Berlin - In einigen Quartieren Berlins explodieren die Mieten. Spitzenreiter ist der Humboldthain in Gesundbrunnen, wo die Angebotsmieten für freie Wohnungen im vergangenen Jahr um 47 Prozent gestiegen sind. Dahinter folgt der Richardplatz in Neukölln mit Mietsteigerungen von 32,4 Prozent und das Quartier um die Silbersteinstraße in Neukölln mit einem Plus von 24,1 Prozent.

Das geht aus dem Wohnmarktreport Berlin 2017 hervor, den der Immobiliendienstleister CBRE und die Bank Berlin Hyp am Mittwoch präsentiert haben. Danach sind die Angebotsmieten für freie Wohnungen in Berlin im Schnitt auf neun Euro je Quadratmeter gestiegen – 5,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Preise für Eigentumswohnungen zogen ebenfalls stark an: Ein Quadratmeter Wohnfläche sollte im Schnitt 3 289 Euro kosten – ein Anstieg um 9,6 Prozent.

Sanierung treibt Preise hoch

In den Report flossen Miet- und Kaufangebote ein, die in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres veröffentlicht wurden. Sie wurden auf Ebene der 190 Postleitzahlgebiete erfasst. Die eher teuren Angebote für möblierte Wohnungen wurden jedoch herausgerechnet.

Der starke Anstieg der Mieten am Humboldthain erklärt sich laut dem Report dadurch, dass viele Altbauten saniert wurden. Ähnlich ist es am Richardplatz in Neukölln, wie Henrik Baumunk von CBRE sagte. Der Humboldthain belegt mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 10,60 Euro je Quadratmeter auf der Mietpreisskala Berlins den 35. Rang, der Richardplatz liegt mit 11,92 Euro je Quadratmeter auf Rang acht.

Die höchsten Durchschnittsmieten in Berlin werden mit 13,80 Euro je Quadratmeter am Hackeschen Markt in Mitte verlangt, die niedrigsten mit 5,75 Euro je Quadratmeter in Ahrensfelde in Marzahn-Hellersdorf. Am stärksten stiegen die durchschnittlichen Angebotsmieten auf Bezirksebene in Neukölln mit 17 Prozent und in Marzahn-Hellersdorf mit 10,2 Prozent. Ein Hinweis darauf, dass sich der Druck auf die bisher noch preiswerten Wohnungen weiter erhöht.

Mehr möblierte Wohnungen

Auffällig: Der Anteil der möblierten Wohnungen nimmt weiter zu. Während im Jahr 2013 noch 23,8 Prozent aller angebotenen Wohnungen möbliert waren, belief sich der Anteil im vergangenen Jahr schon auf 27,4 Prozent. Zwar fallen die möblierten Wohnungen bei unbefristeter Vermietung grundsätzlich unter die Mietpreisbremse, wie der Report vermerkt, doch dürfen die Vermieter dann einen Aufschlag für die Möblierung verlangen. In den ersten drei Quartalen 2016 wurden möblierte Wohnungen laut CBRE für eine mittlere Angebotsmiete von 15,72 Euro pro Quadratmeter offeriert. Hierbei flossen jedoch sowohl Kaltmieten als auch Warmmieten ein, was Vergleiche erschwert.

Der Berliner Mieterverein (BMV) zeigt sich alarmiert. „Die Situation auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich offenbar weiter“, sagte BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. „Von Entlastung oder gar Entspannung keine Spur.“ Im Gegenteil. „Bislang noch preiswertere Quartiere haben die höchsten Steigerungen bei den Angebotsmieten. Eine Wohnung mit fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter nettokalt zu finden, ist zu einem Glücksspiel geworden.“ Wild appellierte an den Senat, „umgehend eine Bundesratsinitiative zur Verbesserung des Mieterschutzes zu starten“.