile Wache am Kotti.

Beim Fußball-Turnier am Sonnabend im Görlitzer Park, das auch als „Dealer-Turnier“ bezeichnet wurde, traten die Mannschaften übrigens bunt gemixt an. Teilen der anwesenden Presse wurde aber klargemacht: Ihr seid hier unerwünscht!