Große Balkone, Loggien und Erker – sie sollen künftig die Fassade des Steglitzer Kreisels prägen. Die Asbestsanierung des einstigen Bürogebäudes ist abgeschlossen. Am Freitag hat die CG-Gruppe des Unternehmers Christoph Gröner das 118,5 Meter hohe Bauwerk vom Land Berlin übernommen.

„Jetzt kann die Zukunft beginnen“, sagte Gröner. Er will das Bauwerk an der Schlossstraße zu einem Wohnturm umgestalten. Nach Plänen des Architekturbüros Fuchshuber aus Leipzig sollen in dem Haus knapp 330 Wohnungen entstehen – von 32 bis 230 Quadratmetern. Gröner sagte, er erwarte „in Bälde“ die Baugenehmigung.

Bei der Asbestsanierung wurde das Hochhaus bis in den Rohbauzustand zurückversetzt. Nun soll es mit bodentiefen Fenstern wieder aufgebaut werden. Die neuen Wohnungen sollen sich laut CG-Gruppe an alle richten: „Von Studenten über Familien bis hin zum exklusiven Mieter in den Obergeschossen.“

Land Berlin hatte zunächst Bedenken

Die CG-Gruppe hat dem Vernehmen nach etwa 20 Millionen Euro für den Turm des Steglitzer Kreisel gezahlt. Nach Abzug der Kosten für die Asbestsanierung (18,5 Millionen Euro) verbleiben gerade mal etwa 1,5 Millionen Euro in der Landeskasse. Viel ist das nicht für eine Immobilie in dieser Lage. 

Bereits vor zwei Jahren hatte die CG-Gruppe die Sockelbebauung am Kreisel erworben. Dazu gehörten ein Hotel, das Parkhaus und mehrere Geschäfte. Verkäufer war die Firma Becker & Kries. Sie war bis dahin in einer Eigentümergemeinschaft mit dem Land Berlin, dem der Turm gehörte.

Dass der Kreisel nun aus einer Hand neu gestaltet werden kann, gilt als Vorteil. Vorher mussten sich die beiden Eigentümer immer abstimmen. Fast wäre der Verkauf der Sockelbebauung vor zwei Jahren allerdings nicht zustande gekommen. Das Land Berlin hatte zunächst Bedenken, weil es Zweifel an der Finanzierung hatte. Nachdem Becker & Kries vor Gericht zog, gab Berlin seine Vorbehalte aber auf.

56,8 Millionen Euro für den Kreisel

Der Steglitzer Kreisel steht wie kaum ein anderes Bauprojekt für Pannen und Skandale im alten West-Berlin. In den 70er-Jahren geriet der damalige Senat durch den Bau des Hochhauses unter Druck. Die Kosten für das Hochhaus explodierten von umgerechnet etwa 92 Millionen Euro, die bei der Grundsteinlegung im Jahr 1969 veranschlagt worden waren, auf etwa 165 Millionen Euro im Jahr 1973.

Das Bauunternehmen Avalon musste Konkurs anmelden, dem Senat ging eine Bürgschaft von etwa 21,5 Millionen Euro verloren. Der SPD-Finanzsenator Heinz Striek musste zurücktreten. Der Kreisel wurde später versteigert. 1979 zog das Bezirksamt Steglitz in das Bürogebäude ein.

Von 1979 bis zum Ablauf des Mietvertrages Ende 1988 zahlte das Land Berlin 56,8 Millionen Euro für den Kreisel. Dann kaufte Berlin das Hochhaus für 34 Millionen Euro. Spötter flachsten damals, der Kreisel werde nun zum zweiten Mal vom Steuerzahler bezahlt.

Bereits 14 Kaufinteressenten

Viel Freude hatte das Land Berlin nicht mit dem Kreisel. Im Jahr 2007 musste das Bezirksamt wegen der festgestellten Asbestbelastung ausziehen. Pro Jahr fielen danach fast eine Million Euro an Unterhaltskosten an.

Ab dem Jahr 2010 suchte Berlin nach einem Käufer für das Hochhaus. Dafür nutzte der Senat sogar die weltweit größte Immobilienmesse Mipim in Cannes. Die Zahl der potenziellen Käufer blieb jedoch überschaubar. Ende 2010 hieß es zunächst, es gebe zwei Bewerber.

Bei einem späteren Verkaufsverfahren meldeten sich schließlich insgesamt 14 Interessenten aus dem In- und Ausland. Im September 2016 stimmte das Berliner Abgeordnetenhaus dem Verkauf des Turms an die CG-Gruppe zu.