Ein Zimmer, 39,5 Quadratmeter, Badewanne und großer Balkon für 370 Euro kalt - eine Berliner Hausverwaltung sucht auf dem Portal Immobilienscout24 einen Mieter für eine Wohnung an der Schillerpromenade im Neuköllner Schillerkiez.

"Gentrification wellcome!"

So weit, so gut. Doch das ist nicht alles. Betont wird in dem Inserat auch die Top-Lage im aufstrebenden Schillerkiez, "umgeben von Szenekneipen, Galerien, Künstlern und Boheme". Die Hausverwaltung wirbt mit dem Schlagwort Gentrifizierung ("Gentrification wellcome!") - dass dadurch bereits viele Altmieter wegen steigender Mieten und Luxussanierungen aus dem Schillerkiez verdrängt wurden, schreibt sie nicht. 

Wohnung an der Flüchtlingsunterkunft "ganz nahe am Nerv der Zeit"

Stattdessen hebt sie die exklusive Lage in unmittelbarerer Nähe  zur Massenunterkunft für Flüchtlinge am Tempelhofer Feld hervor: Die Wohnung liege damit "ganz nahe am Nerv der Zeit". Sehr viele Flüchtlinge hätten dort im Flughafengebäude eine neue Heimat gefunden. "Hier wird Zeitgeschichte lebendig und versteckt sich nicht hinter verklemmter Anpassung", heißt es in der skurrilen Wohnungsanzeige. Außerdem eigne sich das Tempelhofer Feld hervorragend zum Joggen, Grillen, Windsurfen oder Skaten.

Ob das geschmacklose Inserat ernst gemeint ist oder ob es sich gar um einen Fake handelt, bleibt unklar. Als Urheber ist die Privata Hausverwaltung GmbH angegeben. Für eine Stellungnahme war diese am Donnerstag nicht zu erreichen. Für die Autoren der Berliner Internetseite "Notes of Berlin", bekannt für ihre Sammlung von Hauptstadt-Absurditäten, liest sich die Anzeige jedenfalls "wie ein misslungener 1. Aprilscherz".

Kritische Passagen entfernt

Update 8.4.2016, 10.45 Uhr: Nach der Kritik an dem Inserat hat der Wohnungsanbieter reagiert und die Passagen entfernt. Von "Gentrification wellcome!" und der Nähe zur Flüchtlingsunterkunft ist nun keine Rede mehr. Dafür wird jetzt mit einem anderen Highlight am Tempelhofer Feld geworben: "Fehlt nur noch der eigene Hubschrauberlandeplatz. Einfach mal beim Berliner Senat nachfragen."