Robert Gmeiner ist Geschäftsführer von Medici-Living. Das 2012 gegründete Berlin Start-up-Unternehmen vermietet Zimmer in 104 Wohngemeinschaften in Berlin, Hamburg und München. Im Idealfall kann man einen WG-Platz buchen und noch am selben Tag einziehen. Kündigungsfrist: ein Monat.

Wir treffen uns in einer Zweier-WG in der Berliner Bernhard-Weiß-Straße in einem Apartmenthaus nahe beim Alexanderplatz. Das meiste, was der junge Mieter des Zimmers braucht, ist in seinem Rechner. Aufs Sitzen verzichten wir lieber. Es ist zu wenig Platz.

Herr Gmeiner, wer zählt vor allem zu Ihrer Klientel?

Studenten, Berufsanfänger, Leute, die aus dem Ausland kommen und hier einen Job auf Zeit angenommen haben. Für diese mobilen Menschen ist es extrem schwer, eine Wohnung zu finden in einem Markt, wo die meisten Vermieter auf Sicherheiten pochen. Stadtpolitisch ist der Zuzug kreativer junger Menschen erwünscht, in der Wohnungswirtschaft sind sie aber nicht sehr willkommen. Unser Angebot will diese Lücke schließen.

Ihre Mieter müssen sich die Küche und das Bad teilen. Wie stellen Sie sicher, dass die WG-Bewohner zusammenpassen?

Das wichtigste Kriterium ist das Alter. Wir vermeiden, dass ein junger Neuberliner, der erst mal die Nächte durchfeiern will, mit jemandem zusammenzieht, der früh aufstehen muss und hart arbeitet. Ansonsten mischen wir uns wenig ein.

Gibt es in den WGs nicht ständig Krach?

Nein. Wer neu nach Berlin kommt, ist erst mal prinzipiell offen und will neue Leute kennenlernen. Im besten Fall bucht sich jemand in eine WG ein und bekommt sofort Kontakt zu einem Netzwerk von Freunden. Wir ersparen den Menschen aber die demütigenden Bewerbungsprozeduren beim üblichen Wohngemeinschaftscasting.

Auf Ihrer Website sieht man bei den Angeboten die jeweiligen Zimmer, vielleicht noch die Hausfassade. Warum sieht man nicht die potenziellen Mitbewohner?

Wir sind laufend dabei, die Seite zu verbessern. Derzeit arbeiten wir an Bewohnerprofilen, die nach und nach auf unserer Website freigeschaltet werden sollen. So wollen wir es unseren Interessenten ermöglichen, sich vorab ein ungefähres Bild von den Mitbewohnern zu machen. Durch die Integration sozialer Medien soll es zudem möglich sein, vorab Kontakt zu den Mitbewohnern aufzunehmen. Es gibt natürlich Daten- und personenschutzrechtliche Grenzen.

Manche Zimmer bei Ihnen haben nur zehn Quadratmeter. Gerade mal Platz für Stuhl, Tisch und Bett

Wir haben auch Zimmer mit 23 Quadratmetern. Wir versuchen, ab 12 aufwärts zu vermieten. Allerdings bieten wir unseren Kunden auch Zimmer mit acht Quadratmetern an, allerdings macht dies nur einen kleinerenTeil unseres Bestandes aus. Es gibt aber erstaunlich viele Menschen, die wollen nicht mehr als ein Bett, eine Kleiderstange, Tisch und Stuhl.

Und das kostet dann 380 Euro?

Das ist etwas zu kurz gedacht. Die 380 Euro kann man natürlich nicht so einfach durch acht Quadratmeter teilen. Unsere Kunden mieten ja auch anteilig die Gemeinschaftsräume, dazu Waschmaschine, Bügeleisen, Geschirr, Besteck, Kochtöpfe, Staubsauger, Bettwäsche. Sämtliche Nebenkosten, also Strom, Heizung und Internet, sind als Flatratepreis enthalten. Unsere Mieter können mit zwei kleinen Koffern einziehen und loswohnen. Das Internet ist denen aber das wichtigste. Wenn die Heizung mal ausfallen sollte, kein Problem; aber ein gestörter Internetzugang ist für unsere Klientel eine Katastrophe.

Das Gespräch führte Harald Jähner.