Berlin - Die Mieter in den 108.000 Berliner Wohnungen der Wohnungsunternehmen GSW und Deutsche Wohnen müssen sich nach einem geglückten Zusammenschluss beider Unternehmen auf weiter steigende Mieten einstellen. Das geht aus dem Angebot der Deutschen Wohnen an die Aktionäre der GSW hervor, mit dem die Deutsche Wohnen zurzeit für eine Übernahme der GSW per Aktientausch wirbt.

In dem mehr als 500 Seiten starken Angebot, das der Berliner Zeitung vorliegt, heißt es unter anderem, dass es in Berlin angesichts der wachsenden Bevölkerung, der relativ geringen Neubautätigkeit und dem Anstieg der Beschäftigtenzahlen „ein signifikantes Potenzial für weiteres Mietwachstum“ gebe. Die Deutsche Wohnen schreibt, sie lege den Fokus ihrer Geschäftstätigkeit darauf, „die Vertragsmiete zu erhöhen und gleichzeitig die Leerstandsquote zu minimieren“.

Dies wolle sie „durch Mietsteigerungen aufgrund des Mietspiegels, durch Realisierung der Mietpotenziale im Rahmen der Neuvermietung (Fluktuation), gezielte auf den Mieter umlegbare Modernisierungsmaßnahmen und durch Leerstandsabbau erreichen“. Im Klartext: Überall dort, wo sich Möglichkeiten für Mietanhebungen bieten, will die Deutsche Wohnen die Preise erhöhen.

Wie hoch die Mieten in den nächsten Jahren steigen können, führt die Deutsche Wohnen den Aktionären der GSW vor Augen, indem sie auf das Mietpotenzial verweist. Das ist die Differenz zwischen der Miete, die zurzeit beim Abschluss neuer Mietverträge erzielt wird, und der gezahlten Miete bestehender Verträge. Für den Großraum Berlin hat die Deutsche Wohnen ein Mietenpotenzial von 21,7 Prozent ermittelt.

Wie berichtet, will die Deutsche Wohnen die GSW per Aktientausch übernehmen. Durch den Zusammenschluss soll der zweitgrößte börsennotierte Wohnungskonzern in Deutschland mit rund 150.000 Wohnungen im Wert von 8,5 Milliarden Euro entstehen. Rund 108.000 Wohnungen davon liegen in Berlin. Die Deutsche Wohnen bietet jeweils 2,55 Deutsche Wohnen-Aktien für eine GSW-Aktie. Bis Ende Oktober läuft die Frist, in der die GSW-Aktionäre zustimmen können. Mindestens 75 Prozent müssen mitmachen, damit der Deal zustande kommt. Die Zeichen für eine friedliche Übernahme der GSW stehen gut. Der Vorstand der GSW sowie der Aufsichtsrat empfahlen am Montag, dass die GSW-Aktionäre das Angebot der Deutschen Wohnen annehmen.

Job-Verlust nicht ausgeschlossen

Die Bundeshauptstadt gehört nach der Definition der Deutschen Wohnen zu den „strategischen Kern- und Wachstumsregionen“. Nach einem Zusammenschluss mit der GSW erlaube es die „kritische Masse an Wohneinheiten“, insbesondere in Berlin, „wertschaffende Portfoliobereinigungen sowie opportunistische Privatisierungen vorzunehmen, um von dem derzeit attraktiven Marktumfeld verstärkt zu profitieren“. Im Klartext: Wo sich die Gelegenheit bietet, wird das neue Unternehmen Wohnungen gewinnbringend verkaufen.

Durch den Zusammenschluss mit der GSW will die Deutsche Wohnen nach zwei Jahren Einsparungen in Höhe von 25 Millionen Euro jährlich durch Synergien erzielen. Im Wesentlichen sollen die Einsparungen aus einer Reduzierung der Personal- und Sachkostenquote sowie durch bessere Konditionen im Einkauf erreicht werden, heißt es in dem Angebot an die GSW-Aktionäre. Damit steht die Frage im Raum, ob Personal abgebaut werden soll.

In einer Grundlagenvereinbarung, die GSW und Deutsche Wohnen am Montag geschlossen haben, gehen die Unternehmen darauf ein: Möglichst viele Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. GSW-Chef Jörg Schwagenscheidt sagte am Dienstag, dass ein Arbeitsplatzabbau natürlich nicht auszuschließen sei. Deswegen hätten sich beide Unternehmen darauf konzentriert, Regeln zu vereinbaren.

Es soll „klar sein, wer über den Job entscheidet“, so Schwagenscheidt. Bevor man aber über einen Stellenabbau nachdenke, sollen „alle anderen Möglichkeiten zur Ergebnisoptimierung ausgelotet werden“. Sollte es zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen, soll dieser abgefedert werden. Um über eine Abfindungsregelung zu reden, sei es zu früh.