Berlin - Immobilien in Berlin sind immer stärker gefragt. Im vergangenen Jahr sind in der deutschen Hauptstadt erneut mehr Häuser, Wohnungen und Grundstücke als im Jahr zuvor verkauft worden. Das geht aus dem Grundstücksmarktbericht 2012/13 hervor, den der unabhängige Gutachterausschuss für Grundstückswerte erstellt hat.

Nach dem Bericht, der der Berliner Zeitung vorliegt, wechselten im Jahr 2012 Immobilien im Wert von 12,75 Milliarden Euro den Besitzer. Das bedeutet ein Umsatzplus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Begehrt bei Käufern waren Eigentumswohnungen sowie Büro- und Geschäftshäuser. Die Verkäufe reiner Mietshäuser und unbebauter Grundstücke gingen dagegen zurück.

Der Grundstücksmarktbericht basiert auf den tatsächlichen Verkaufsabschlüssen im vergangenen Jahr und ist damit die wichtigste Übersicht über die Preisentwicklung. Nach den Jahren 2006 und 2007, als in Berlin Verkäufe im Wert von jeweils mehr als 14 Milliarden Euro notariell vereinbart wurden, ist im vergangenen Jahr das drittstärkste Ergebnis seit der Wiedervereinigung erzielt worden. „Man ist in einem weiter steigenden Markt“, sagte der Miet-sachverständige Manfred Stelter. Die Gefahr einer Immobilienblase bestehe aus seiner Sicht nicht, weil spekulative Finanzierungen hier nicht wie andernorts um sich gegriffen hätten, so Stelter. Doch sollten Käufer darauf achten, dass sie ihre Kredite auch dann noch bedienen können, wenn die Zinsen wieder steigen.

Zu den Top-Immobilien, die im vergangenen Jahr verkauft wurden, gehören das KaDeWe, das für rund 500 Millionen Euro einen neuen Besitzer fand, und das Karstadthaus am Kudamm, das für zirka 120 Millionen Euro veräußert wurde. Eines der spektakulärsten Geschäfte in der City-Ost war der Verkauf des Quartiers 207 an der Friedrichstraße, in der die Galeries Lafayette Mieter ist. Das Gebäude wurde für rund 125 Millionen Euro von der Allianz erworben.

Neben Versicherungen und Pensionsfonds aus Deutschland greifen auch ausländische Käufer gerne nach Immobilien in Berlin. Ein norwegischer Staatsfonds investierte ins Neue Kranzler Eck, ein Privatinvestor aus Katar erwarb das Hotel Maritim in Tiergarten. Die Zeit, als Investoren immer mehr Wohnungen in Paketen kauften, scheint aber vorbei zu sein. Die Zahl der Paketverkäufe verringerte sich dem Bericht zufolge um 23 Prozent. Zugenommen hat dafür die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Waren im Jahr 2011 noch 4 744 Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt worden, wurden 2012 bereits 7264 Umwandlungen registriert. Das ist ein Plus von 53 Prozent.

Der Berliner Mieterverein (BMV) beobachtet die Entwicklung mit Skepsis. „Die Geschäfte mit dem Wohnraum laufen offenbar weiterhin prächtig“, sagte BMV-Chef Reiner Wild. „Hohe Umsätze bedeuten weiteren Druck auf die Mieter.“ Der Anstieg der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen zeige, dass der für sechs Bezirke erweiterte Kündigungsschutz keine abschreckende Wirkung habe.

Für die Sozialen Erhaltungsgebiete müsse es deswegen „einen Genehmigungsvorbehalt für die Umwandlung in Eigentumswohnungen“ geben. Dirk Wohltorf, Vorsitzender des Immobilienverbandes Deutschland in Berlin-Brandenburg, setzt andere Akzente. Er fordert, den Neubau von Wohnungen zu unterstützen. „Das ist das einzige Mittel gegen den Preisdruck.“ Das Land Berlin verdient unterdessen an den Transaktionen gut mit. 2012 brachte die Grunderwerbssteuer 578 Millionen Euro in die Kasse.