Lange wurde darüber geredet, jetzt ist es soweit: Die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen erleichtern den Wohnungstausch unter ihren Mietern. Wer eine zu große Wohnung gegen eine kleinere wechseln will oder von einer kleineren in eine größere umziehen möchte, der kann ab sofort über ein Wohnungstauschportal im Internet den passenden Partner suchen.

Kaltmieten der beiden Wohnungen bleiben unverändert

Der Wohnungstausch soll dazu beitragen, Mietern schneller zu einer passenden Wohnung zu verhelfen. Das kann sinnvoll sein, wenn Nachwuchs ansteht oder ein Haushaltsmitglied auszieht. Auf diese Weise soll der Wohnraum auch besser verteilt werden. Das Besondere: Kommt es zum Tausch, bleiben die jeweiligen Kaltmieten der beiden Wohnungen unverändert.

Das heißt: Die Tauschpartner müssen nicht befürchten, dass sie am Ende für ihre Bereitschaft zum Wohnungstausch finanziell bestraft werden. Denn normalerweise erhöhen Vermieter beim Abschluss neuer Verträge die Miete. Für viele kommt deswegen ein Umzug aus einer großen noch preiswerten Wohnung in eine kleinere, aber teurere Wohnung nicht in Betracht.

Städtischen Vermieter lösen Versprechen ein 

Von dem neuen Service profitieren aber nur die Mieter der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Das sind Degewo, Gewobag, Howoge, Stadt und Land, Gesobau und Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM). Sie verwalten rund 300.000 der etwa 1,6 Millionen Mietwohnungen in Berlin.

Auf der Internetseite können die Mieter ihre Tauschangebote einstellen und die der anderen Mieter ansehen. Mit der Tauschbörse lösen die städtischen Vermieter ein Versprechen ein, das sie 2017 in einer Kooperationsvereinbarung mit dem Senat gegeben haben.

„Das heute gestartete Wohnungstauschportal bietet den Mieterinnen und Mietern der sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften die Möglichkeit, nach einer neuen, zu ihrer aktuellen Lebenssituation passenden Tauschwohnung zu suchen“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Montag. „Ich möchte alle interessierten Mieterinnen und Mieter ermuntern, dieses Angebot zu nutzen, wenn sie ihre persönliche Wohnsituation verändern wollen.“

„Ein konkretes Tauschangebot mit klaren Bedingungen“

Haben sich zwei potenzielle Tauschparteien gefunden, erfolgen die weiteren Schritte bis zum Wohnungstausch durch die Servicecenter der jeweiligen Unternehmen. Wie der Tausch abläuft, wird auf der Internetseite in einem Erklärvideo gezeigt. Außerdem finden sich dort Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Bis Ende September sollen zudem alle rund 300.000 Haushalte bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften mit einem Faltblatt über den Wohnungstausch informiert werden. Darüber hinaus wollen die Unternehmen die Mieter über gut 15.000 Aushänge in den Wohnanlagen über das neue Angebot ins Bild setzen und über die Mieterzeitschriften der Unternehmen auf das Angebot aufmerksam machen.

„Bundesweit zum ersten Mal haben mehrere Wohnungsunternehmen ein konkretes Tauschangebot mit klaren Bedingungen aufgesetzt“, sagte Jörg Franzen, Vorstandschef der Gesobau und Sprecher der landeseigenen Wohnungsunternehmen. Den Mietern der landeseigenen Unternehmen stehe ein potenzieller Tauschpool von rund 300.000 Wohnungen zur Verfügung. Der Wohnungstausch sei ideal für alle Mieter, die sich vergrößern oder verkleinern wollen.

Nur Hauptmieter mit einem ungekündigten Mietvertrag

Wichtig: Die Wohnung tauschen können nur Hauptmieter mit einem ungekündigten Mietvertrag bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Einen Rechtsanspruch auf einen Tausch gibt es jedoch nicht. Nicht tauschfähig sind Wohnungen, die durch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften nur verwaltet werden, sich aber nicht in deren Eigentum befinden.

Schwierig wird es bei Sozialwohnungen, für deren Bezug ein Wohnberechtigungsschein (WBS) nötig ist. Wer keinen WBS hat, darf auch nicht in eine solche Wohnung einziehen. Es kann sein, dass sich die Miete in bestimmten Fällen nach dem Tausch doch ändert. Und zwar dann, wenn der Vormieter aufgrund eines niedrigeren Einkommens eine geringere Miete zahlen musste. Einkommensabhängige Sonderregelungen sind nicht übertragbar.

Auch die Warmmiete kann differieren. Ziehen beispielsweise vier Personen in eine Wohnung, in der vorher nur zwei Mieter gelebt haben, dürften die Betriebskosten nach dem Tausch höher liegen, weil zum Beispiel mehr geduscht wird. Mit einer Mietänderung ist ferner zu rechnen, falls der Vormieter eine Mieterhöhung erhalten hat, die erst nach dem Tausch wirksam wird.

Forderung von Vermittlungsprovisionen nicht zulässig

Wie schnell der Tausch geht, hängt von mehreren Faktoren ab: Zum Beispiel davon, welche Instandsetzungen in den Wohnungen nötig sind und wie schnell die Tauschpartner ihre Umzüge organisieren können. Klar ist: Die Forderung von Vermittlungsprovisionen oder Abstandszahlungen ist nicht zulässig. Haben sich zwei Tauschpartner gefunden, können sie Fotos der Wohnungen austauschen und Besichtigungstermine vereinbaren. Wenn beide Tauschpartner die neuen Mietverträge unterschrieben haben, ist der Tausch perfekt.