Der „Wohnmarktreport Berlin 2022“ wurde veröffentlicht. Der Bericht, den die Bank Berlin Hyp mit dem Maklerhaus CBRE vorbereitet hat, zeigt, dass der Immobilienmarkt wohl in Berlin weiterhin angespannt bleiben wird. Inflation, Steigerung von Materialkosten, Personalmangel verschärfen die Krise, weil der Bau von neuen Wohnungen nicht so schnell und kostengünstig vorankommen könnte, wie der Berliner Senat geplant hatte. Ulrich Paul, Redakteur der Berliner Zeitung und Spezialist für das Thema Wohnen, sagt, was das für die Berliner heißt.

Sind die Ergebnisse des Wohnmarktreports Berlin 2022 überraschend? Was sind die wichtigsten Erkenntnisse für alle, die auf günstigen Wohnraum hoffen?

Die Aussage, dass es noch nie so schwer war, eine bezahlbare Wohnung zu bekommen, beschreibt ziemlich genau, was die Berliner auf dem Wohnungsmarkt erleben. Trotz des Neubaus von 15.000 bis 19.000 Wohnungen jährlich sind in den vergangenen Jahren zu wenig preiswerte Wohnungen entstanden. Es fehlt an Sozialwohnungen. Sie werden zwar inzwischen vermehrt gebaut, doch bleibt die Zahl noch immer hinter dem Bedarf zurück. Die wichtigste Erkenntnis für diejenigen, die auf günstigen Wohnraum hoffen, ist, dass von 44.850 Wohnungen, die aktuell in der Entwicklung sind, 73 Prozent als Mietwohnungen geplant sind. Der Rest sind Eigentumswohnungen. Je mehr Mietwohnungen entstehen, umso besser ist es für Wohnungssuchende. Wobei mit einem entspannten Markt frühestens ab 2025 oder 2026 zu rechnen ist. Vorausgesetzt, der Wohnungsneubau kommt im bisherigen Umfang voran und der Zuzug in die Stadt erhöht sich nicht weiter.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: Wohnmarktbericht 2022

Mit Blick auf Mieten: Wo ist es in Berlin am günstigsten und wo ist es am teuersten?

Am günstigsten sind Wohnungen mit einer durchschnittlichen Angebotsmiete von 8,22 Euro je Quadratmeter kalt in Spandau. Ebenfalls preiswert ist Marzahn-Hellersdorf mit Angebotsmieten von 8,27 Euro und Lichtenberg mit Angebotsmieten von 8,47 Euro je Quadratmeter. In Lichtenberg sind die Mieten für freie Wohnungen im vergangenen Jahr sogar um 6,2 Prozent gesunken. Am teuersten sind freie Wohnungen laut dem Report mit 13,91 Euro je Quadratmeter in Mitte, gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg mit 13,33 Euro und Charlottenburg-Wilmersdorf mit 13,01 Euro je Quadratmeter.

Wie sieht es mit Eigentumswohnungen aus? Wo ist es in Berlin am günstigsten und wo am teuersten?

Teuer sind Wohnungen in den begehrten Innenstadtbezirken. Mitte steht mit Quadratmeterpreisen von 6216 Euro an der Spitze, dicht gefolgt von Charlottenburg- Wilmersdorf mit 6063 Euro sowie Friedrichshain-Kreuzberg mit 5785 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Wie bei den Mietwohnungen gehören Spandau mit 4122 Euro pro Quadratmeter und Marzahn Hellersdorf mit 3863 Euro zu den günstigsten Bezirken.

Wie will der Senat auf die teuren Mieten reagieren?

Der Senat setzt zum einen auf den Bau von mehr Sozialwohnungen. Jedes Jahr sollen 5000 neue Sozialwohnungen mit Förderung des Landes entstehen. Zum anderen verhandelt er derzeit mit der Wohnungswirtschaft über ein Bündnis für Wohnungsneubau und bezahlbares Wohnen. Zu hoffen ist, dass er in den Gesprächen ein freiwilliges Mietmoratorium aushandelt, um den Preisanstieg zu bremsen. Das ist schon deswegen nötig, weil die Nebenkosten durch die explodierenden Energiepreise stark steigen. Spielräume für Kaltmieterhöhungen sind für Haushalte mit geringem Budget da sowieso nicht drin.

Welchen Tipp würden Sie Menschen geben, die aktuell in der Innenstadt nach einer günstigen 2- oder 3-Zimmer-Wohnung suchen? Kevin Kühnert hat ja gesagt, dass selbst er mit einem Gehalt von circa 10.000 Euro in seinem Wahlkreis Schöneberg-Tempelhof nichts findet.

Zu empfehlen ist immer, bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Degewo, Gewobag, Howoge, Gesobau, Stadt und Land sowie der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) auf der Homepage nach aktuellen Angeboten zu suchen. Auch die Genossenschaften bieten preiswerten Wohnraum. Doch bei ihnen gibt es in der Regel lange Wartezeiten. Wenn jemand mit einem Monatseinkommen von circa 10.000 Euro nichts Passendes findet, stellt sich die Frage, was derjenige zu welchem Preis sucht. Auf einem großen Immobilienportal werden für einen Mietpreis bis 2000 Euro monatlich für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg jedenfalls aktuell mehr als zwei Dutzend Wohnungen angeboten. Selbst wenn man diese noch um jene Angebote bereinigt, in denen Tauschwohnungen gesucht werden, bleiben einige Angebote übrig.

Vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Tomasz Kurianowicz.