Berlin - Wohnen mitten in der Stadt und doch im Grünen? Kein Problem für alle, die einmal an der Flottwellstraße in Kreuzberg wohnen werden. Derzeit entstehen dort, zwischen Landwehrkanal und U-Bahntrasse, insgesamt rund 700 Wohnungen. Am Montag war Richtfest für das Projekt „Flottwell Living“ unmittelbar am Rand des Gleisdreieck-Parks: Die Berliner Groth-Gruppe baut dort, zwischen Lützow- und Pohlstraße, elf Stadtvillen mit insgesamt 270 Wohnungen. Es sind 148 Eigentums- und 122 Mietwohnungen.

Die Neubauten komplettieren ein Quartier, das sein Aussehen in den vergangenen Jahren komplett verändert hat. Ausgangspunkt dafür war der 26 Hektar große Park am Gleisdreieck, der seit Herbst 2013 fertig ist. Aus der riesigen Bahnbrache , auf der in den 90ern die Baulogistik für den nahen Potsdamer Platz untergebracht war, entstand eine der beliebtesten Grünflächen der Stadt. Jetzt zieht die Umgebung nach: An der Flottwellstraße, wo früher außer einem wilden Parkplatz nichts war, stehen schicke Mehrgeschosser in Reih und Glied. Verschiedene Baugruppen haben investiert. Noch sind fast überall die Handwerker tätig.

Stramme Preise pro Quadratmeter

An der Möckernstraße/Ecke Yorckstraße baut bis 2016 eine Genossenschaft ein autofreies Wohnviertel mit 464 Wohnungen am Parkrand. Doch am nächsten dran am Grün wohnt man ab dem Sommer kommenden Jahres im Groth-Projekt „Flottwell Living“. Aus fast allen Wohnungen der U-förmig angeordneten Häuser blickt man ins Grüne, das in zwei, drei Minuten erreicht ist. Nur wenige Meter entfernt sind aber auch der große Sport- und der Spielplatz.

Vielleicht wird es ja auch dort bald erste Mieterklagen wegen Lärmbelästigung geben. Denn die Menschen, die in die 270 Groth-Bauten einziehen, bezahlen dafür nicht wenig Geld. Der Kaufpreis für die Eigentumswohnungen beginnt bei 3 200 Euro pro Quadratmeter, die Baugruppen auf der anderen Straßenseite kalkulieren ab 2 500 Euro.

80 Prozent der Wohnungen sind schon verkauft

Trotzdem seien die Eigentumswohnungen, so Firmenchef Klaus Groth, bereits zu 80 Prozent verkauft. Knapp 13 Prozent der Käufer kämen aus dem Ausland, 27 Prozent aus dem Bundesgebiet und knapp zwei Drittel der Wohnungen wurden an Berliner verkauft. Die 122 Mietwohnungen, die am nächsten am Sportplatz und an der vorbeiquietschenden U 1 liegen, hat die Wohnbau GmbH aus Bonn gekauft. Das Unternehmen, das der gemeinnützigen Stiftung Wohnhilfe gehört, rechnet mit einer guten Vermietung, wie Geschäftsführer Jens Bräutigam sagte: „Mit 12 bis 13,504 Euro pro Quadratmeter nettokalt bewegen wir uns im unteren Drittel dessen, was der Markt hergibt.“

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) lobte das Bauprojekt. „Die Berliner Mischung aus Miet- und Eigentumswohnungen ist hier gut gelungen“, sagte er. Dass die meisten der neuen Wohnungen von Berlinern gekauft wurden, ist für ihn ein Beleg dafür, dass Wohnungsneubau nicht nur für Zuzügler wichtig ist. Um aber die in den nächsten Jahren zu erwartenden 250 000 Zuzügler zu versorgen, brauche es das Engagement aller. Nach der Niederlage des Senats bei der Abstimmung zum Wohnungsbau am Tempelhofer Feld müsse man stärker um Akzeptanz für Großprojekte werben.

Bekenntnis zum Neubau

Für gelungen hält man das Neubauprojekt am Gleisdreieck-Park auch im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) erinnerte an die Debatten zur Gestaltung der Bebauung: Dass man zwischen den siebengeschossigen Neubauten jetzt ins Grüne und nicht nur auf Mauern blicke, sei ausdrücklicher politischer Wunsch des Bezirks gewesen. Panhoff: „Wir befürworten jeden Neubau, der sich in sein Umfeld einfügt und sich nicht abschottet.“ Zum Umgang mit künftigen Neubauprojekten sagte der Stadtrat, man müsse den Dialog offen und intensiv führen: „Es ist nichts gewonnen für die Stadt, wenn wir nur noch über Volks- und Bürgerentscheide kommunizieren.“ Sein Bezirk jedenfalls bekenne sich zum Wohnungsneubau.