Reisewarnungen, verunsicherte Urlauber und Regelwirrwarr. Urlaub in Corona-Zeiten erfordert einiges an Planung.
Foto:  dpa

BerlinNoch einmal Sonne tanken auf Mallorca? Ein Kurztrip in die Berge, das Wetter im Frühherbst ist so schön stabil? Oder doch lieber im eigenen Land bleiben, weil anderswo neue Lockdowns und Quarantäne drohen? Es sind noch drei Wochen bis zum Beginn der Herbstferien in Berlin, wohin kann man reisen? Ein Überblick über die beliebtesten Regionen.

Überschreitet ein Land oder eine Region die Neuinfiziertenzahl im Verhältnis zur Bevölkerung von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten sieben Tagen, können Reisewarnungen ausgesprochen werden. Aktuell gilt dies für Regionen in Frankreich, Spanien, Belgien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Tschechien und der Schweiz. Auf der Seite reopen.europa.eu lässt sich einfach nachverfolgen, welche Regelungen aktuelle für das eigenen Reiseziel gelten.

Wer ins Ausland will, sollte außerdem vor der Abreise einen Blick auf eine Online-Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI) werfen. Dort wird immer wieder aktualisiert, welche Länder für deutsche Urlauber als Risikogebiete gelten – mit entsprechender Quarantänepflicht bei Rückkehr. „Ein Land wird nicht mehr als Risikogebiet eingestuft, wenn ein stabiler epidemiologischer Trend mit Unterschreiten der Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner pro Woche vorliegt“, erläutert das Gesundheitsministerium. Neben der bloßen Zahl fließen weitere Faktoren ein, die gemeinsam mit Innen- und Außenministerium bewertet werden: etwa Art und Ausmaß von Ausbrüchen und Krisenmaßnahmen zur Corona-Eindämmung wie Tests.

NACHFRAGE: Spanien ist trotz Corona als Reiseziel gefragt. „Es gibt noch viele Buchungen“, heißt es beim weltgrößten Reisekonzern Tui in Hannover. Die Kanaren sollten zudem bald wieder geöffnet werden. Auch Griechenland mit den Schwerpunkten Kreta, Korfu und Rhodos sei aktuell beliebt. Außerdem hoffen die Touristiker, dass viele Kunden auch noch Last-Minute-Urlaube buchen. Den größten Zuwachs verbucht Tui im Herbst allerdings für Reisen innerhalb Deutschlands. „Viele Menschen haben Wander- oder Sporturlaub in der Heimat gebucht – oder den Sommer übersprungen und sind gleich in den Herbst gegangen.“

SPANIEN: Nach wie vor zählt Spanien zum Risikogebiet. Doch auf der bei vielen Deutschen besonders beliebten Urlaubsinsel Mallorca hoffen Hoteliers, Reiseveranstalter und Gastwirte auf die baldige Rückkehr der Touristen. Obwohl es derzeit kaum Urlauber auf „Malle“ gibt, waren nach Angaben der Branche zuletzt 230 Hotels weiter in Betrieb. Immerhin rund 28 Prozent des Gesamtbestands. Am Wochenende musste die Insel jedoch einen herben Rückschlag hinnehmen: Infektionszahlen, die auf Mallorca zunächst Hoffnungen auf eine Rückkehr der Touristen aus Deutschland weckten, erwiesen sich als falsch. Schuld war eine Informatik-Panne, wegen der seit Tagen für die Balearen sehr niedrige Infektionszahlen gemeldet worden waren. Auf Mallorca ist insbesondere Palma de Mallorca betroffen.

Regionale Infektionsherde gibt es aber landesweit, insbesondere in den Autonomen Gemeinschaften Aragón, Kantabrien, Kastilien und Léon, La Rioja, Navarra, im Baskenland, in Melilla, in der Hauptstadtregion Madrid sowie auf den kanarischen Inseln mit Schwerpunkten auf Gran Canaria und Lanzarote. Landesweit beträgt die Inzidenz mehr als 50 Fälle pro 100.000 Einwohner auf sieben Tage, weshalb Spanien zum Risikogebiet eingestuft wurde. Wer aus Spanien zurückkehrt muss einen PCR-Test machen lassen oder in Quarantäne gehen.

Die spanische Außenministerin Arancha González Laya gab bekannt, man habe mit Großbritannien, Deutschland und skandinavischen Ländern Verhandlungen über die Errichtung von sogenannten Sicherheitskorridoren zu den Inseln im Mittelmeer und im Atlantik aufgenommen. Sie sei optimistisch, dass die Gespräche „Früchte tragen werden“. „Nicht allzu bald zwar, nicht diese Woche schon, weil die Gespräche erst aufgenommen wurden.“ Man werde „aber unweigerlich Formen finden müssen, um mit der Pandemie zusammenzuleben“.

ITALIEN: Nach sehr geringen Infektionszahlen im Juni und Juli ist die Zahl der Corona-Fälle in Italien zuletzt wieder gestiegen. Am 4. September wurden 1733 neue Fälle gemeldet und damit so viele wie seit Anfang Mai nicht mehr. Zwar verzeichnet Italien längst nicht so viele Neuinfizierte wie beispielsweise Spanien oder Frankreich, nach Angaben des Gesundheitsministeriums steigen die Zahlen aber seit sechs Wochen im Durchschnitt konstant an. In Italien gelten weiter Regeln wie eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und nachts auch auf Plätzen. Einreisebeschränkungen gibt es für die meisten EU-Länder dagegen nicht. Seit Montag gilt für die beliebte Ferieninsel Sardinien die Pflicht, bei der Einreise einen negativen Corona-Test vorzuweisen oder sich nach Ankunft testen zu lassen.

GRIECHENLAND und ZYPERN: Im Gegensatz zu anderen Destinationen verzeichnen Griechenland und Zypern weiter niedrige Corona-Zahlen. Die Einreise aus Deutschland ist erlaubt, allerdings müssen Reisende sich mindestens 48 Stunden vor Reisebeginn auf Internetseiten anmelden und angeben, von wo sie kommen. Außerdem werden Einreisende an Flughäfen und Häfen stichprobenartig Corona-Tests unterzogen. Maskenpflicht herrscht in beiden Ländern in geschlossenen Räumen – etwa Banken oder Supermärkten. In stärker frequentierten Regionen können die Regeln jedoch auch verschärft werden: So gilt in Athen und Thessaloniki oder auf Kreta Maskenpflicht sogar im Freien, Bars und Restaurants müssen dort um Mitternacht schließen.

SCHWEIZ: Angesichts steigender Fallzahlen hat die Schweiz ihre Einreisebestimmungen neu justiert. Nun müssen Einreisende aus weltweit 50 Ländern und Regionen in eine zehntägige Quarantäne. Dazu gehört seit Montag auch das österreichische Bundesland Wien. Mit einem negativen PCR-Test kann die Quarantänepflicht nicht aufgehoben werden. Wer aus Deutschland kommt, ist von den Einschränkungen bisher nicht betroffen. Sollten die Fallzahlen weiter steigen, können darüber hinaus Menschen aus den Regionen entlang der Schweizer Grenze ausnahmsweise von der Quarantänepflicht ausgenommen werden. In der Schweiz selbst klettert die Zahl der Corona-Infektionen seit ein paar Wochen wieder. Immer mehr Städte führen eine Maskenpflicht ein.

ÖSTERREICH: In der Alpenrepublik sind die Zahlen der Neuinfektionen jüngst dramatisch gestiegen. Das RKI hat eine Reisewarnung für Wien ausgesprochen. Seit Montag gilt landesweit in Geschäften wieder eine Maskenpflicht. Auch für Veranstaltungen außen und innen wurden die Bedingungen deutlich verschärft. Die Regeln für die Ein- und Durchreise aus Deutschland sind von den neuen Maßnahmen nicht betroffen. Sie ist problemlos möglich. Wer in den zehn Tagen davor in einer in Österreich als Corona-Risikogebiet geltenden Region war, muss für die Einreise mit Aufenthalt einen negativen PCR-Test nachweisen oder in Quarantäne. An den Grenzen zu Ungarn, Slowenien und Italien wird stichprobenartig kontrolliert.

FRANKREICH: Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Regionen Île-de-France, Provence-Alpes-Côte-d’Azur, Auvergne-Rhône-Alpes, Occitanie, Nouvelle-Aquitaine sowie Korsika wird aufgrund hoher Infektionszahlen derzeit gewarnt. Parks, öffentliche Grünanlagen, Strände, Sporthäfen sind landesweit grundsätzlich wieder zugänglich. Je nach örtlichen Gegebenheiten können lokal zusätzliche Beschränkungen oder Schließungen angeordnet werden. Dies ist angesichts derzeit hoher Verbreitungszahlen für Marseille (Bouches-du-Rhône) und Bordeaux (Gironde) der Fall. Frankreich kontrolliert seine EU-Binnengrenzen bis Ende Oktober 2020 weiter.

NORWEGEN: Wer aus dem Ausland nach Norwegen kommt, muss sich für zehn Tage in Quarantäne begeben, mit Ausnahme von Ländern, in denen die Infektionszahlen niedrig sind. Reisende aus Deutschland müssen derzeit in Quarantäne gehen.

DÄNEMARK: Nach Dänemark ist die Einreise derzeit uneingeschränkt gestattet.

SCHWEDEN: Schweden war von Covid-19 stark betroffen. Die Neuinfektionen sind jedoch seit Anfang Juli konstant niedrig bei hohem Testniveau. Regionale Schwerpunkte liegen derzeit im Südwesten Schwedens in den Regionen Halland, Västra Götaland und Skåne, wobei auch dort das Infektionsgeschehen deutlich unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen liegt. Freie Fahrt.

POLEN: Polen ist nach den veröffentlichten Zahlen von Covid-19 weniger stark betroffen. Infektionsschwerpunkte sind derzeit nur noch in einzelnen Kreisen zu verzeichnen, insbesondere in der Wojewodschaft Kleinpolen. Die Einreise ist ohne Einschränkungen möglich.

LETTLAND: Für Deutsche gilt seit dem 22. August gilt eine 14-tägige Quarantänepflicht, die in der Unterkunft durchgeführt werden kann.

ESTLAND: Für Einreisende aus Deutschland besteht seit 31. August eine 14-tägige Quarantänepflicht in Selbstisolation. Aktuell können zwei negative Tests die Quarantäne beenden.

UNGARN: Es besteht eine Reisewarnung für die Hauptstadt Budapest.

HOLLAND: Es besteht eine Reisewarnung für Amsterdam.

KREUZFAHRTEN: Von der Teilnahme an Kreuzfahrten wird aufgrund der besonderen Risiken dringend abgeraten. Hiervon ausgenommen sind Flusskreuzfahrten innerhalb der EU bzw. des Schengen-Raums mit spezifischen Hygienekonzepten. Ebenfalls hiervon ausgenommen sind Kreuzfahrten auf Schiffen mit spezifischen Hygienekonzepten, deren Reise in einem Hafen in Deutschland beginnt und ohne ein Anlegen in einem ausländischen Hafen wieder in einem Hafen in Deutschland endet.